10. März 2015

Weltweit erste Bandscheibenprothese bei Morbus Bechterew

Anfang des Jahres fand im Marienkrankenhaus Kassel eine Weltpremiere statt. Erstmals wurden dort einer 45-jährigen Frau mit Morbus Bechterew zwei Bandscheibenprothesen in die Halswirbelsäule eingesetzt. Über die Herausforderungen und den erfolgreichen Verlauf der rund dreistündigen Operation möchten wir Sie im Folgenden informieren.

Morbus Bechterew bislang Ausschlusskriterium

Während schwere Bandscheibenvorfälle bei Patienten ohne Morbus Bechterew häufig operativ-prothetisch behandelt werden, galt die entzündlich-rheumatische Erkrankung bislang als Ausschlusskriterium für das Einsetzen von Bandscheibenprothesen. Es bestand die Gefahr, die Prothesen könnten durch die krankhafte Verknöcherung der Wirbelsäule zerstört werden und den Betroffenen weitere Probleme sowie zusätzliche Schmerzen bereiten. Betroffene Halswirbel wurden daher bisher künstlich versteift. Das bedeutete neben einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit auch einen damit verbundenen Verlust an Lebensqualität.

Beweglichkeit und Lebensqualität erhalten

Die 45-Jährige hatte zwei Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbel. Da sie bereits unter Empfindungsstörungen und Bewegungsausfällen litt, mussten diese operativ behandelt werden. Dr. Kordian Wojtas, Chefarzt der Neurochirurgie am Marienkrankenhaus Kassel, entschied sich erstmals bei einer Patientin mit Morbus Bechterew für die Implantation von Prothesen. Das sei in erster Linie der Weiterentwicklung von Material und Technik der heutigen Bandscheibenprothesen zu verdanken, so Wojtas. „In der Bandscheibenprothetik muss immer ein Kompromiss zwischen Belastbarkeit und Beweglichkeit gefunden werden, um die Stabilität der Wirbelsäule zu gewährleisten, aber gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten so weit wie möglich zu erhalten. Mit den modernen Prothesen, bei denen zwei feste Metallplatten einen speziell geformten Kern umschließen, ist dies heute möglich. Mit der Implantation können wir die künstliche Versteifung der Wirbelsäule vermeiden und dieser jungen Patientin die Lebensqualität zumindest – abhängig vom Krankheitsverlauf – für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre erhalten.“ Der Chefarzt hatte diese Methode im Vorfeld auf zahlreichen internationalen Fachkongressen vorgestellt und sich eng mit international renommierten Kollegen abgestimmt.