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Verlieren Sie nicht den Mut - lassen Sie sich von Parkinson nicht unterkriegen

Parkinson kann im Leben sehr einschneidend sein und Sie psychisch, körperlich und sozial belasten. Verzweiflung, Enttäuschung und Wut – von negativen Gefühlen über den eigenen Körper, die Reaktionen des Umfelds oder den Behandlungserfolg berichten viele Betroffene.

Diese Webseite möchte Ihnen bei Ihrem Weg mit der Erkrankung zur Seite stehen und Sie ermutigen, offen damit umzugehen. Hier finden Sie Berichte anderer Menschen mit Parkinson und bekommen die Möglichkeit Ihre persönliche Geschichte mit Parkinson zu erzählen. Zudem ist es wichtig frühzeitig einen Spezialisten aufzusuchen.

Ihr Neurologe kann Ihnen bei der Wahl der geeigneten Therapie helfen. Seien Sie mutig und trauen Sie sich, mit ihm darüber zu sprechen und lernen Sie, mit Parkinson bestmöglich zu leben.

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Schicksal als Chance sehen

Lehrer und Schulleiter, Schlagzeuger und Tellerwäscher, Heizer und Hilfs- arbeiter: In seinen 68 Jahren hat der gebürtige Sachse Rainer Hans Drozd einen spannenden Lebensweg in zwei Republiken zurückgelegt.

Mit der Parkinson-Diagnose vor acht Jahren entdeckte der Wahlberliner schlummernde schriftstellerische Talente.

Blues in Nossen
Rainer Hans Drozd kam 1946 in Nossen, einer kleinen Gemeinde in der Nähe der Porzellanstadt Meißen, auf die Welt. Als Rainer Drozd fünf Jahre alt war, floh der Vater aus der jungen DDR. „Ich hab bei den Großeltern gelebt und mir mit Büchern und Musik meine eigene Welt geschaffen“, erinnert er sich heute. Das Westradio öffnete Rainer ein Tor zum Blues und zum Rock ’n’ Roll.

„Meine Karl-May-Bücher tauschte ich gegen meine erste Single von Elvis Presley ein.“ Mit 15 gründete er mit anderen Jungen aus dem Ort seine erste Band.

Später spielte er mit dem Jugendtanz-orchester Meißen die offiziell uner-wünschte Westmusik in den Landgast-höfen der Umgebung. Einmal, irgendwann im Jahr 1966, kam eine hübsche, junge Frau zum Tanz und verguckte sich in den Schlagzeuger. „Im Juli 1967 haben Petra und ich geheiratet. Ein Jahr später kam unsere Tochter Claudia auf die Welt.“

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Vom Spüler zum Schuldirektor
Nach Ende des Studiums in Nossen und Dresden ging Drozd als Lehrer für Deutsch und Werken in die nahe gele-gene Universitätsstadt Freiberg. Doch verließ ihn nie das Gefühl, „mit zwei Zungen“ reden zu müssen. „Beim Eltern-abend sagte ich meine drei Sätze auf Parteilinie auf und bin dann zum Unter-richt übergegangen.“ Zu Silvester 1980 stellten Rainer und Petra Drozd einen Ausreiseantrag. „Drei Tage später haben sie mich aus dem Unterricht geholt. Für zwei Jahre musste ich als Heizer in einer Fabrik arbeiten.“ Im Jahre 1982 wurde die Familie Drozd „aus der Staatsbürger-schaft entlassen“, wie es in DDR-Deutsch hieß.

Doch einmal in Westberlin angekommen, durfte Rainer Drozd nicht sofort in den alten Beruf zurück. Seine Frau fand direkt eine Stelle als Chemielaborantin, währ-end er als Spüler in einem Restaurant und Hilfsarbeiter in einer Fabrik unter-kam. „Ich hab das nicht als Schande empfunden, so konnte ich ja Geld für die Familie verdienen.“ Im September 1985 konnte er eine Lehrerstelle in der Justiz-vollzugsanstalt Tegel antreten. „Vier Jahre später wurde ich erst Konrektor, später Rektor an einer Grundschule in Spandau. Ich habe da unheimlich gerne gearbeitet. Die Schule lag in einem sozialen Brenn-punkt. Die Kinder dort waren dankbarer als anderswo, weil nicht alle zu Hause die erforderliche Zuwendung bekamen.“

Kein Rhythmus mehr
Auch die Musik bekam ihn nach einem gelungenen Schlagzeugsolo bei der Hochzeit seiner Tochter zurück. Doch vor etwas mehr als zehn Jahren merkte ein Kollege seiner neuen Band, dass etwas nicht stimmte. „‚Mensch Rainer, du hältst den Rhythmus nicht mehr‘, sagte er mir. Ich hatte Schmerzen im Arm.“ Die vermeintliche Sehnenscheidenent-zündung mochte auch nach zwei Jahren nicht verschwinden. Weitere Beschwer-den kamen hinzu, schildert Drozd. „Die Kollegen konnten meine immer kleinere Schrift nicht mehr lesen. Bei einer Konferenz wusste ich einmal nicht mehr, was ich sagen wollte. Kurz danach stolperte ich auf dem Weihnachtsmarkt in Potsdam über einen kleinen Stein und schlug lang hin.“

Der Internist überwies ihn an eine Neurologin. „Nach 20 Minuten Unter-suchung hat sie gesagt: ‚Klassisches Krankenbild. Sie haben Parkinson. Bitte lassen Sie sich einen nächsten Termin geben.‘ Für mich war die Botschaft sehr hart.“ In den Monaten danach fror das Gesicht zunehmend ein und ließ keine Mimik mehr erkennen. „Mir gelang es nicht mehr, Ordnung zu halten, ich steckte meine Post einfach in die Schubladen.“ So konnte es nicht weitergehen, fand der Rektor.

„Bei einer Dienstbesprechung erklärte ich, dass ich Parkinson habe.“ Nachdem ihm auch eine Vertretungsstunde völlig misslang, beschloss er, das „Hamburger Modell“ zu nutzen. Das ermöglichte ihm, nach Krankheitsphasen mit einer zeitweise reduzierten Stundenzahl wieder einzusteigen. „So konnte ich bis zu meiner Pension mit 65 Schulleiter bleiben.“

Neue Talente geboren
Der Ruhestand sei ihm nicht leichtge-fallen, bekennt Rainer Drozd. Doch dann nahm ihn ein neuer Spezialist, ein Prof-essor an einer Klinik in Berlin-Spandau, unter seine Fittiche. „Eine Woche hat er sich gemeinsam mit Logopäden und Physiotherapeuten genau angeguckt, wie ich laufe und spreche. Dann verschrieb er mir eine neue Therapie. Zehn Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus konnte ich wieder Treppen steigen.“

Mit dem wiedergewonnenen Bewe-gungsspielraum fand Drozd völlig neue und erfüllende Betätigungen. „Seit einem Jahr führe ich Besucher durch eine der schönsten Kirchen Potsdams und be-gegne so vielen Menschen aus aller Welt. Zudem habe ich festgestellt, dass ich ein Talent zum Schreiben habe.“ Er führt Tagebuch und verfasst Gedichte wie Kurzgeschichten über seine Kindheit, seine Zeit in der DDR, auch über seine Krankheit. Bis zu sechs mit Musik um-rahmte Lesungen organisiert der Autor jährlich, in Krankenhäusern, Kirchen und Schulen. „Ich lege dabei mein Herz und meine Seele ins Schaufenster. ‚Machen Sie weiter so, das ist großartig‘, sagen mir die Menschen. In solchen Momenten vergesse ich meine Krankheit.“

„Noch mehr zusammengewachsen“
Der Parkinson meldet sich im Alltag dafür umso nachdrücklicher zurück. „Petra ist da unersetzlich“, bekennt Rainer Drozd. „Das Anziehen klappt nicht, und das Essen mal so, mal so. Ich neige dazu, urplötzlich zu explodieren und dabei auch mal ein ungerechtes Wort zu ver-lieren.“ Seine Frau hake das schnell ab. „Durch die Krankheit sind wir noch mehr zusammengewachsen.“

Seine Lebensfreude lässt sich Rainer Drozd nicht vermiesen. „Wir wohnen in einem schönen Haus in Kladow, nahe am Wald und am Wasser. Ich geh jeden Tag ins Dorf, bei Wind und Wetter. Ich ge-nieße jeden Moment, meine drei Enkel-töchter, die Natur, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Ich glaube daran, dass das Schicksal neue Chancen eröffnet. Ich glaube an die Stärke des eigenen Ich, die einen aus dem Sumpf ziehen kann. Diese Stärke möchte ich auch anderen vermitteln.“

Offenheit tut gut.

Mit 40 stellten sich die ersten Symptome ein, mit 43 erhielt Brigitte Leicht ihre Parkinson-Diagnose. Heute ist die pensionierte Grundschullehrerin aus Leverkusen 66 Jahre alt, hat gelernt, geduldiger mit sich selbst zu sein und sich trotz Erkrankung über „viele Sternstunden zu freuen“.

Reiten ist ihr größtes Hobby seit Kindertagen, von ihren Brüdern hat sie eine Leidenschaft für den Fußball geerbt, sie singt und turnt und radelt und trifft sich regelmäßig mit ihren Freundinnen: Brigitte Leicht lässt sich vom Parkinson nicht unterkriegen, selbst wenn es mal nicht so einfache Tage gibt.

Ihr Ehemann Wolfgang unterstützt sie
nach Kräften. Sie haben sich 1971 in Hannover kennengelernt, sechs Jahre später gaben sie sich das Jawort. Als ihr Mann 1979 eine Stelle bei einem großen Chemiekonzern bekam, zog das Paar
nach Leverkusen.

Schnell fand sie wieder eine Stelle als Lehrerin an einer Grundschule. Seit 1988 wohnen die beiden in einem eigenen Haus direkt am Rhein. Noch immer genießen sie gerne bei einem Glas Wein das malerische Flusspanorama vor der Tür.

Ehrliche Antworten geben
Eines Tages, kurz vor ihrem 40. Geburtstag, wunderte sich eine Freundin: „Bist du vom Pferd gefallen?“ Eine merkwürdige Frage, fand Brigitte Leicht, bis ihr selbst auffiel, dass sie schon eine geraume Zeit ihr Bein nachgezogen hatte.

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Die Orange schälte sie plötzlich mit der linken statt mit der rechten Hand. „Beim Reitturnier unseres Vereins habe ich das Protokoll geschrieben. Plötzlich kam ich nicht mehr mit. Meine Schrift wurde immer kleiner.“

Für Frau Leicht begann eine dreijährige Odyssee. „Ich bin von Pontius zu Pilatus gerannt. Aber die Ärzte fanden nichts heraus.“ Erst ein Spezialist in Bonn stellte 1992 eine Parkinsondiagnose. „Zunächst habe ich gedacht, der spinnt. Aber dann war ich froh, dass ich endlich etwas sagen konnte. Die Leute dachten schon länger, ich wäre betrunken, wenn ich das Geld mal wieder nicht aus dem Portemonnaie herausbekam. Ich bin dann gleich ganz offen damit umgegangen. Das tat mir gut.“

Auch in der Schule offenbarte sie sich. „Die Kinder fragten, warum ich mich so komisch bewegte, sie wollten alles genau wissen“, schildert die ehemalige Lehrerin. „Weil ich ihnen ehrliche Antworten gab, verstanden sie alles. Sie liebten es geradezu, für mich einzuspringen, wenn meine Schrift an der Tafel wieder mal wackelig wurde.“ Der Beruf blieb ihre Berufung, nach ihrer Pensionierung half sie sechs Jahre ehrenamtlich in der Ganztagsbetreuung aus.

Keine Hektik mehr
Wenige Monate nach Start der Medikamenteneinnahme hatte sie sich einen Großteil ihrer alten Beweglichkeit zurückerobert. Über die vielen Jahre hinweg gelang es ihr, sich mit ihrem „Begleiter“ zu arrangieren. Mit Überbewegungen und Verkrampfen der Gliedmaßen hat sie häufiger zu tun, seltener mit Zittern. Ab und an gab es Rückschläge zu verkraften. „Ich bin nicht immer vorsichtig genug“, räumt Brigitte Leicht ein. „Ich falle sehr oft hin, dabei passiert mir gottlob selten etwas. Einmal ist es allerdings schiefgegangen, in der Küche bin ich voll auf die Fliesen geknallt, da war der Oberschenkelhals durch.“

Es gelang ihr, sich auf die Grenzen ihres Körpers einzustellen. „Ich habe gelernt, mit mir geduldiger zu sein, auch wenn es mir ein bisschen schwergefallen ist“, erzählt Frau Leicht. „Doch wenn ich in Hektik gerate, komme ich in keinen Schuh. Wenn ich einen Termin habe, nehme ich lieber einen Bus früher. Wenn es zur S-Bahn knapp wird, darf ich nicht rennen. Ich fahre nur noch da Fahrrad, wo mir das Gelände vertraut ist, etwa zum Arzt oder zum Einkaufen. Und wenn ich den Sicherheitsgurt nicht anbekomme, weiß ich, dass der Wagen stehen bleiben muss.“

Mit einem Gleichgewichtstraining bei der Physiotherapie lernt sie nun, Stürze zu vermeiden. „Da balanciere ich auf Gummikissen. Es ist aber auch wichtig, dass man jeden Tag zu Hause seine Gymnastik macht. Wer rastet, der rostet.“ Auch an ihrer schon mal leisen und undeutlichen Stimme arbeitet sie regelmäßig. Sie hat die Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) durchlaufen und ist in einem Chor aktiv. „Meine Stimme wird durch die anderen Mitsänger unterstützt. Das ist Balsam für meine Seele.“

Seele baumeln lassen
Ihrer Liebe hat der Parkinson nichts anhaben können, die Leichts sind auch nach 44 Jahren noch ein Herz und eine Seele. „Mein Mann ist da langsam reingewachsen“, erzählt Brigitte Leicht. „Manchmal hilft er mir morgens, die Knöpfe zuzumachen oder die Socken anzuziehen, wenn es schnell gehen soll. Wir fahren sehr viel Rad. Vor fünf Jahren haben wir mal eine Parkinson-Reise mit Betroffenen und ihren Familienmitgliedern nach Samos gebucht. Das war eine sehr schöne Erfahrung.“ Bei aller Zweisamkeit lassen sich die langjährigen Partner aber auch ihre Freiräume. „Ausgedehnte Wanderungen macht mein Mann jetzt mit einem guten Freund.“ Dafür geht sie mit einer Freundin zum Fußballgucken ins Stadion von Bayer Leverkusen oder fährt mit ihrem Kreis zu Reitturnieren wie dem CHIO in Aachen.

Prinz Peko heißt seit vielen Jahren ihr treuer tierischer Begleiter. „Ich hab ihn schon als Fohlen bekommen“, sagt die passionierte Hobbyreiterin. Mittlerweile ist er 24 Jahre alt und damit für Pferdeverhältnisse ein betagter Herr. „Man kann mit ihm locker durchs Gelände bummeln und dabei gemütlich die Seele baumeln lassen.“

„Es ist, wie es ist.“
Alles in allem habe sie auch mit der Erkrankung ein schönes Leben, findet Brigitte Leicht. „Parkinson zu akzeptieren, bedeutet zwar, sich damit abzufinden, dass man sein ganzes Leben lang auf Medikamente angewiesen ist. Doch sie ermöglichen mir viele Sternstunden“, resümiert sie. „So geht es mal auf und mal ab, mal besser und mal schlechter. Aber es gibt schlimmere Einschränkungen. Es ist, wie es ist, und wenn ich es nicht ändern kann, dann muss ich es akzeptieren.“

Ich habe viel hinzugewonnen.

Eine neue Stelle und reichlich zu tun, Zeitdruck und ungewohnte Strukturen – als Erika Ilg 2004 bemerkt, dass sie oft zittrig ist, schiebt die 56-Jährige das auf die Herausforderungen im Job.

Sie versucht, die Auffälligkeiten zu verbergen. „Ich wollte meinen Kollegen nicht den Eindruck vermitteln, dass ich gestresst bin“, erklärt die gelernte Kauffrau im Handwerk. „Also habe ich vermeintliche Erklärungen vorgeschoben, etwa ich hätte wohl zu viel Kaffee getrunken. Oder ich habe meine Hände unter den Tisch gehalten, damit keiner etwas bemerkt.“

Ein Jahr später haben sich die beruflichen Wogen geglättet, doch das Zittern ist geblieben. Besonders die linke Körperhälfte ist betroffen. Die Sendenerin macht sich zunehmend Sorgen und geht zum Arzt.

In der Praxis trifft sie auf eine Vertretung, einen Neurologen. Er vermutet direkt eine Parkinson-Erkrankung; weitere Untersuchungsergebnisse bestätigen seinen Verdacht. Auf diese Diagnose ist Erika Ilg nicht vorbereitet. Allerdings sieht sie rückblickend einiges klarer. „Meine Großmutter war auch immer ganz zittrig und hatte eine krakelige Schrift. Das hat nur damals niemand hinterfragt. Es hieß, sie habe halt ‚das Zipperle’. Heute glaube ich, sie hatte auch Parkinson und es gibt womöglich eine erbliche Komponente in der Familie.“

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Nach einigen Überlegungen beantragt Erika Ilg Frührente und ist von nun an daheim. Sie ist jedoch fest entschlossen, sich nicht hängenzulassen. Vielmehr will sie sich informieren und herausfinden, was ihr guttut. Eine Bekannte vermittelt ihr die Adresse der örtlichen Selbsthilfegruppe. „Der erste Besuch in der Gruppe hat mir jedoch nicht gefallen, lauter kranke und ältere Menschen. Ich wollte noch nicht dazugehören“, gibt sie zu. „Andererseits war die Gruppe eine gute Quelle für Informationen, die man sonst nicht so leicht bekommt und die einem helfen, die Dinge für sich einzuordnen. Und da ich generell finde, dass jeder eine zweite Chance verdient, bin ich trotzdem wieder hingegangen.“

Engagement in der Selbsthilfe
Im Zuge der regelmäßigen Treffen verflüchtigen sich ihre Bedenken jedoch rasch. Aus neuen Bekanntschaften werden Freundschaften. Heute genießt sie den Zusammenhalt der Gruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung in Iller sehr und bringt sich viel ein. Sie erstellt Terminübersichten, hilft bei Veranstaltungen und Ausflügen. „In der ersten Reihe zu stehen, ist nicht meine Art, aber zuarbeiten kann ich prima“, schmunzelt die 69-Jährige. Mit großem Engagement widmet sie sich auch der Aufgabe, für jedes der 150 Mitglieder zum Geburtstag eine Karte mit einem ausgesuchten Gedicht zu gestalten.

Anders als mit dem vermeintlichen Stress im Job geht Erika Ilg mit ihrer Parkinson-Erkrankung von Beginn an offen um. „Ich finde das besser, als dumm angeschaut zu werden, weil ich vielleicht nicht ganz gerade gehe“, sagt sie selbstbewusst. „Die Meinung der anderen ist mit zwar nicht wichtig, aber dann wissen sie, woran sie sind und können selbst entscheiden, was sie damit anfangen.“ Die meisten würden anfangs mitfühlend oder auch bedauernd reagieren. Aber schon bald sei Parkinson dann gar nicht mehr so wichtig. „Man erzählt vielleicht mal darüber, wenn man auf die Gesundheit zu sprechen kommt. Aber oft geht es auch um ganz andere Themen.“ Die sanft wirkende Frau, die trotz ihrer unwillkürlichen, durch Parkinson ausgelösten Bewegungen eine positive Ruhe ausstrahlt, weiß allerdings, dass eine solche Offenheit nicht jedem leicht fällt. Sie selbst kenne eine jüngere Frau, die sich nicht outen wolle. „Ich habe sie schon öfter in unsere Gruppe eingeladen. Aber sie ist berufstätig und hat wohl Angst, mit Parkinson nicht mehr als vollwertig zu gelten. Das ist für Jüngere sicher ein Problem. Andererseits kostet es viel Kraft, verdeckt zu leben.“

Aktiv leben
Ein großes Anliegen ist der unternehmungslustigen Frau, die in ihrem Leben viel gereist ist, den Auswirkungen der Erkrankung aktiv etwas entgegenzusetzen und möglichst beweglich zu bleiben. Sie macht regelmäßig Wassergymnastik und Ergotherapie und trainiert mit speziellen Therapien Beweglichkeit und Gleichgewicht. „Natürlich muss ich nicht alles können. Mein Fahrrad lasse ich zum Beispiel zurzeit stehen. Aber ich möchte etwas vom Leben haben – und dafür tue ich etwas.“ Letztlich zähle dazu auch der offene Umgang mit Parkinson, betont sie. „Was nützt es, wenn ich den Kopf in den Sand stecke und mich verkrieche? Ich muss die Erkrankung annehmen und versuche damit weiterzuleben, so gut es geht.“

Der Alltag der sympathischen Bayerin ist entsprechend abwechslungsreich. „Ich habe immer etwas vor, koche gerne und besuche so oft wie möglich klassische Konzerte. Ich nehme mir Zeit für meine Hobbys und habe stets eine offene Tür und einen Kaffee für jeden, der vorbeischaut.“ Eine verlässliche Stütze ist der alleinlebenden Frau ihre Freundin, die im gleichen Haus wohnt. „Brigitte pflegt die Blumen, ich bin eher die fürs Grobe, mähe den Rasen und dünge“, lacht Erika Ilg. Nicht zuletzt hat ihre Katze Mona als verlässlicher Gesellschafter einen zentralen Platz in ihrem Leben.

Blick für das Positive
Allerdings kennt sie auch dunkle Momente. „Manchmal gibt es einfach Tage, an denen ich mich mies fühle und denke, das habe ich nicht verdient“, räumt sie ein. „Dann verziehe ich mich schon mal für eine kleine Weile. Oder es ist frustrierend, wenn ich nachts aufwache, mich schwer wie Beton fühle und nicht aus dem Bett komme. Ich gebe dem dann Raum – aber nie sehr lange.“ Ihr persönliches „Gegenmittel“ in diesen Momenten und auch generell sei, sich das Positive vor Augen zu führen. So sei durch Parkinson auch viel Neues in ihr Leben getreten. „Ich habe Menschen kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte und erlebe weiterhin tolle Begegnungen. Und über die Ergotherapie habe ich die Seidenmalerei, das Töpfern und das Zeichnen für mich entdeckt. Es stärkt mich sehr, auf das zu schauen, was ich hinzugewonnen habe und was ich alles noch kann.“

Der Zukunft blickt Erika Ilg gelassen entgegen. „Ich plane nur für kurze Zeit voraus. Ich weiß ohnehin nicht, was wird. Außerdem kann ja auch unabhängig von Parkinson immer etwas sein. Darum schaue ich, was aktuell möglich ist und was mir Spaß macht. Meine Devise ist: Jetzt leben und das Leben so gut es geht genießen.“

Jeder sollte sich etwas zutrauen.

„Ich war gerade in Köln angekommen und aus dem Auto gestiegen, als sich plötzlich meine linke Hand selbstständig machte und wie wild ausschlug“, blickt Bernd Michael Teichmann in das Jahr 2000 zurück.

„Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Aber dieser seltsame Moment ging schnell vorbei und alles schien wieder so zu sein wie immer.“ Kurz zuvor hatte der klassisch ausgebildete Tänzer seine aktive Karriere beendet und war für eine Ausbildung in die Domstadt gezogen. Viele Jahre war er an zahlreichen Bühnen in Deutschland, der Schweiz und New York zu Hause gewesen. „Dann war ich jedoch immer öfter verletzt und musste einsehen, dass es an der Zeit ist, umzu-schulen“, erklärt er seine Entscheidung. „Mein Plan war, Physiotherapeut zu werden und später vor allem Tänzer zu behandeln.“

Im Laufe der nächsten Monate bemerkt der damals 38-Jährige jedoch immer wieder, dass er leicht zittert. Er ist irritiert, denn als Profi-Tänzer ist er es gewohnt, seinen Körper bis hin zur feinsten Bewegung zu kontrollieren. Er spricht mit Therapeuten und Ärzten. Einer von ihnen ist ein Neurologe, der eine Überweisung in die Universitäts-klinik ausstellt – mit Verdacht auf Parkinson. Die Vermutung bestätigt sich. „Damit stand die Diagnose bei mir ungewöhnlich rasch fest“, sagt Bernd Michael Teichmann. „Ich weiß noch, wie erstaunt die Ärzte waren, dass ich mich so früh gemeldet habe. Aber ich besitze eine sehr ausgeprägte Körperwahr-nehmung und hatte sofort gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung war.“

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Auf die Diagnose reagiert er mit einer Entscheidung, die Freunde und Vertraute überrascht, teilweise schockt, für ihn hingegen schlichtweg naheliegend ist: „Mir war sofort klar, dass ich zurück in den Tanz muss. Ich wollte nicht im Rollstuhl landen und ich wusste: Über den Tanz kann ich mein Körpergefühl und mein Bewegungsgedächtnis am besten trainieren.“ In seiner neuen Situation geht Bernd Michael Teichmann sogar noch einen Schritt weiter. Er stellt sich einer der größten Herausforderungen in seiner Laufbahn und geht noch im gleichen Jahr nach Singapur, um dort in einer der Akademien die Tanzabteilung zu leiten.

Aufreibendes Doppelleben
Die folgenden vier Jahre baut der energiegeladene Rheinländer die Ausbildungsabteilung der Akademie auf. Eine einfache Zeit sei das nicht gewesen, bilanziert er. „Die fremde Kultur, hohe Erwartungen, jede Menge Arbeit – das war nicht ohne. Dazu kam die Belastung, meine Erkrankung zu verheimlichen. Nur die Direktion wusste darum. Hätte ich sie offengelegt, wäre ich angreifbar geworden. Aber ich musste funktionieren. Deshalb war das keine Option.“

Seine Medikamente wirken gut und das Versteckspiel gelingt, doch es ist anstrengend. Irgendwann wird der Druck zu stark. „Auf einem Festival in Malaysia hatte ich das Gefühl, dass ich es einfach nicht schaffe“, erzählt Bernd Michael Teichmann. „Die ständige Angst, dass die Leute um einen herum sehen, dass man zittert, obwohl das für andere vielleicht gar nicht mal sichtbar war, war belastend. Ich habe dann meinen engsten Kollegen reinen Wein eingeschenkt. Das brauchte ich als eine Art Ventil. Positiv war, dass sie sehr verständnisvoll reagiert haben.“ Zwei Jahre später, nachdem er in Zusammenarbeit mit einer renommierten amerikanischen Tanzabteilung einen Ausbildungskurs etabliert hat, gibt er seinen Leitungsposten ab. Er will sich auf das konzentrieren, was ihm am meisten Spaß macht: das Unterrichten. Ende 2012 gelangt er schließlich an einen Punkt, an dem der Druck zu groß wird. Auch körperlich geht es ihm nicht gut. Er löst seinen Vertag auf und kehrt zurück nach Deutschland. Im beschaulichen Eutin in Ostholstein findet er eine neue Heimat.

Sich erholen und neue Therapiewege erkunden, das steht nun zunächst im Vordergrund. Doch schon bald erwacht in dem Vollbluttänzer erneut der Taten-drang. Er steht wieder auf der Bühne, zusätzlich veranstaltet er in einer Fachklinik Tanzkurse für Menschen mit Parkinson. Seit einigen Monaten startet der 53-Jährige sogar beruflich noch einmal ganz neu durch und lässt sich zum Ergotherapeuten umschulen.

Glaubwürdiges Vorbild
Später möchte er mit Menschen arbeiten, die ebenfalls mit Parkinson leben. „Ich sehe die Dinge von innen heraus, das ist ein großer Vorteil“, findet er. „Ich kann keinem etwas vormachen und verstehe, worum es im Wesentlichen geht.“ Er ist sich auch sicher: Ohne seine regel-mäßige Körperarbeit stünde er nicht dort, wo er heute ist. Somit könne er glaub-würdig vermitteln, dass Training und Tanz viel bewirken können. „Ich kann noch immer viel machen und bin trotz Parkinson ganz gut drauf. Sicher, es gibt Einschränkungen. Ich muss zum Beispiel an einer deutlichen Stimme arbeiten. Aber ich habe weiterhin ein Gefühl für meinen Körper und kann den Leuten demonstrieren: Da redet nicht bloß einer daher, sondern es geht wirklich, auch mit Parkinson.“ Gleichzeitig könne er als Tänzer seine Bewegungserfahrungen nutzen und Betroffene mit gezielten Übungen für die Muskulatur und die Körperspannung unterstützen.

Darüber hinaus möchte Bernd Michael Teichmann die Kreativität wecken und fördern. „Jeder hat eine künstlerische Seite. Wenn wir uns über sie ausdrücken können, lässt uns das aufleben. Darum möchte ich die Menschen anregen, aus sich herauszugehen und sich etwas zu trauen. Zumal viele Parkinson-Betroffene mehr können, als sie glauben.“ Hilfreich sei hierfür, einen Raum zu schaffen, in dem sich jeder ausprobieren könne. „Natürlich soll jeder innerhalb seines eigenen Rahmens nur das machen, was er kann und was er möchte“, betont er. Überhaupt sollte sich niemand an einem „du musst“ orientieren – das würde nur blockieren. „Aber ich wünsche mir, dass die Menschen innerhalb ihres eigenen Könnens an ihre Grenzen gehen. Wer das nicht tut, steckt sonst seinen Rahmen mit der Zeit immer enger.“

Auf noch etwas kommt es ihm in einem Leben mit Parkinson an: „Man sollte nicht nur seine Medikamente nehmen und sich auf ihrer Wirkung ausruhen, sondern auch auf seinen Körper hören. Parkinson hat viele Gesichter. Gerade darum ist es wichtig, in sich hineinzuhorchen, was einem persönlich gut tut und ob man vielleicht noch etwas anders machen könnte. Vielen fehlt dieses Gefühl für sich. Deshalb möchte ich die Menschen auch in ihrer Eigenwahrnehmung stärken.“ Wie es nach seiner Ausbildung weitergehen wird, lässt Bernd Michael Teichmann trotz vieler Ideen auch ein bisschen auf sich zukommen. „Manchmal denke ich, ich sollte mehr zur Ruhe finden“, gibt er zu. „Andererseits war ich schon immer umtriebig und offen für Neues. Sicher ist eigentlich nur: Ich möchte die Umschulung schaffen und Menschen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich. Wenn ich einen Weg finde, der das zulässt, ist es sicherlich ein guter.“

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