24. Juni 2020

CED und Acne inversa: Wenn Darm und Haut betroffen sind

Sowohl Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als auch Acne inversa sind durch eine chronische Entzündung gekennzeichnet. Mit dem Verdauungstrakt auf der einen und der Haut auf der anderen Seite betrifft die Entzündung jedoch jeweils unterschiedliche Organe. Gemeinsamkeiten gibt es zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und der Hauterkrankung bei der Entstehung. Das führt auch dazu, dass mit einer CED ein erhöhtes Risiko besteht, Acne inversa zu bekommen. Sie zählt damit zu den sogenannten Begleiterkrankungen von CED. So erkranken etwa 14–18 % der Menschen mit Colitis ulcerosa und 17–26 % der Menschen mit Morbus Crohn zusätzlich an Acne inversa.* Das zu erkennen ist in vielen Fällen eine Herausforderung. Die richtige Diagnose ist jedoch wichtig, denn treffen beide Entzündungserkrankungen zusammen, muss dies auch bei der Behandlung berücksichtigt werden, damit beide Krankheiten kontrolliert werden.

Acne inversa ist keine Akne

Acne inversa zählt zu den eher unbekannten Hauterkrankungen, wenngleich ihre Folgen sehr belastend für die Betroffenen sind. Durch ihren Namen wird sie häufig mit der normalen Akne in Verbindung gebracht, hat damit jedoch nichts zu tun. Bei Acne inversa bilden sich schmerzhafte etwa erbsengroße Knoten in der Haut. Schreitet die Erkrankung fort, kommt es zu Abszessen, Fisteln und später Narbenbildung. Der Bereich der Achseln, der Leisten, des Gesäßes sowie die Innenseite der Oberschenkel sind die typischen Körperregionen, an denen sich Acne inversa zeigt. Es sind Stellen mit vielen Schweißdrüsen und Haarwurzeln sowie solche, an denen die Haut aneinanderreibt. Dort kommt es zu einer Verstopfung des Haarwurzelkanals. Der Haarbalg schwillt an, kann sich entzünden oder sogar reißen, wenn die Schwellung zu stark wird.

Gemeinsamkeit: Aufruhr im Immunsystem

Eine weitere Rolle bei der Entstehung von Acne inversa spielt eine Fehlreaktion des Immunsystems. Hier liegt eine Gemeinsamkeit mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei denen die körpereigene Abwehr ebenfalls aus dem Gleichgewicht gerät. Es sind zum Teil sogar die gleichen entzündungsfördernden Botenstoffe, die den Krankheitsprozess antreiben, zum Beispiel TNF. Dieser Botenstoff ist daher auch ein Angriffspunkt von Medikamenten – bestimmten Biologika –, die sowohl zur Behandlung von CED als auch von Acne inversa eingesetzt werden. Treffen beide Erkrankungen zusammen, sollte die medizinische Betreuung fachübergreifend sein und der behandelnde Gastroenterologe mit einem auf Acne inversa spezialisierten Hautarzt zusammenarbeiten.

Begleiterkrankungen im Blick behalten

Fisteln und Abszesse zählen bei CED wie auch bei Acne inversa zu den möglichen Symptomen. Um eine Acne inversa als Begleiterkrankung bei CED zu erkennen, ist daher eine genaue Diagnose wichtig. Wenn Sie eine CED haben und Ihnen Beschwerden auffallen, die ein Hinweis auf Acne inversa sein könnten, sprechen Sie darüber mit Ihrem behandelnden Arzt. Eine Suchfunktion für Acne-inversa-Behandler in ganz Deutschland bietet das Internetportal NUR MUT.

Weitere Informationen und Tipps zu Begleiterkrankungen bietet Ihnen die Broschüre „Begleiterkrankungen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen erkennen, vorbeugen und behandeln“, die hier zum Download bereitsteht.

*van der Zee HH, de Winter K, van der Woude CJ et al. The prevalence of hidradenitis suppurativa in 1093 patients with inflammatory bowel disease. Br J Dermatol 2014; 171: 673–675. │van der Zee HH, van der Woude CJ, Florencia EF et al. Hidradenitis suppurativa and inflammatory bowel disease: are they associated? Results of a pilot study. Br J Dermatol 2010; 162: 195–197