Bewegung schult das Gleichgewicht

Autor: Petra Sperling | 03/2017

Damit der Mensch in Balance bleibt, ist ein hochkomplexes System aktiv: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert jede noch so kleine Erschütterung oder Lageveränderung des Körpers. Die Informationen leitet es an das Gehirn, wo sie zusammen mit den Sinneseindrücken von Augen, Ohren und dem Tastsinn der Fußsohlen verarbeitet werden. Weiterhin wird die Stellung des Kopfes zum Körper durch Rezeptoren bzw. Signalempfänger bestimmter Zellen im Hals beurteilt. Auch Daten aus dem Körperinneren spielen eine Rolle: Ist ein Muskel in Bewegung? Welche Sehnen sind angespannt? Je nach Lage veranlasst das Gehirn dann die passende Bewegungsaktion.

Michael Kiszka ist niedergelassener Facharzt für Neurologie in Erfurt

Wenn Parkinson die Bewegungsfähigkeit einschränkt, lassen sich plötzliche Lageveränderungen weniger gut ausgleichen. Die Ursache liegt in einem Mangel an Dopamin. Dieser chemische Botenstoff spielt im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung. „Ist zu wenig vorhanden, bewegen sich Betroffene langsamer. Sie können auf neue Reize auch nicht so schnell reagieren“, erläutert Michael Kiszka. „Wenn ein Gesunder stolpert, setzt er reflexartig einen großen Ausfallschritt, verbreitert damit seine Standfläche und gewinnt Sicherheit. Menschen mit Parkinson reagieren verzögert und machen oft bloß einen kleinen Schritt. Damit stehen sie auf weniger Fläche wesentlich wackeliger.“ Die verlangsamten Reaktionen bergen eine erhöhte Sturzgefahr. Zudem kann die Angst vor einem Straucheln die Bewegungsunsicherheiten verstärken. Sich vorsichtshalber wenig zu bewegen, wäre jedoch falsch: Bewegung selbst ist ihre beste Schule. Das sollte man nach Möglichkeit nutzen – zumal sich für mehr Standfestigkeit und Bewegungssicherheit ohne viel Aufwand einiges tun lässt.

Sicherheit gewinnen

„Natürlich muss die Parkinson-Therapie so optimal wie möglich angepasst werden“, schickt der Neurologe voraus. „Zusätzlich ist Bewegung gut. Wir sehen zum Beispiel: Wer auf einem speziellen Gerät mit bewegtem Untergrund Bewegungsübungen macht, trainiert sich Sicherheit an.“ Ebenso wirksam zeigt sich das sogenannte Schubs-Training. Hierbei wird der Betroffene von dem hinter ihm stehenden Physiotherapeuten an den Schultern ruckartig nach hinten gezogen und aufgefangen. „Um die Gewichtsverlagerung auszugleichen, muss der Übende einen Ausfallschritt machen. Ziel des Trainings ist, dass er einen ausreichend großen Schritt setzt“, erklärt Michael Kiszka Bewegung schult das Gleichgewicht .

Spiele, die das Gleichgewicht fordern, zeigen im Alltag gute Trainingseffekte.

Der Neurologe beobachtet darüber hinaus positive Effekte eines Trainings mit einer Spielekonsole. Dabei steht der Übende auf einem Brett, das über Sensoren seine Gewichtsverlagerungen und Bewegungen aufnimmt. Die Daten übermittelt es an eine Konsole, die mit einem Fernseher oder Beamer verbunden ist. Dort sieht der Spieler die von ihm gesteuerte Figur in Aktion. Aus dem Spiel heraus erhält er nun Reize, auf die er reagieren muss. Beispielsweise fliegt ihm ein Fußball entgegen, den er durch eine seitliche Verlagerung seines Körpers mit dem Kopf treffen soll. „Das Training verbessert Koordination und Gleichgewicht und ist noch dazu sehr unterhaltsam“, erlebt Michael Kiszka. „Es macht auch mit einem Partner oder in der Gruppe viel Spaß.“ Einfache Gleichgewichtsübungen könne aber auch jeder zu Hause ohne technische Hilfsmittel umsetzen. „Im Sitzen auf einem Ball das Gewicht verlagern und im Lot bleiben, auf einem Bein balancieren oder über unebenen Untergrund laufen sind einige Beispiele.“

Ihr Physiotherapeut kann Ihnen weitere Empfehlungen für ein Gleichgewichtstraining geben.

Tipps und Übungen Bewegung schult das Gleichgewicht für zu Hause

Sicherheit: Gut ist, wenn Sie mit einem Partner üben oder sich so positionieren, dass Sie sich gegebenenfalls festhalten oder abstützen können – an der Wand, am Türrahmen, an der Sofalehne…
Wirksamkeit: Nerven, Muskeln und Sehnen werden vermehrt aktiviert, wenn Sie auf einer nachgiebigen Unterlage wie einer Turnmatte, einer gefalteten Decke oder einem Kissen stehen.
Anspruch: Gleichgewichtsübungen sind leichter, wenn Sie dabei einen bestimmten Punkt fixieren. Blicken Sie im Raum umher, wird es schwieriger. Eine weitere Steigerung ist, kurz die Augen zu schließen.

Einbeinstand: Stehen Sie aufrecht, die Füße etwas auseinander, die Knie leicht gebeugt. Heben Sie ein Bein leicht vom Boden ab. Versuchen Sie, einbeinig einige Sekunden ruhig zu stehen. Wer sicher genug ist, kann das in der Luft befindliche Bein leicht nach vorn, nach hinten oder zur Seite schwingen.

Liniengang: Suchen Sie sich eine Linie auf dem Boden und versuchen Sie, daran entlang zu balancieren. Bietet der Untergrund kein passendes Muster, können Sie mit wieder ablösbarem Kreppband eine Strecke aufkleben.

Balance: Versuchen Sie bei diesen Übungen im Gleichgewicht zu bleiben: Im Stehen einen Luftballon durch Antippen in der Luft halten; mit dem Fuß einen Schaumstoffball auf dem Boden vor- und zurückrollen; im Stehen oder Sitzen einen Ball von einer Hand in die andere geben – einmal vor, einmal hinter dem Körper.

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