21. November 2018

Berufliche Integration: RheumaPreis zum 10. Mal vergeben

Mit Rheuma aktiv im Beruf zu bleiben ist keine Selbstverständlichkeit. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können zu Einschränkungen im Arbeitsalltag führen. Neben einer frühzeitigen Diagnose und konsequenten Therapie kann auch eine Unterstützung am Arbeitsplatz dazu beitragen, die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Rheuma aufrechtzuerhalten. Genau dieses wichtige Ziel steht im Fokus des RheumaPreises, der in diesem Jahr zum 10. Mal verliehen wurde. Ausgezeichnet werden herausragende Lösungen, die es Menschen mit Rheuma ermöglichen, ihren Beruf weiter auszuüben. Den Preis erhalten sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber, denn gewürdigt wird die Gesamtleistung. „Die drei Preisträgerinnen und ihre Arbeitgeber haben Vorbildcharakter über ihre Branche und ihren Standort hinaus“, betonte Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart bei der Preisverleihung. „Ich freue mich, dass die Initiative RheumaPreis bereits im 10. Jahr die Integration chronisch kranker Menschen im Berufsleben würdigt und damit fördert.“ Der Preis ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert.

Rheuma am Arbeitsplatz: Mit Offenheit den beruflichen Weg gegangen

Zu den Preisträgern zählt Ines Brodbeck. Die heute 36-Jährige hat bereits seit ihrem 5. Lebensjahr rheumatoide Arthritis und arbeitet in der Rechenstelle des Sozialamts beim Landratsamt Böblingen. „Mein Motto war und ist es, mich von Rheuma nicht unterkriegen zu lassen“, betont die Verwaltungsangestellte. „Frau Brodbeck verfügt über mehrere Berufsausbildungen – diese Qualifikationen haben ihr den Weg in das Landratsamt geebnet“, sagt Bettina Wagner, Personalamtsleiterin des Landratsamts Böblingen. „Bereits im Vorstellungsgespräch ist sie sehr offen mit ihrer rheumatischen Erkrankung umgegangen und hat von sich aus über mögliche Folgen informiert. Diese Ehrlichkeit und die innere Einstellung von Frau Brodbeck, trotz gesundheitlicher Belastung – oder gerade deshalb – weiter leistungsbereit zu sein, haben uns sehr imponiert.“

Berufliche Neuorientierung mit Rheuma

Die Wege zur Verwirklichung der beruflichen Ziele mit Rheuma sind sehr verschieden. Manchmal ist auch ein Umdenken gefordert. So erging es der Preisträgerin Michaela Frank. Mit 40 Jahren erhielt sie die Diagnose rheumatoide Arthritis. Die Erkrankung machte es bald unmöglich, ihre Arbeit in der Krankenhausküche und dem Mitarbeitercasino im Klinikum Schloß Winnenden fortzuführen. Neue Perspektiven beim Arbeitgeber fanden sich im gemeinsamen Gespräch mit dem Personalleiter, einer Personalrätin, dem Schwerbehindertenvertreter und einer Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes. „Auch über eine Umschulung zur IHK-geprüften Bürokauffrau haben wir uns damals ausgetauscht“, berichtet Michaela Frank. „Ich selbst hätte mir das mit 40 Jahren nicht mehr zugetraut – meine Vorgesetzten und das Integrationsteam aber schon!“ Das ist 10 Jahre her und heute arbeitet sie nach erfolgreicher Umschulung als Personalratssekretärin und Mitarbeiterin im Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM).

Mit Rheuma in die Selbstständigkeit

Für Preisträgerin Anja Karlstetter war es der Schritt in die Selbstständigkeit, der ihre Arbeitsfähigkeit sicherte, nachdem bei ihr mit 40 Jahren mikroskopische Polyangiitis festgestellt wurde. „Als die Ärzte mir in der Klinik dann mitteilten, dass ich aufgrund der Erkrankung meinen Sport und damit auch meinen Beruf an den Nagel hängen könnte, war das ein Schock.“ Unterstützung bekam sie von einer Kollegin, mit der sie schon lange der Wunsch einer Selbstständigkeit verband. „In dieser sehr verzweifelten Lage haben mir die Vorstellung eines gemeinsamen Fitnessstudios und die große Liebe meiner Familie die Kraft gegeben, wieder auf die Beine zu kommen“, erklärt Anja Karlstetter. „Diesen September feiert unser Studio 10-jähriges Jubiläum – und in den letzten Jahren fiel ich zum Glück auch kaum mehr aus. Ich unterrichte inzwischen wieder fast alles und bin sehr dankbar dafür.“ Das Studio hat eine gesundheitsorientierte Ausrichtung und ist auch Anlaufstelle für Menschen mit Rheuma.