10. Dezember 2018

Schwangerschaft bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Geht es um den Kinderwunsch, kommt es bei Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vor allem auf eine gute Planung an. Denn der beste Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist, wenn sich die chronisch-entzündliche Darmerkrankung in einer Ruhephase befindet. Für Zeiten mit hoher Krankheitsaktivität gibt es Hinweise darauf, dass das Risiko für eine Frühgeburt oder ein zu geringes Geburtsgewicht erhöht ist. Ratsam ist es daher, frühzeitig sowohl mit dem behandelnden Gastroenterologen als auch mit dem Frauenarzt über den Kinderwunsch zu sprechen. Eine Frage, die dabei unbedingt geklärt werden sollte, ist, wie es vor, während und nach der Schwangerschaft mit der Behandlung weitergeht. Schließlich ist eine wirksame Therapie in der Regel die Grundlage für eine gute Krankheitskontrolle.

CED-Behandlung während der Schwangerschaft

Für die Behandlung während der Schwangerschaft gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Die Entscheidung, ob ein Medikament in dieser sensiblen Lebensphase zum Einsatz kommt, wird stets individuell getroffen. Nicht alle Therapien sind für die Zeit einer Schwangerschaft geeignet. Für viele Arzneimittel fehlen die notwendigen wissenschaftlichen Nachweise über die Unbedenklichkeit während der Schwangerschaft. In der Packungsbeilage wird dann von der Anwendung abgeraten. Es gibt jedoch auch CED-Medikamente, mit denen nach individueller Abwägung durch den behandelnden Arzt während der Schwangerschaft behandelt werden kann. Aminosalizylate, Kortisonpräparate sowie die Immunsuppressiva Azathioprin und 6-Mercaptopurin zählen dazu. Eine Behandlung mit Methotrexat hingegen ist während der Schwangerschaft ausgeschlossen. Für viele Biologika wird empfohlen, während und Wochen bis Monate nach Beenden der Therapie auf eine sichere Verhütung zu achten. Für einzelne Wirkstoffe der TNF-Hemmer, einer bestimmten Gruppe der Biologika, gibt es jedoch umfangreiche Beobachtungen zur Behandlung während der Schwangerschaft. Die Ergebnisse ermöglichen eine Anwendung, wenn der behandelnde Gastroenterologe es als erforderlich ansieht.

Nach der Geburt und in der Stillzeit

Wenn das Neugeborene endlich in die Arme geschlossen werden kann und gestillt wird, stellt sich erneut die Frage, welche Medikamente bei Bedarf eingesetzt werden können, bzw. ob es anzuraten ist, auf das Stillen zu verzichten. Auch jetzt kommt es auf die Entscheidung des behandelnden Gastroenterologen an, der sich an der individuellen Situation orientiert. Grundsätzlich möglich ist es, mit Aminosalizylaten zu behandeln. Bei Kortisonpräparaten ist das Vorgehen in der Stillzeit abhängig von der Dosierung des Medikaments. Azathioprin und 6-Mercaptopurin können ebenfalls infrage kommen. Darüber hinaus ist während des Stillens eine Behandlung mit gewissen TNF-Hemmern möglich.

In vertrauensvoller Abstimmung mit dem Arzt können die besten Voraussetzungen für die Erfüllung des Kinderwunschs mit CED geschaffen werden. In jedem Fall sollte nach der Geburt auch der Kinderarzt über die Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit informiert werden. So kann er berücksichtigen, ob bestimmte Dinge, etwa beim Impfen des Säuglings, beachtet werden müssen.

Wenden Sie sich mit Ihren Fragen zur Therapie während der Schwangerschaft und Stillzeit an Ihren behandelnden Gastroenterologen. Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen zum Thema von der Charité-Universitätsmedizin Berlin (www.embryotox.de) und vom Universitätsklinikum Ulm (www.reprotox.de).