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Autor: Petra Sperling | 03/2018

Im Gespräch mit Priv.-Doz.Dr. Jürgen Andrich, Chefarzt der Neurologie der Klinik am Haussee der Fachklinik Feldberg, Feldberger Seenlandschaft

Der Begriff „Rehabilitation“ bedeutet so viel wie „Wiederherstellung“. In der Medizin wird er verwendet, wenn es darum geht, mithilfe gezielter Behandlungen die Folgen einer Erkrankung oder eines Unfalls zu bessern. Auch bei Morbus Parkinson kann eine „Reha“, so die gängige Kurzform, viele positive Wirkungen entfalten.

„In einer Rehabilitationsmaßnahme für Menschen mit Parkinson stehen vornehmlich Beschwerden im Mittelpunkt, die sich durch Medikamente nicht ausreichend behandeln lassen“, erläutert Dr. Jürgen Andrich. „Oft geht es dabei um motorische Einschränkungen, also die Bewegung betreffende Beschwerden.“ Beispiele hierfür sind ein unsicherer Gang, Gleichgewichtsstörungen oder die Schwierigkeit, im Gehen die Richtung zu wechseln. Auch Starthemmungen beim Losgehen oder plötzlich einfrierende Bewegungen fallen in diesen Bereich. „In einer Rehabilitation lassen sich diese Beschwerden oft sehr gut beeinflussen“, weiß der Neurologe. „Das Gleiche gilt für Veränderungen der Körperhaltung, etwa ein nach vorne geneigter Kopf oder Oberkörper.“

Empfohlen wird eine Rehabilitation bei Parkinson, wenn sich durch die Erkrankung verursachte Beschwerden schleichend oder kurzfristig verschlechtern. Um diese Entwicklung aufzufangen, ist vorübergehend eine intensivere Behandlung als bisher ratsam. In einer Rehaklinik ist genau das möglich. „Wir können engmaschig ansetzen, verschiedene Therapieformen miteinander kombinieren, dem Betroffenen ein individuelles Tagesprogramm zusammenstellen und ihn über einige Wochen täglich intensiv behandeln“, beschreibt Dr. Andrich. „Das Ziel ist, jemanden auf diese Weise wieder auf seinen ursprünglichen Stand zu bringen oder aktuelle Beschwerden merklich zu verringern.“

Vielschichtiges Therapieprogramm

Zu den Behandlungen gehören im Wesentlichen Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie, Wassergymnastik, Kneippsche Güsse oder Bäder, Massagen, Fango- und Wärmebehandlungen. „Massagen oder Fangopackungen beispielsweise können Muskelverspannungen lindern und damit die Beweglichkeit fördern“, erläutert Dr. Andrich. Als sehr wirksam beschreibt er auch die Musiktherapie. „Viele Menschen mit Parkinson können eine Bewegung nicht beginnen oder beenden, weil die dafür notwendige Reizübermittlung im Gehirn gestört ist. Man muss diese Impulse daher jetzt von außen geben. Musik eignet sich dafür hervorragend.“

Spezielle Konzepte bei Parkinson

Darüber hinaus arbeiten viele auf Parkinson ausgerichtete Rehakliniken mit speziellen Verfahren wie dem Lee Silverman Voice Treatment LSVT®LOUD, einem intensiven Training für eine kraftvolle Stimme und eine klare Sprache. Auch der daraus abgeleitete physiotherapeutische Ansatz LSVT®BIG wird häufig angewendet. Hier wird mit großen, raumgreifenden Bewegungen für eine bessere Körperhaltung und mehr Beweglichkeit geübt.

Eine Rehabilitation kann so gestaltet werden, dass der Betroffene morgens in die Klinik kommt, dort sein Tagesprogramm durchläuft und am Abend nach Hause geht. Mediziner sprechen bei dieser Variante von einer „ambulanten Reha“. Bleibt der Patient über Nacht in der Klinik, handelt es sich um eine „stationäre Reha“. „Betroffene, die rund um die Uhr in der Klinik bleiben, haben den Vorteil, dass sie die Ruhephasen zwischen den Therapien und Anwendungen in ihrem eigenen Zimmer verbringen können“, urteilt Dr. Andrich. „Noch dazu müssen sie nicht täglich an- und abreisen, sondern können den Behandlungstag in Ruhe ausklingen lassen.“ Viele Rehabilitationsmaßnahmen sind auf einen Zeitraum von etwa drei Wochen angelegt.

Nach der Reha geht es weiter

Ist eine Rehabilitationsmaßnahme beendet, schließt sich in der Regel ein weniger intensives Therapieprogramm an. Das können zum Beispiel wöchentliche Termine in der Logopädiepraxis oder Bewegungseinheiten beim Physiotherapeuten sein. „Manche Behandlungskonzepte sind auch gezielt darauf angelegt, dass Betroffene zu Hause weitertrainieren“, betont Dr. Andrich. Das hat seinen Grund: Regelmäßiges Üben trägt viel dazu bei, so beweglich und fit wie möglich zu bleiben.

Ob, wann, wie oft und für wie viele Tage eine Reha genehmigt und bezahlt wird, entscheidet die Krankenkasse oder der Rentenversicherer. Der Bescheid fällt von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich aus und wird jeweils individuell geklärt.

Mehr zum Thema Rehabilitation:

www.deutsche-rentenversicherung.de, Menüpunkt „Rente & Reha“ und auf der Internetseite www.reha-patient.de

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