18. Mai 2015

Signalstoff im Körper kann Schuppenflechte lindern

Dass der körpereigene Signalstoff Interleukin 4 (IL-4) entzündungshemmend wirken kann, war der Forschung bereits bekannt. Wissenschaftler der TU München und der Universität Tübingen haben nun den Wirkmechanismus dieses Stoffs sowie seine Bedeutung für das Immunsystem untersucht. Mithilfe der neu gewonnenen Erkenntnisse sollen zukünftig Therapien gegen Schuppenflechte entwickelt werden können, die noch effektiver und zielgerichteter wirken.

Forschung an Menschen und Mäusen

Um die Wirkung von IL-4 auf Entzündungen zu entschlüsseln, forschte das Team zunächst an Zellen von Menschen und Mäusen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass der Signalstoff spezielle Immunzellen auf natürliche Weise blockiert. Er verhindert, dass die Zellen die beiden Signalstoffe IL-17 und IL-23 herstellen und abgeben können. Diese können im Körper spezielle Zellen aktivieren und damit Entzündungen auslösen. Die Forschungen ergaben, dass IL-4 diese Mechanismen verhindern kann. In weiteren Versuchen mit Mäusen zeigte sich außerdem, dass der Signalstoff auf diesem Weg verhindert, dass Entzündungen in der Haut der Versuchstiere entstehen.

Erfolgreiche Patientenstudie

Die gewonnenen Erkenntnisse überprüfte das Forscherteam im Rahmen einer Patientenstudie. 22 Personen, die an Schuppenflechte erkrankt sind, bekamen über einen Zeitraum von sechs Wochen Interleukin 4 unter die Haut gespritzt. Anschließend wurden Proben der betroffenen Hautstellen vor und nach der Therapie untersucht. Das Ergebnis: Vor der Therapie mit IL-4 wies die juckende und entzündete Haut hohe Konzentrationen von IL-17 und IL-23 auf. Nach der Therapie waren beide Stoffe kaum mehr nachweisbar, die Haut zeigte keine Entzündungen und schuppende Veränderungen mehr.

Interessanter Therapieansatz für Autoimmunerkrankungen

„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass IL-4 sehr selektiv und erfolgreich Entzündungen eindämmen kann. Dieser Therapieansatz könnte deshalb auch sehr interessant für andere Autoimmunerkrankungen sein“, so Professor Dr. med. Tilo Biedermann, Leiter der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der TU München. „Außerdem verstehen wir jetzt besser, wie IL-4 als wichtiger ‚Checkpoint‘ des Immunsystems funktioniert, und können seine Bedeutung in Zukunft besser einordnen und nutzen.“