Die Stimme früh trainieren

Autor: Torsten Bless | 06/2015

Thomas Brauer mit dem „Companion“

Fragt man Thomas Brauer, wann für einen Menschen mit Parkinson der ideale Zeitpunkt gekommen ist, um etwas für seine Stimme zu tun, ist seine Antwort eindeutig. „Je früher, desto besser“, sagt der Experte, der seit 1998 fachlicher Leiter der Lehranstalt für Logopäden in Mainz ist. „Nach einer Untersuchung der Selbsthilfeverbände in den USA werden bis zu 89 Prozent der Betroffenen schleichend leiser und sprechen unverständlicher. Die Patienten denken, sie sprechen mit völlig normaler Lautstärke.“

Wer unbewusst seine stetig abnehmende Lautstärke akzeptiert, neigt zudem häufiger dazu, sich zu verschlucken. Wenn die Nahrung den falschen Weg nimmt, kann es zu Lungenentzündungen kommen. Auch dann lässt sich noch etwas tun, zum Beispiel mit der LSVT-LOUD-Therapie. Vier intensive Wochen lang übt der Betroffene in 16 Behandlungsstunden mit dem Logopäden oder Sprachtherapeuten und bekommt zusätzlich Übungen für daheim mit. „Der Patient wird darauf trainiert, wieder lauter und damit automatisch deutlicher zu sprechen“, erläutert Thomas Brauer. „Das Gehirn wird so neu eingestellt.“

Doch die Behandlung greift noch tiefer. „Eine neue Studie aus Kanada hat gezeigt, dass 27 von 80 untersuchten Patienten eine Parkinsondemenz entwickelten.“ Das Denken wird langsamer, die Aufmerksamkeit sinkt spürbar. Im Unterschied zu Patienten mit anderen Demenzformen wie etwa Alzheimer kann ein Parkinsonbetroffener vieles wieder erlernen. „Wir legen bei der LSVT-Therapie einen starken Schwerpunkt auf die Kommunikation und reden laut miteinander über jedes Thema, das den Patienten interessiert“, erklärt der erfahrene Logopäde. Die Ehepartner und die Verwandten freuen sich, dass ihr Angehöriger wieder viel aktiver am Leben teilnimmt. „Einer meiner Patienten hat nach langer Zeit seine Gitarre wieder hervorgeholt und dazu gesungen.“

Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen übernommen. Thomas Brauer rät allen Betroffenen, ihre Ärzte gezielt darauf anzusprechen. Wer schon vorher mit dem Computer gearbeitet hat, kann begleitend zur Behandlung mit dem „Companion“, einem von LSVT Global entwickelten und von Thomas Brauer ins Deutsche übersetzten Programm, an seinem Sprechen üben.

Eine Vorstellung des Programms findet man unter bit.ly/lsvt-companion. Fragen dazu beantwortet Thomas Brauer unter lsvtc-de@lsvtglobal.com.

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