Aktiv gegen Verstopfung

Autor: Petra Sperling | 03/2018

„Parkinson betrifft auch das Nervengeflecht der Darmschleimhaut“, erklärt PD Dr. Marcus Unger, Oberarzt der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes. „Zum Teil finden sich dort ganz ähnliche Veränderungen wie im Gehirn. Mit ihnen können Darmträgheit und Verstopfung einhergehen. Denn das Nervensystem des Darms ist unter anderem auch dafür verantwortlich, wie gut die Bewegungen des Verdauungsorgans funktionieren.“

Hinweise darauf, dass die Beschwerden mit fortschreitender Erkrankung zunehmen, beobachtet der Neurologe nicht. Allerdings könnten sich Faktoren verstärken, die eine Verstopfung verschlimmern. „Vornehmlich sind das Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel. Manche Betroffene sagen: Ich schone mich lieber und haushalte mit meinen Kräften. Doch was ihnen an Bewegung möglich ist und gut tut, sollten sie ihrer Verdauung zuliebe auch umsetzen.“

Flüssigkeit und Ballaststoffe punkten

Ebenso wichtig und hilfreich ist es, über den Tag verteilt ausreichend zu trinken. Auch Lebensmittel mit einem hohen Wasseranteil erhöhen die Flüssigkeitszufuhr. Eine weitere verdauungsfördernde Maßnahme ist die ballaststoffreiche Ernährung. Derzeit erforscht Dr. Unger mit seinem Team, ob Parkinson-Erkrankte auch von Nahrungsergänzungsmitteln mit resistenter Stärke profitieren können. Ähnlich wie Ballaststoffe in der Nahrung nimmt der Körper diese spezielle Stärke nicht auf. Resistente Stärke wird nicht wie andere Nahrungsbestandteile vom Körper zerlegt und aufgenommen. Sie gelangt daher unverdaut vom Dünndarm in den Dickdarm. Im Dickdarm kann sie von bestimmten Bakterien abgebaut werden. Als Stoffwechselprodukte entstehen dabei unter anderem kurzkettige Fettsäuren. Sie können über unterschiedliche Mechanismen die Bewegungen des Dickdarms steigern und die Verdauung fördern.

Hilft das alles nicht, kann der Arzt zum Beispiel Macrogol verordnen. „Dieser Wirkstoff kann flexibel dosiert und gegebenenfalls dauerhaft eingenommen werden“, erklärt Dr. Unger. Von einer regelmäßigen oder dauerhaften Einnahme klassischer Abführmittel rät er ab. „Werden sie zu oft eingesetzt, gewöhnt sich der Darm daran und wird noch träger. Außerdem haben diese Mittel oft den unerwünschten Effekt, dass auch wichtige Salze und viel Flüssigkeit über den Darm verloren gehen.“ Besser sei es, die Darmaktivität mit dem Trio Bewegung, Flüssigkeit und Ernährung zu unterstützen.

Wenn der Magen langsamer arbeitet

Parkinson kann auch die Magenmuskulatur beeinträchtigen. Anders als bei einem trägen Darm kann das direkte Auswirkungen auf die Therapie haben. „Der Magen wird dann verzögert entleert“, beschreibt Dr. Unger. „Die Parkinson-Medikamente verbleiben länger dort und wirken später als gewünscht.“ Zudem sei nicht vorhersehbar, wann die Muskulatur den Nahrungsbrei und mit ihm die Medikamente in den Darm weitertransportiert, über den sie in den Blutkreislauf und schließlich an ihren Bestimmungsort gelangen. „Die Wirkung der Tabletten kann damit täglich schwanken“, stellt der Neurologe fest. „Das bringt besondere Anforderungen an die Therapieanpassung mit sich – vor allem, wenn Betroffene mehrmals am Tag Medikamente einnehmen.“ Wer Wirkschwankungen beobachtet, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen.

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