12. Mai 2017

Hepatitis-C-Therapie: „Ich würde diesen Weg jederzeit wieder gehen“

Oft bleibt die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus über Jahre unentdeckt und die Diagnose wird zufällig nach einer Routineuntersuchung gestellt. So erging es auch Sabine Markus, die mit dem Virus 24 Jahre lang lebte, bevor sie von ihrer Infektion erfuhr. Für sie war sofort klar, dass sie den Kampf gegen das Virus aufnehmen würde. Moderne Therapien haben ihr dabei geholfen. Hier erzählt sie ihre persönliche Geschichte.
Es war bloß ein Zufall: Als Sabine Markus Ende 2011 bei ihrem Arzt routinemäßig ihre Blutwerte überprüfen lässt, sind ihre Leberwerte erhöht. „Sie waren nicht völlig außer Rand und Band, aber schon so, dass man noch einmal genauer nachschaut“, blickt die damals 55-Jährige zurück. „Das war schon seltsam, zumal ich fast keinen Alkohol trinke.“ Sie sucht einen Internisten auf, der weitere Tests macht. Ende Januar 2012 steht schließlich fest: Sie ist mit Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren infiziert. So geht es vielen, die mit dem Virus infiziert sind: Die Diagnose wird zufällig gestellt, nachdem die Infektion manchmal unbemerkt und seit Jahren vorliegt.

Wie die Viren in ihren Körper gelangt sind, kann die Ingenieurin, die heute freiberuflich als Lehrerin für naturwissenschaftliche Fächer arbeitet, nicht ganz sicher sagen. Sie vermutet, dass eine über 24 Jahre vor der Diagnose durchgeführte Passivimmunisierung (hierbei werden in der Regel menschliche Antikörper gespritzt, um einen schnellen Impfschutz aufzubauen) die Infektionsquelle war.

„Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus hat mir zunächst den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Sie spricht nach der Diagnose direkt mit ihrem Mann. Als feststeht, dass sie ihn in den vielen Jahren nicht versehentlich angesteckt hat, fällt ihr ein Stein vom Herzen. Für sie selbst wird die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus in der Folgezeit zum zentralen Thema. In den folgenden Wochen recherchiert sie im Internet viel zu Hepatitis C und sucht Antworten auf ihre Fragen. „Dabei wurde mir erst die Tragweite der Infektion bewusst“, bilanziert sie. „Die Anfang 2012 noch üblichen Interferontherapien hatten für mich in meiner persönlichen Situation nur eine Heilungschance von unter 30 %. Das hat mir zunächst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Warten auf neue Therapiemöglichkeiten

Auftrieb gaben der Berlinerin die Ergebnisse weiterer Untersuchungen: Es fanden sich in ihrem Blut zwar viele Viren, aber ihre Leber hatte zum Glück noch keinen bleibenden Schaden genommen. Von einer langwierigen Interferontherapie, die bei den meisten Betroffenen mit vielen Nebenwirkungen verbunden war, rieten ihr mehrere Ärzte ab. Sie beschließt auf neue, effizientere Therapiemöglichkeiten zu warten.

Die Anspannung wich einer Erleichterung

Sabine Markus hat Glück. Als sie im Januar 2013 gefragt wird, ob sie an einer Studie für ein neues Medikament teilnehmen würde, startet sie mit großer Hoffnung: Sie wird mit den neuen interferonfreien Medikamenten behandelt. „Trotz der statistisch relativ hohen Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg weiß man nicht zu 100 %, wie die Therapie für den einzelnen verlaufen wird. Dennoch war ich optimistisch. Hinzu kam, dass ich die Therapie gut vertragen habe. Ich hatte auch nur wenige Nebenwirkungen, die bereits nach kurzer Zeit verschwanden.“ Das „große Bibbern“ begann nach Therapieende: Erst zwölf Wochen später zeigt sich, ob die Viren tatsächlich besiegt sind. „Die Zeit bis dahin und ganz besonders in den ersten Wochen nach der Therapie war ich daher sehr angespannt“, beschreibt die heute 60-Jährige. „Erst als ich Ende Oktober 2013 weiterhin virenfrei war, wich die letzte Anspannung einer großen Erleichterung.“

Selbsthilfe ist für viele eine wichtige Anlaufstelle

Sabine Markus ist selbstbewusst, sie weiß, was sie will, und blickt reflektiert und sachlich auf ihr Leben. Und sie ist trotz eines guten Verlaufs nicht ohne Kritik. „Man sollte nicht erwarten, dass man an die Hand genommen oder immer neutral informiert wird“, urteilt sie. „Deshalb finde ich es so wichtig, sich Unterstützung oder eine Zweitmeinung zu suchen.“ Darüber hinaus sei der Erfahrungsschatz der Selbsthilfe nicht zu unterschätzen. „Hier bündeln sich sehr viel Wissen und Informationen“, erklärt sie.

Auch sie wendet sich 2012 nach ihrer Diagnose an eine Selbsthilfe-Gruppe. „Zu dieser Zeit wurde viel diskutiert, ob man die Therapien mit Interferon machen sollte oder weiter wartet, viele waren auf ‚Standby‘“, erinnert sie sich an früher. „Mittlerweile ist mit den modernen Therapien eine erfolgreiche Behandlung mit nur wenigen Nebenwirkungen möglich, viele Langzeitinfizierte konnten erfolgreich therapiert werden – und die Themen verändern sich.“

Sie bekommt diesen Wandel aus erster Hand mit, denn nach ihrer Heilung ist sie weiterhin in der Selbsthilfe aktiv. Wenig Veränderung sieht Sabine Markus hingegen hinsichtlich der Vorurteile, die mit Hepatitis C verbunden sind. Was helfen könne, damit hier mehr in Bewegung kommt? Sie hat dazu eine klare Vorstellung: „Mehr Ehrlichkeit und mehr Aufklärung.“ Auch heute ist sie sich sicher, mit ihrer Therapieentscheidung den richtigen Weg gegangen zu sein: „Ich würde ihn jederzeit wieder gehen.“