21. Juni 2017

Kinder und Jugendliche mit CED – Wie Eltern unterstützen können (Teil 3)

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) ist für die Betroffenen häufig mit vielen Herausforderungen verbunden. Das gilt für Kinder und Jugendliche mit CED in besonderem Maße, da die Erkrankung in einer sehr ereignisreichen Lebensphase auftritt. Für die Eltern gibt es viele Möglichkeiten, ihre Kinder im Alltag und Umgang mit der CED zu unterstützen. Mehr dazu lesen Sie im dritten Teil unserer Serie „Kinder und Jugendliche mit CED“.

Zuversicht ausstrahlen

Zum Thema „Kinder mit CED“ haben wir mit Prof. Dr. med. Michael Radke gesprochen. Er ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Westbrandenburg GmbH – Kinder- und Jugendklinik und Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Darüber hinaus ist er Leiter eines kindergastroenterologischen Ausbildungszentrums der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). In seiner kindergastroenterologischen Sprechstunde betreut er seit fast dreißig Jahren Kinder und Jugendliche mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Eltern rät er vor allen Dingen dazu, Zuversicht auszustrahlen. „Das ist natürlich ein bisschen viel verlangt, wenn man so eine Diagnose erhält. Aber in Gegenwart des Kindes ist das wichtig“, so Radke. Zum einen können Eltern ihr Kind dadurch bei einem positiven Umgang mit der Erkrankung unterstützen. Zum anderen können sie so verhindern, ihr Kind mit ihren eigenen negativen Gefühlen zusätzlich zu belasten. So kann es bei manchen Kindern beispielsweise Schuldgefühle auslösen, die Eltern wegen der CED traurig zu sehen. Andere Kinder wiederum sehen es möglicherweise als ihre Aufgabe, die Eltern zu trösten, oder spielen Beschwerden herunter, um sie zu schonen.

Verantwortung abgeben

Darüber hinaus befürwortet Radke es, Kinder mit CED schon früh in die Therapie miteinzubeziehen. „Manche Eltern denken, ihre Kinder sind damit überfordert. Diesen Eindruck habe ich überhaupt nicht. Die Kinder wissen sehr gut damit umzugehen“, sagt Radke. Wenn der Arzt den Kindern beispielsweise Untersuchungsergebnisse anschaulich erklärt, haben diese unter Umständen ein besseres Verständnis für die Notwendigkeit bestimmter Behandlungsmethoden. Wichtig sei es auch, Kinder ab einem gewissen Alter zur Eigenverantwortung zu ermutigen: „Das ist zwar nicht in jedem Fall möglich, aber man muss irgendwann damit anfangen. Das Schlimmste, was man machen kann, ist, die Kinder zu sehr zu behüten.“ So könnten Eltern bestimmte Aufgaben nach und nach an ihr Kind übertragen. Je nach Alter und Verantwortungsbewusstsein können Kinder zum Beispiel selbst Stuhlröhrchen befüllen oder auch die Verantwortung für Tabletteneinnahme oder Ernährungstherapie übernehmen. Darüber hinaus sollten Eltern sich stets für die Rechte ihrer Kinder einsetzen und hinter ihnen stehen. „Es kann zum Beispiel nicht sein, dass Lehrer in der Schule einem Kind während der Stunde verbieten, auf die Toilette zu gehen“, so Radke. „Wenn das Kind eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hat, dann muss es auf die Toilette und Punkt. Eltern sollten sich mit irgendwelchen Anweisungen, die ihrem Kind nicht dienen, nicht zufriedengeben.“

Tipps für Eltern:

  • Zuversicht ausstrahlen
  • Kinder in die Therapie miteinbeziehen
  • Eigenverantwortung fördern
  • Für Rechte des Kindes einsetzen
  • Kind im Umgang mit der Erkrankung (be-)stärken

Das vollständige Interview mit Prof. Dr. med. Michael Radke zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen lesen Sie in Kürze hier auf www.abbvie-care.de.