7. April 2017

„Jeder Mensch soll eine Therapie machen können“ – Hepatitis C und Drogenkonsum

Menschen, die Drogen gebrauchen, sind deutlich häufiger von einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) betroffen als die Allgemeinbevölkerung. Durch die aktuellen Therapien können alle Patienten effektiv behandelt werden. In Berlin zeigt ein Modellprojekt, wie die Neuinfektionsrate in dieser Patientengruppe gesenkt und ihr Zugang zur Behandlung verbessert werden kann.

„Jeder Mensch mit Hepatitis C soll eine Therapie machen können.“ Das ist die Haltung von Fixpunkt. „Wir sind 1989 als ‚Tochterverein‘ der Berliner Aids-Hilfe entstanden“, erzählt die Leiterin Astrid Leicht. Zentrales Thema war von Anfang an die Schadensminderung beim Drogenkonsum. Dazu zählt auch, einer HIV- bzw. HCV-Infektion vorzubeugen.

Der Bedarf ist groß: Fast zwei Drittel der Menschen, die Drogen gebrauchen, weisen Zeichen einer akuten, chronischen oder ausgeheilten Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus auf. Dies stellte die DRUCK Studie des Robert-Koch-Instituts Anfang 2016 fest. Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus kann die Leber nachhaltig schädigen und zu Leberkrebs führen. Daher ist es wichtig, die Infektion frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

„Wir haben schon früh gesehen, dass unter Menschen, die Drogen gebrauchen, ein sehr hoher Anteil mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert ist“, berichtet Astrid Leicht. „Die früher eingesetzte interferonhaltige Therapie hatte bescheidene Erfolge. Außerdem mussten die Patienten für die Behandlung abstinent sein, da Drogenabhängigkeit damals als medizinische Gegenanzeige für die Therapie galt.“ Durch die Einführung der aktuellen, interferonfreien Behandlungsmöglichkeiten besteht inzwischen die Möglichkeit, Menschen, die Drogen nutzen, frühzeitig effektiv zu behandeln.

Im Rahmen eines unter anderem von AbbVie Deutschland geförderten Projekts engagiert sich Fixpunkt seit 2016 gemeinsam mit Ärzten, Experten und Betroffenen beim Thema Hepatitis C: Ziel ist, dass Menschen, die Drogen gebrauchen, wissen, ob sie sich mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt haben und im Fall einer Infektion Zugang zu einer Therapie bekommen. „Wir bieten Hepatitis-C-Tests verbunden mit Beratung an und klären über die Behandlung von Hepatitis C auf. Flankierend arbeiten wir eng mit anderen Beratungsstellen in Berlin zusammen und tauschen uns über Hepatitis C aus. Wir möchten die Patienten unterstützen, damit sie frühzeitig beim Arzt ihr Recht auf Therapie einfordern können“, erklärt Astrid Leicht.

„Außerdem betreiben wir aktive Prävention: In unseren pflegerisch betreuten Drogenkonsumräumen finden Drogenabhängige hygienische Bedingungen und saubere Utensilien vor. So senken wir das Risiko einer Wiederansteckung“, so Astrid Leicht über die tägliche Arbeit von Fixpunkt. Für eine Infektion reicht bereits eine geringe, für das Auge nicht sichtbare Menge Blut aus. Dementsprechend stellt nicht nur das Teilen von Spritzen, sondern auch die gemeinsame Nutzung von Sniefröhrchen, Filtern und Löffeln ein Ansteckungsrisiko dar.

In Berlin liegt der Anteil an Drogengebrauchern mit einer akuten oder chronischen Infektion mit dem Hepatitis- C-Virus bei 36 %, wie die Daten der DRUCK-Studie zeigen. Damit ist die Stadt deutlich unter dem Durchschnitt: Deutschlandweit sind 44 % der Menschen, die Drogen gebrauchen, von einer akuten oder chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus betroffen.

Sie sind aus Berlin und haben Fragen zu Hepatitis C und Drogen? www.fixpunkt-berlin.de

Ein Hepatitis-C-Test kann von jedem Arzt durchgeführt werden. Adressen von Ärzten, die sich auf Lebererkrankungen spezialisiert haben und Sie beraten können, finden Sie hier: https://www.leberhilfe.org/adressen_schwerpunktpraxen.html