24. September 2018

Rheuma behandeln: Schmerz im Fokus

Schmerzen zählen zu den typischen Beschwerden bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und sind häufig eine große Belastung. Vorübergehend oder anhaltend, dumpf oder stechend: Schmerz bei Rheuma kann ganz unterschiedliche Gesichter haben und seine Behandlung ist häufig eine Herausforderung. Erfreulich ist, dass dem Thema Rheumaschmerz in Forschung und Wissenschaft immer größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das zeigte sich auch auf dem diesjährigen EULAR*-Kongress. Vom 13. bis 16. Juni 2018 trafen sich Rheumatologen aus der ganzen Welt in Amsterdam auf dem Kongress der europäischen rheumatologischen Fachgesellschaft, um sich über die neuesten Erkenntnisse zu Krankheitsbildern und Therapien auszutauschen. Interdisziplinäres Schmerzmanagement, psychische Belastung und Schmerz, Häufigkeit von Schmerzattacken und Schlafprobleme im Zusammenhang mit Schmerz waren nur einige der Themen, die dabei diskutiert wurden.

Rheumatoide Arthritis: Schmerzen trotz Krankheitskontrolle

Eine konsequente und wirksame Therapie rheumatischer Erkrankungen ist das wichtigste Mittel gegen die Schmerzen. Die Schmerzursache, die Entzündung der Gelenke, wird kontrolliert und dadurch der Schmerz zum Abklingen gebracht. Schmerzen können jedoch auch nach dem Rückgang der Entzündung und trotz kontrollierter Krankheitsaktivität bestehen bleiben. Das zeigt eine Studie, deren Ergebnisse auf dem EULAR-Kongress vorgestellt wurden. 487 Menschen, bei denen gerade eine rheumatoide Arthritis festgestellt wurde und die bislang keine Behandlung erhalten hatten, nahmen an der Untersuchung teil. Nach zwei Jahren Rheumabehandlung berichtete ein wesentlicher Teil von ihnen, immer noch Schmerzen zu haben, unabhängig davon, ob bei ihnen die Gelenkentzündung anhielt oder nicht.

Akute oder chronische Schmerzen: Behandlung anpassen

Es wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden. Schmerz ist ein Warnsignal unseres Körpers, das etwa durch eine Verletzung oder Entzündung ausgelöst wird. Dabei werden Schmerzsignale von feinen Nervenenden aufgefangen und über Nervenstränge an das Rückenmark und von dort an das Gehirn weitergeleitet. Im Gehirn wird der Schmerzreiz ausgewertet und das Schmerzempfinden ausgelöst. Akute Schmerzen hören auf, sobald die Ursache beseitigt ist. Bei chronischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, Morbus Bechterew oder Psoriasis-Arthritis kann es zu einer Fehlfunktion der Nerven kommen und der Schmerz kann unabhängig von der Ursache dauerhaft fortbestehen. Experten sprechen dann von chronischen Schmerzen. Verselbstständigt sich der Schmerz bei rheumatischen Erkrankungen auf diese Weise, wird er zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Herkömmliche Behandlungskonzepte können dann häufig nichts gegen ihn ausrichten. Eine spezielle, oft modulare, Schmerzbehandlung ist in diesen Fällen notwendig.

Die Kontrolle der Schmerzen und auch dafür zu sorgen, dass sie nicht chronisch werden, ist ein wichtiges Therapieziel bei Rheuma. Wenn Sie durch Ihre rheumatische Erkrankung mit Schmerzen konfrontiert sind, sprechen Sie Ihren behandelnden Rheumatologen gezielt darauf an. Nachdem die Ursache bzw. Art der Schmerzen feststeht, kann durch eine individuelle Schmerztherapie dagegen angegangen werden.

* EULAR = EUropean League Against Rheumatism