24. August 2016

„Auf einmal waren alle Emotionen auf einem Bild und ich konnte mir das ansehen.“ – Teilnehmerin Monika G. über das Kunstprojekt „HCV ins Bild rücken“ (Teil 2)

Seit 2014 bietet das BioPharma-Unternehmen AbbVie Deutschland unter dem Titel „HCV ins Bild rücken“ Kunstworkshops für Menschen mit Hepatitis C an. Hier haben Betroffene die Möglichkeit, ihre Emotionen und Erfahrungen mit der Erkrankung künstlerisch aufzuarbeiten und ihnen so Ausdruck zu verleihen. Auch Monika G. hat an einem solchen Workshop teilgenommen. Wir haben uns mit ihr über ihre Eindrücke und Erfahrungen unterhalten.

AbbVie Care (AC): Frau G., Sie haben im vergangenen Jahr an einem Kunstworkshop des Projekts „HCV ins Bild rücken“ teilgenommen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich anzumelden?

Monika G. (MG): Eine andere Teilnehmerin berichtete mir von den Workshops und hat mir ein von ihr gestaltetes Bild gezeigt. Da war mir klar: Das ist das, was du jetzt gern machen möchtest und auch machen musst.

AC: Hatten Sie vor dem Workshop schon einen Bezug zur Kunst bzw. waren Sie vorher schon einmal künstlerisch tätig?

MG: Ich habe schon vorher viel gestaltet, gebastelt, genäht, gehäkelt oder arrangiert, aber natürlich sehr laienhaft und nie mit einem Hintergrund. Was ich dann im Workshop erlebt habe, war natürlich etwas ganz anderes, denn da gab es eine professionelle Anleitung durch die künstlerische Leiterin und einen Hintergrund. Es hat mich teilweise wirklich übermannt, was während der Arbeit für Emotionen hochgekommen sind.

AC: Wie haben Sie die Stimmung innerhalb des Workshops empfunden?

MG: Es war von allem etwas dabei. Es war ein tolles Arbeitsklima mit einer tollen Anleitung. Die künstlerische Leiterin hat unser laienhaftes Tun mit viel Respekt in die richtige Richtung gelenkt. Dabei war die Stimmung locker, aber auch oft ganz still, wenn zum Beispiel jemand an seine Grenzen gestoßen ist und kurz beiseitetreten und innehalten musste. Es war ganz toll. Wir haben tolle Gespräche untereinander geführt. Wir haben Menschen erleben dürfen, die die Erkrankung ganz anders empfinden oder auf einem anderen Weg zu ihrer Hepatitis gekommen sind. Es war für mich ein ganz tolles Erleben dort.

AC: Was hat Ihnen am besten am Workshop des Projekts „HCV ins Bild rücken“ gefallen?

MG: Auf jeden Fall die tolle Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leiterin. Aber auch das Miteinander. Wir waren ja sechs fremde Leute, die da aufeinandergetroffen sind und trotzdem so harmonisch, respektvoll und liebevoll miteinander umgegangen sind. Das habe ich an Positivem mitgenommen. Auch ganz konkret: Von jedem Teilnehmer habe ich ein kleines Puzzleteilchen aus seiner Arbeit in mein Bild eingefügt. So habe ich jeden einzelnen Teilnehmer in meinem Mosaik verewigt. Damit ist es für mich etwas sehr Lebendiges geworden.

AC: Was spricht Ihrer Meinung nach für die künstlerische Auseinandersetzung mit Hepatitis C?

MG: Ich denke, jeder, der so eine Erkrankung mit sich trägt, hat eine gewisse Traurigkeit in sich, teilweise auch Wut. Das in diesen Bildern zu verarbeiten, war für mich genial. Auch, dass ich das Bild so gestalten konnte, dass auch ein Fremder meine Geschichte sieht. Ich würde jedem empfehlen, an so einem Workshop teilzunehmen. Man sieht sich auf einmal mit Abstand und sein Leben auf ein kleines Teil projiziert.

AC: Konnten Sie die negative Emotion dadurch in etwas Positives verwandeln?

MG: So schön ist es leider nicht. Und so einfach geht es auch nicht. Ich konnte meine Gefühle nicht umwandeln, aber ich konnte sie im Bild festhalten. Schon im Vorfeld habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie ich das, was mich tagtäglich beschäftigt, einbringen kann. Ich hatte zu Hause einen Terrakotta-Engel. Der ist mir runtergefallen und sein Flügel war abgebrochen. Den hatte ich mir, warum auch immer, aufgehoben. Zu dem Workshop hatte ich ihn mitgenommen und mein Bild so gestaltet, dass es einen Engel zeigt, der nur einen Flügel hat und nicht mehr fliegen kann. Der Engel war für mich der Aufhänger für die Gestaltung meines Bildes. Das hat ganz viele Schleusen für mich geöffnet. Ich habe dieses Bild und dessen Gestaltung ganz anders empfunden. Ich habe mich richtig lebendig gefühlt, wurde aber auch immer wieder davon übermannt, was diese Krankheit aus meinem Leben gemacht hat. Ich habe bildlich etwas dargestellt, was ich bislang immer nur gefühlt habe. Auf einmal waren diese Emotionen auf einem Bild und ich konnte mir das ansehen. Die Auseinandersetzung damit, wie sich mein Leben durch die Erkrankung verändert hat, die hat mich wirklich überwältigt. Dadurch haben meine Gefühle sich natürlich nicht in etwas Positives umgewandelt. Die Erkrankung ist da und beeinflusst mein Leben tagtäglich. Aber wenn ich das Bild anschaue, habe ich immer einen Fokus, worauf ich mein Denken lenke. Ich denke dann: Ich habe zwar nur einen Flügel, aber vielleicht schaff ich’s mit dem auch, weiterzukommen. Das ist dann immer wieder eine neue Motivation für mich.

AC: Was konnten Sie aus dem Workshop für Ihren Umgang mit der Erkrankung im Alltag mitnehmen?

MG: Ich versuche jetzt, in dieser Richtung weiterzugehen. Auch im Kleinen. Dadurch, dass ich immer wieder etwas bastele oder Ähnliches. Der Workshop war für mich eine Initialzündung. Wir haben jetzt in unserer Selbsthilfegruppe auch so einen ähnlichen Workshop. Wir tragen Sachen zusammen und jeder bringt seine Ideen mit ein. So setzt sich jeder von uns mit seiner Situation auseinander und bringt es zu einem Resultat. Ich denke, das war für mich letzten Endes die wesentliche Erfahrung: Ich habe etwas, das ich vor mir habe. Ich sehe im Bild, was mein Leben ausmacht und wie mein Leben verändert wurde. Wir hoffen jetzt, dass wir diese Möglichkeit auch für unsere Selbsthilfegruppe schaffen. Jeder kann seine persönlichen Gefühle in Bild oder Gestaltung festhalten, damit besser umgehen und für die Zukunft ein Werkzeug für sich finden. Auch dabei unterstützt uns AbbVie und dafür sind wir wirklich dankbar. Und dafür, dass uns die Möglichkeit für den Workshop gegeben wird.

AC: Welche Erwartungen hatten Sie im Vorfeld an den Workshop und wurden diese im Nachhinein erfüllt?

MG: Meine Erwartungen sind nicht erfüllt, sie sind bei Weitem übertroffen worden. Was ich da miterleben durfte, war wirklich groß. Man gesundet zwar nicht daran, aber wenn es mir wirklich einmal schlecht geht, dann habe ich jetzt ein Arbeitsmittel an der Hand. Und es ist toll zu sehen, zu was ich eigentlich fähig bin. Was in mir ist und was ich zutage bringen kann. Bislang habe ich die Kreativität nicht als Mittel für meine Krankheitsverarbeitung erkannt. Jetzt weiß ich: Wenn es dir heute schlecht geht, dann setz dich einfach hin und bring was aufs Papier. Dann hast du dich zwei Stunden fokussiert und etwas abgeben können. Das ist für mich ein unglaublich wertvolles Arbeitsmittel.

AC: Frau G., wir bedanken uns für Ihre Offenheit und das Gespräch.

Kontakt:
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG
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