CLL – chronische lymphatische Leukämie

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Form der Leukämie in Mitteleuropa. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5.000 Menschen daran.

Menschen mit Leukämie (CLL) in Alltagssituationen
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Was ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL)?

Als Leukämie oder Blutkrebs werden verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems bezeichnet. Dabei wird die Produktion gesunder Blutzellen durch zu viele nicht funktionsfähige weiße Blutzellen gestört.

Bei einer Leukämie kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von weißen Blutzellen (Leukozyten) genannt. Sie spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem: Gesunde weiße Blutzellen sind im Körper für die Abwehr von Infektionen zuständig. Wenn weiße Blutzellen in einem noch nicht ausgereiften Stadium entarten, können sie ihre Funktion im körpereigenen Abwehrsystem nicht erfüllen. Je mehr dieser funktionsunfähigen Zellen sich im Knochenmark, im Blut oder im Lymphsystem befinden, umso mehr werden gesunde weiße Blutzellen, rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) verdrängt. Die Erythrozyten sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Aufgabe der Thrombozyten ist die Blutgerinnung.

Vier Arten von Leukämie

Es gibt verschiedene Arten von Leukämie, die zum einen nach dem Erkrankungsverlauf und zum anderen nach der Herkunft der Zellen unterschieden werden:

  • chronischen myeloischen Leukämie (CML)
  • akuten myeloischen Leukämie (AML)
  • chronischen lymphatischen Leukämie (CLL)
  • akuten lymphatischen Leukämie (ALL)

Akute Verlaufsformen schreiten schnell und unkontrolliert voran. Chronische Verlaufsformen zeichnen sich durch einen in der Regel langsamen Verlauf aus. Bei myeloischen Formen der Leukämie entarten myeloische Zellen, eine bestimmte Form weißer Blutzellen. Bei den lymphatischen Leukämien ist dagegen eine andere Unterart der weißen Blutzellen betroffen, die sogenannten Lymphozyten.

B-Lymphozyten: Unkontrollierte Zellvermehrung

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) zählt sowohl zu den Lymphomen als auch zu den Leukämien: Da sie ihren Ursprung im lymphatischen Organsystem (Lymphknoten, Milz, Leber) hat, handelt es sich hierbei um eine Unterform der Lymphomerkrankungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Lymphomen verläuft die CLL allerdings leukämisch. Das bedeutet, die entarteten Zellen finden sich nicht nur in den lymphatischen Organen, sondern auch im Knochenmark und im Blut.

Zahlen und Fakten

  • CLL ist die häufigste Form der Leukämie in Mitteleuropa
  • In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5.000 Menschen an CLL
  • Die Erkrankung tritt vor allem bei Menschen in fortgeschrittenem Alter auf
  • Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen

Eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) entsteht im lymphatischen System mit einer Veränderung einer einzigen Zelle, eines sogenannten B-Lymphozyten. Diese Zelle vermehrt sich langsam, aber unkontrolliert. Die so entstehenden Zellen sind nicht funktionsfähig. Sie leben länger als gesunde Zellen und können sich im Knochenmark ansammeln. Dort behindern sie die Bildung gesunder Blutzellen. Nach und nach können die veränderten Zellen auch andere Organe wie Leber oder Milz befallen.

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Erste Anzeichen und Symptome

Welche Symptome die chronische lymphatische Leukämie (CLL) begleiten und wie ausgeprägt sie sind, kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Betroffene, bei denen nur ein Symptom auftritt, andere haben mehrere krankheitsbedingte Beschwerden. Häufig verursacht die Erkrankung zu Beginn keine Symptome, sodass sie dann zufällig endeckt wird. Es kann viele Jahre dauern, bis sich erste Anzeichen bemerkbar machen. Manchmal gibt erst eine Häufung verschiedener Beschwerden Anlass zu weiteren Untersuchungen.

Im Krankheitsverlauf verdrängen die kranken Zellen mehr und mehr gesunde, funktionsfähige Blutzellen. Das kann Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen haben. Im fortgeschrittenen Stadium einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) bemerken viele Betroffene etwa eine Verminderung der Leistungsfähigkeit zusammen mit Müdigkeit und Blässe. Der Arzt stellt dann häufig eine erhöhte Blutungsneigung, eine schmerzlose Schwellung der Lymphknoten oder auch eine Vergrößerung von Milz oder Leber fest.

Mögliche Folgen einer chronischen lymphatischen Leukämie

  • Mangel an roten Blutkörperchen:
    führt zu einer Blutarmut (Anämie); typische Anzeichen können Müdigkeit, Blässe und nachlassende Leistungsfähigkeit sein.
  • Mangel an gesunden weißen Blutzellen:
    wirkt sich auf die körpereigene Abwehr aus; häufige Infekte, die unter Umständen schwerer verlaufen und langsamer ausheilen als gewöhnlich, können die Folge sein.
  • Mangel an Blutplättchen:
    zeigt sich in einer erhöhten Blutungsneigung; Wunden oder Verletzungen bluten stärker, und es kommt häufiger zu blauen Flecken ohne ersichtlichen Grund.
  • Allgemeinsymptome:
    als Folge der Vermehrung der kranken B-Lymphozyten; unter anderem Fieber unklarer Ursache, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust (mehr als 10 % des Körpergewichts in 6 Monaten).

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Weg zur Diagnose

Dadurch, dass eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) im Anfangsstadium meist keine Beschwerden verursacht, wird sie häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Einige Betroffene suchen aufgrund unklarer Beschwerden einen Arzt auf. Dazu zählen beispielsweise eine nachlassende Leistungsfähigkeit, Müdigkeit oder Gewichtsverlust. Steht der Verdacht CLL im Raum, kann Ihr Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen.

Erste Untersuchungen durch den Hausarzt

Häufig ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Auf dem Weg zur Diagnose der CLL erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arzt. Dabei erkundigt er sich unter anderem nach Beschwerden, bestehenden Erkrankungen oder Erkrankungen in Ihrer Familie. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung kann er feststellen, ob Lymphknoten, Milz oder Leber vergrößert sind. Ein erstes Blutbild gibt Aufschluss darüber, ob die Anzahl der weißen Blutzellen (Leukozyten), darunter vor allem die der Lymphozyten, erhöht ist. Es zeigt auch, ob die Menge der roten Blutkörperchen und Blutplättchen verringert ist. Erhärtet sich durch diese Untersuchungen der Verdacht auf eine chronische lymphatische Leukämie (CLL), überweist der Hausarzt an einen Facharzt.

Beim Facharzt: Hämatologe und Onkologe

Ein Hämatologe und Onkologe ist auf die Diagnose und Behandlung von bösartigen Bluterkrankungen spezialisiert und somit der Experte für die Diagnose und Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Er kann die Diagnose durch weitere Untersuchungen absichern und auch feststellen, in welchem Stadium die Erkrankung sich befindet. Das geschieht zum einen mithilfe von speziellen Blutuntersuchungen, zum anderen durch bildgebende Verfahren.

Sie kann Aufschluss darüber geben, welcher spezielle Zelltyp im Blut vermehrt zu finden ist. Für die Diagnose CLL ist die Anzahl der B-Lymphozyten entscheidend. Außerdem lässt sich erkennen, ob die B-Lymphozyten entartet sind. Kranke Zellen unterscheiden sich durch charakteristische Merkmale auf der Zelloberfläche von gesunden. Bei einer CLL stammen alle kranken Zellen von einem einzigen entarteten B-Lymphozyt ab. Weisen alle kranken Zellen die gleiche Oberflächenstruktur auf und liegt ihre Anzahl bei über 5.000 Zellen pro Mikroliter Blut, gilt die Diagnose CLL als gesichert.

Aufschluss über den Zustand der Lymphknoten und Organe im Bauchraum kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) oder eine Computertomografie (CT) geben.

Durch Abtasten der Lymphknoten am Hals, unter den Achseln und in den Leisten sowie der Leber und Milz kann der Arzt beurteilen, ob und in welchem Ausmaß diese vergrößert sind.

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Krankheitsverlauf der CLL

Der Krankheitsverlauf der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) ist bei den meisten Betroffenen langsam bis mäßig schnell. Viele haben in den ersten Jahren nach der Diagnose keine Beschwerden und können gut mit der Erkrankung leben. Ein rasches Fortschreiten der Erkrankung ist selten. Um den individuellen Krankheitsverlauf besser einschätzen zu können, bestimmt der behandelnde Hämatologe das Stadium der CLL. Die Ausbreitung der Erkrankung im Körper kann mithilfe der sogenannten Binet-Klassifikation eingeteilt werden. Dabei werden drei Stadien der chronischen lymphatischen Leukämie unterschieden: Die Stadien A und B gelten als frühe Krankheitsstadien, während C ein fortgeschrittenes Stadium bezeichnet. Neben dem Befall des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Milz und Leber) wird für die Beurteilung des Krankheitsverlaufs auch die Beeinträchtigung der gesunden Blutbildung berücksichtigt.

Drei Stadien der CLL nach Binet

Stadium Beschreibung
A Weniger als drei Lymphknotenregionen befallen, keine Blutarmut (Anämie), keine Verminderung der Blutplättchen und damit keine Blutungsneigung
B Drei oder mehr befallene Lymphknotenregionen, keine Blutarmut, keine Verminderung der Blutplättchen und damit keine Blutungsneigung
C Vorliegen einer Blutarmut oder einer verminderten Anzahl von Blutplättchen und damit einer erhöhten Blutungsneigung; die Anzahl der befallenen Lymphknotenregionen spielt keine Rolle

Genetische Untersuchung: Aufschluss über CLL-Verlauf

Genetische Untersuchungen können ebenfalls dazu beitragen, die Erkrankung und ihren individuellen Verlauf besser einzuschätzen. Dadurch erhält der Arzt weitere Hinweise darauf, welche Therapie am besten geeignet ist. Auch der richtige Zeitpunkt und die Intensität der Behandlung können so besser abgeschätzt werden.

Zytogenetische Untersuchung
Im Rahmen einer sogenannten zytogenetischen Untersuchung werden die Chromosomen (Träger des Erbguts) der kranken B-Lymphozyten untersucht. Dazu genügt eine einfache Blutentnahme. So können Veränderungen im Erbgut der Krebszellen festgestellt werden. Diese können teils das Überleben der Krebszellen begünstigen. Einigen Betroffenen fehlt beispielsweise ein bestimmter Abschnitt eines Gens (17p-Deletion), oder bestimmte Gene sind beschädigt (TP53-Mutation).

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