19. Juni 2015

Kaffee – Besser als sein Ruf (Teil 1)

Rund 162 Liter Kaffee trank jeder Deutsche nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes im vergangenen Jahr. Damit ist der schwarze Muntermacher beliebter als Mineralwasser und Bier. Um das Image des Kaffees war es lange Zeit nicht gut bestellt. So galt er als entwässernd und sollte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. In letzter Zeit jedoch häufen sich die Meldungen über die positiven Eigenschaften des Heißgetränks.

Und auch wenn übermäßiger Kaffeegenuss durchaus negative Effekte, wie unter anderem Sodbrennen, Unruhe oder Schlaflosigkeit, haben kann, so weiß man heute: Kaffee ist besser als sein Ruf. Für Menschen mit Hepatitis C könnte regelmäßiger Kaffeegenuss sogar positive Auswirkungen haben.

Beeinflusst Kaffeekonsum den Erfolg der Therapie?

So beschäftigte sich bereits vor einiger Zeit eine amerikanische Studie* auf Basis der damals vorherrschenden Standardtherapie mit dem Einfluss von Kaffeekonsum auf die Therapie. Die Studie legt den Verdacht nahe, dass Menschen mit Hepatitis C, die regelmäßig Kaffee konsumieren, besser auf eine Therapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin ansprechen als diejenigen, die keinen Kaffee trinken. Im Rahmen der Studie wurden 885 Patienten nach ihrem Kaffeekonsum befragt. Etwa jeder siebte Studienteilnehmer gab an, täglich mehr als drei Tassen Kaffee zu trinken. Bei dieser Patientengruppe sank die Viruslast schneller als bei der Gruppe, die auf Kaffee verzichtete. Auch waren die Kaffeetrinker nach einem Zeitraum von 20 bzw. 48 Wochen etwa doppelt so häufig frei von Hepatitis-C-Viren. Der Anteil der Patienten, die auch 24 Wochen nach Abschluss der Behandlung noch virusfrei waren, war bei Kaffeetrinkern um 80 Prozent höher. Das kann in solchen Studien immer auch andere Ursachen haben, die zufällig mit dem Kaffeekonsum assoziiert sind. Die Frage, ob die in der Studie gezeigten Unterschiede wirklich auf den Kaffeekonsum an sich zurückzuführen sind, bleibt damit nach wie vor unbeantwortet. Weiterhin hat sich seit Veröffentlichung der Studie hinsichtlich der Therapie bei Hepatitis C viel getan. Dank der modernen Therapien gilt heute ein Großteil der Erkrankten bereits nach 12 Wochen als geheilt.

Ergebnisse mit Vorsicht genießen

Darüber hinaus gibt ein Artikel zur Studie im Deutschen Ärzteblatt zu bedenken, dass die vermeintlich heilende Wirkung des Kaffees mit Vorsicht zu genießen sei. Vielmehr sei es umgekehrt möglich, dass das Ansprechen der Hepatitis-C-Therapie und der verbesserte Gesundheitszustand der Patienten deren Appetit auf Kaffee verstärkt haben könnte. Um die positive Wirkung des Kaffees zweifelsfrei zu beweisen, sei eine Zufallsstudie notwendig. Das Los würde dann entscheiden, wer während einer Therapie Kaffee konsumieren dürfte und wer nicht. Da eine solche Studie mit sehr hohen Kosten verbunden wäre, ist diese derzeit jedoch kaum umsetzbar.

Weitere interessante Aspekte und Untersuchungsergebnisse zur Wirkung von Kaffee lesen Sie in der Fortsetzung unseres Artikels.

* Coffee Consumption is Associated with Response to Peginterferon and Ribavirin Therapy in Patients with Chronic Hepatitis C, Neal D. Freedman, Teresa M. Curto, Karen L. Lindsay, Elizabeth C. Wright, Rashmi Sinha, James E. Everhart, Gastroenterology, 2011; DOI: 10.1053/j.gastro.2011.02.061