20. September 2018

Frühgeborene: Mit dem Baby endlich nach Hause

Kommt ein Kind als Frühchen zur Welt, benötigt es direkt nach der Geburt besondere Aufmerksamkeit und medizinische Betreuung. Nach Wochen in der Klinik kommt dann endlich der langersehnte Moment: Das Frühgeborene darf mit nach Hause. Auf der Neugeborenenstation war die Pflege und ärztliche Betreuung rund um die Uhr gewährleistet. Zu Hause muss der Alltag ganz neu organisiert werden. Zunächst kommen viele Fragen auf, doch mit Ruhe und Geduld findet sich bald der neue Tagesrhythmus. Während des Klinikaufenthaltes gibt es zahlreiche Möglichkeiten, viel über den Umgang mit dem Frühchen zu lernen. Doch auch ohne die schützende Umgebung der Klinik werden die Eltern nicht allein gelassen. Das Klinikpersonal gibt weiterhin gern Auskunft zu allen Fragen und Problemen. Wichtig ist darüber hinaus, einen Kinderarzt für die Betreuung des Frühgeborenen in Wohnortnähe zu finden. Er kann mit Rat und Tat zur Seite stehen und das Frühchen professionell betreuen. Auch die Erfahrungen anderer Eltern von Frühgeborenen können eine große Unterstützung sein. Es gibt bundesweit Elternvereine, die weiterhelfen können.

Entwicklung des Frühgeborenen: Wann ist das Kind reif genug?

Wann der richtige Zeitpunkt für die Entlassung des Frühgeborenen aus der Klinik gekommen ist, wird individuell und mit großer Sorgfalt entschieden. Dabei ist kein Baby mit einem anderen vergleichbar. Somit kann die Länge des Klinikaufenthaltes auch ganz unterschiedlich sein.

Das Frühchen kann nach Hause, wenn:

  • keine technische Hilfe beim Atmen mehr benötigt wird und keine Atempausen entstehen
  • die Laborwerte stabil sind, keine Medikamente mehr über die Vene verabreicht werden und das Baby alle Medikamente allein schlucken kann
  • das Wärmebettchen oder der Inkubator nicht mehr nötig sind, weil das Frühchen allein in der Lage ist, seine Körpertemperatur stabil zu halten
  • keine Nahrungssonde mehr für die Ernährung gebraucht wird
  • eine Überwachung mit Geräten nicht mehr erforderlich ist, weil alle wichtigen Funktionen (Herztätigkeit und Atmung) des Kindes stabil sind – nur in Einzelfällen ist eine zeitweilige Überwachung zu Hause nötig

Gut vorbereitet mit dem Frühchen nach Hause

In der Klinik sind alle Dinge für die Versorgung des Babys bereits vorhanden. Geht es nach Hause, gilt es auch hier die richtige Ausstattung bereitzuhaben.

Zur Grundausstattung für das Frühchen gehören:

    • ein Stubenwagen, eine Wiege oder ein Bettchen mit mittelharter Matratze
    • ein Wickelplatz an einem warmen Ort und evtl. mit einem darüber angebrachten Heizstrahler
    • ein Kinderwagen und ein Autositz

In den ersten Tagen zu Hause müssen sich Eltern wie auch das Frühgeborene an die neue Situation gewöhnen. Das kann viel Kraft kosten und die gesamte Aufmerksamkeit verlangen. Hilfreich ist es, vorher ein paar Dinge vorzubereiten:

  • einkaufen und das Gefrierfach mit Essen auffüllen, so fällt der Weg zum Supermarkt in den ersten Tagen weg
  • Fläschchen und Sauger waschen und sterilisieren, damit sie vorrätig und griffbereit sind
  • evtl. Muttermilch auf Vorrat einfrieren
  • Windeln besorgen und die Erstausstattungen fürs Baby waschen, möglichst ohne Weichspüler (gekaufte Kleidung sollte vor dem ersten Tragen immer in die Waschmaschine)
  • Babypflegemittel bereitstellen (Wundschutzcreme)
  • eine Pinnwand mit allen wichtigen Telefonnummern und Terminen versehen
  • ggf. vorher eine gewisse Arbeitsteilung abstimmen, das kann unnötigen Stress vermeiden
  • vielleicht noch einmal einen ungestörten Abend zu zweit verbringen, denn mit der ruhigen Zweisamkeit wird es dann erst einmal für eine Weile vorbei sein

Das Frühgeborene daheim: in Ruhe eingewöhnen

Zu Hause angekommen, strömt durch die neue Umgebung eine Vielzahl ungewohnter Reize auf das Frühchen ein. Es kann dadurch irritiert werden und sich ganz anders als in der Klinik verhalten. Nun braucht es Zeit, um seinen Rhythmus wieder zu finden und sich an die neue Umwelt anzupassen. Für das Frühgeborene, aber auch für die Eltern sollte diese erste sensible Phase zu Hause möglichst ruhig und ohne übertriebene Aktivitäten gestaltet werden. Eine zufriedene und glückliche Mutter ist das Wichtigste für das Baby. Unterstützung bei der Hausarbeit oder auch jemand, der auf das Frühgeborene ab und zu aufpasst, können eine große Entlastung sein. So wird ein wenig Freiraum geschaffen, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Das Zusammenleben mit dem Frühchen sollte sich als gegenseitige Beziehung gestalten, in der keiner vollständig den Tagesablauf des anderen bestimmt.

Ein paar einfache Dinge unterstützen das Frühgeborene in der Eingewöhnungsphase:

  • Wenn das Baby sanft, aber fest eingepackt wird, vermittelt diese Hülle Sicherheit.
  • Eventuell empfiehlt es sich, für zwei oder drei Tage Licht und Geräusche der Frühchenstation nachzuahmen (leises Radio, schwaches Licht).
  • Ein Schnuller kann beruhigen, wenn das Baby unruhig ist.
  • Zu viel Besuch sollte vermieden werden. Zu viel Trubel macht nervös, das kann sich auf das Kind übertragen.
  • Nur gesunde und nicht erkältete Personen sollten das Neugeborene besuchen. Frühchen sind besonders anfällig für Infekte. Insbesondere eine Ansteckung mit dem RS-Virus sollte vermieden werden.