30. April 2018

Chronischer Rückenschmerz: Wann steckt Rheuma dahinter?

Rückenschmerzen zählen zu den Volkskrankheiten. In vielen Fällen haben sie eine mechanische Ursache und werden zum Beispiel durch Überlastung oder Verspannung ausgelöst. Bei etwa einem von vier Menschen mit chronischen Schmerzen im Rücken kann sich jedoch eine chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankung hinter den Symptomen verbergen. Axiale Spondyloarthritis lautet der Oberbegriff für diese Gruppe von rheumatischen Erkrankungen. Dazu zählt Morbus Bechterew, aber auch die sogenannte nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis. Diese Erkrankungen frühzeitig zu erkennen ist entscheidend, um rechtzeitig mit einer wirksamen Therapie die Schmerzen einzudämmen und bleibende Schäden zu verhindern. Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) weisen darauf hin, dass jedoch nur bei jedem Vierten mit einer chronisch- entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung die richtige Diagnose gestellt wird.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufig zu spät erkannt

„Als Ursache für den Rückenschmerz werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufig gar nicht oder erst zu spät erkannt“, erläutert Dr. med. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. „In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit von rund einem Prozent der Bevölkerung ist es besonders wichtig, schnelle und sichere Diagnosen zu stellen, um Betroffene frühzeitig zu therapieren. Nur so können Folgeschäden, Einschränkungen und schlimmstenfalls Arbeitsunfähigkeit verhindert werden.“ Chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen werden durch eine Fehlleitung des Immunsystems verursacht. Das menschliche Abwehrsystem richtet sich gegen körpereigenes Gewebe und es kommt zu einer Entzündung. Betroffen sind insbesondere die Wirbelsäule und das Kreuz-Darmbein-Gelenk.

Merkmale rheumatischer Rückenerkrankungen

Es gibt bestimmte Merkmale, die einen Hinweis liefern können, ob Rheuma als Ursache für chronischen Rückenschmerz infrage kommt. „Bereits in der Erstversorgung sollten Patienten unter 45 Jahren, die über 12 Wochen chronische Rückenschmerzen haben, auf Charakteristika einer Rheumaerkrankung befragt werden“, empfiehlt Dr. med. Uta Kiltz. „Wacht beispielsweise der Patient aufgrund von Schmerzen regelmäßig in der zweiten Nachthälfte auf oder verbessern sich die Beschwerden bei Bewegung, sollte unbedingt an die Möglichkeit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung gedacht werden.“

Mögliche Hinweise auf axiale Spondyloarthritis

  • Beschwerden halten über mehr als drei Monate an
  • Alter beim Auftreten der ersten Symptome unter 45 Jahre
  • Langsamer Beginn der Beschwerden über Wochen
  • Tief sitzender Rückenschmerz, der bis ins Gesäß bzw. in die Oberschenkel ausstrahlt
  • Bewegungseinschränkungen insbesondere in den Morgenstunden nach längerer Ruhigstellung
  • Besserung der Schmerzen und Beweglichkeit durch Bewegung
  • Schmerzen, die in der Nacht und den frühen Morgenstunden am stärksten sind und im Laufe des Tages nachlassen
  • Allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Besteht bei chronischen Rückenschmerzen der Verdacht, dass eine entzündlich-rheumatische Erkrankung die Ursache ist, sollte keine Zeit verloren und ein Rheumatologe aufgesucht werden. Er kann eine genaue Diagnose stellen und die passende Behandlung finden.