26. November 2015

Rheuma bei Kindern und Jugendlichen – Praktische Tipps für die Schule (Teil 6)

Im vorhergehenden Teil unserer Reihe „Rheuma bei Kindern und Jugendlichen“ haben Sie erfahren, wie Sie Ihr Kind bei einem offenen und aktiven Umgang mit seiner entzündlich-rheumatischen Erkrankung unterstützen können. Welche praktischen Lösungen betroffenen Kindern den Schulalltag mit einer juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) erleichtern können, lesen Sie im sechsten Teil.

Wissenslücken vermeiden

Kinder oder Jugendliche, die an JIA erkrankt sind, können aufgrund von Arztbesuchen oder eventuellen Klinikaufenthalten häufiger nicht am Unterricht teilnehmen. Damit Betroffene den Anschluss an den Unterrichtsstoff nicht verlieren, besteht oft die Möglichkeit eines Förder- oder Sonderunterrichts. Hierzu gibt es zwar bundesweite Empfehlungen, das jeweilige Vorgehen wird jedoch auf Länderebene festgelegt. Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Rheuma sollten sich daher gut über bestehende Angebote informieren. Der behandelnde Kinderrheumatologe kann Ihnen hier beratend zur Seite stehen. Darüber hinaus bietet die Deutsche Rheuma-Liga e.V. auch eine Beratung von Eltern für Eltern an. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter https://www.rheuma-liga.de/rheumafoon. Sollte Ihr Kind während eines längeren Klinikaufenthaltes eine Klinikschule besuchen oder für eine Weile zu Hause unterrichtet werden, sollten die jeweiligen Lehrer Kontakt mit der Heimatschule halten und sich über den aktuellen Unterrichtsstoff, Klassenarbeiten und Ähnliches informieren. Damit ist gewährleistet, dass Ihr Kind auch weiterhin auf dem Laufenden bleibt.

Gelenke entlasten

In der Schule selbst gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Kindern und Jugendlichen mit JIA den Alltag zu erleichtern. Hier ist es besonders wichtig, darauf zu achten, die Gelenke so weit wie möglich zu entlasten. Sind beispielsweise Knie, Hüfte oder Füße von der Erkrankung betroffen, sollten keine längeren Fußwege oder Treppen überwunden werden müssen. Ein Klassenraum im Erdgeschoss oder ein möglicher Zugang zu einem Aufzug wären hier gute Lösungen. Auch ein häufiger Wechsel des Unterrichtsraumes sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Langes Stehen bei Nässe oder Kälte bekommt Betroffenen ebenfalls meist nicht gut. Es sollte ihnen daher erlaubt sein, die Pausen im Klassenraum zu verbringen. Um einer Abgrenzung von den Klassenkameraden vorzubeugen, könnte diese Erlaubnis auch für einen Freund oder eine Freundin des betroffenen Kindes gelten. Auch das Tragen schwerer Lasten sollte vermieden werden. Ein zweiter Satz Schulbücher zum Verbleib in der Schule macht die Schultasche leichter. Ein rheumagerechtes Sitzmöbel oder Keilkissen kann ebenfalls eine große Erleichterung sein. Sind Hände, Arm- oder Schultergelenke von rheumatischen Entzündungen betroffen, kann das Schreiben zur Herausforderung werden. In schweren Fällen können Schreibhilfen wie Griffverdickungen oder ein Laptop Abhilfe schaffen. Eine Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten sorgt für Chancengleichheit. Sprechen Sie offen mit Schulleitung und Lehrkräften darüber, welche Änderungen an der Schule Ihres Kindes umsetzbar sind und wie mögliche Kompromisse aussehen könnten.

Was Sie beim Thema Sport im Allgemeinen und Schulsport im Besonderen beachten sollten, lesen Sie in der Fortsetzung unserer Serie.