31. Oktober 2015

Rheuma bei Kindern und Jugendlichen – Keine „Alte-Leute-Krankheit“ (Teil 1)

Rheuma ist eine Erkrankung, die häufig mit älteren Menschen in Verbindung gebracht wird. Dass davon bereits Säuglinge oder Kleinkinder betroffen sein können, ist nur wenigen bekannt. In unserer neuen Serie „Rheuma bei Kindern und Jugendlichen“ erfahren Sie, welche Unterschiede es zwischen Rheuma bei Erwachsenen und Kindern gibt, welche Verhaltensweisen bei Kindern auf eine rheumatische Erkrankung hinweisen können und welche Fortschritte die Wissenschaft in den vergangenen Jahren in diesem Bereich gemacht hat.

Außerdem erhalten Sie nützliche Tipps und Informationen für den Alltag. Mehr über das Krankheitsbild bei Kindern und Jugendlichen lesen Sie im ersten Teil.

Immunsystem ist verantwortlich

Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in Deutschland an einer juvenilen idiopathischen Arthritis, kurz JIA, erkrankt. Mit diesem Begriff bezeichnen Ärzte chronische Gelenkentzündungen unklarer Ursache bei Kindern. Jedes Jahr kommen etwa 1.500 Betroffene im Kindes- und Jugendalter hinzu. Eine JIA liegt dann vor, wenn die Entzündung in den Gelenken mindestens sechs Wochen andauert und vor dem 16. Lebensjahr beginnt. Verantwortlich für die chronisch-entzündlichen Prozesse ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das sich gegen den eigenen Körper richtet. Je nach der Anzahl der betroffenen Gelenke sowie der Beteiligung von Sehnen, Bändern, Haut, Augen oder inneren Organen unterscheidet man verschiedene Arten der JIA.

Fünf häufige Formen der JIA

Die häufigste Form der JIA ist die Oligoarthritis. Beinahe die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen mit Rheuma sind davon betroffen. Charakteristisch für die Oligoarthritis ist die Anzahl der betroffenen Gelenke: Meist sind zwischen ein und vier Gelenke, häufig auf nur einer Seite des Körpers, entzündet. Oft sind Knie- und Sprunggelenke und die Augen von Entzündungen betroffen. Da diese anfangs unbemerkt ablaufen, jedoch Auswirkungen auf die Sehfähigkeit haben können, sollte eine regelmäßige Kontrolle durch den Augenarzt erfolgen. Die zweithäufigste Form von Gelenkrheuma bei Kindern ist die Polyarthritis. Bei dieser Form sind fünf oder mehr Gelenke, meist gleichmäßig auf beiden Körperseiten, entzündet. Die Entzündungen treten oft an Finger- und Handgelenken auf. Die schwerste Form der JIA, die sogenannte systemische Arthritis, betrifft neben den Gelenken auch die inneren Organe. Meist macht sie sich bereits im Kleinkindalter durch Fieber und Hautausschläge bemerkbar. Im weiteren Verlauf können Milz, Lymphknoten und Leber betroffen sein. Tritt die Gelenkentzündung in Verbindung mit einer Schuppenflechte auf, spricht man von einer Psoriasis-Arthritis. Am häufigsten sind davon die Knie sowie die kleinen Gelenke an Händen und Füßen betroffen. Zu den fünf häufigsten Formen der JIA zählt außerdem die Enthesitis-assoziierte Arthritis. Von dieser Form ist die Rede, wenn auch die Bereiche um die Gelenke, also die Sehnen und Bänder, von der Entzündung betroffen sind. Die Enthesitis-assoziierte Arthritis tritt häufig an den Sehnen der Fersen auf, äußert sich aber auch an Augen und Wirbelsäule.

Im nächsten Teil unserer Reihe lesen Sie, wie Sie JIA frühzeitig erkennen können und warum eine schnelle und wirksame Therapie so wichtig ist.