Gut im Kontakt mit dem Arzt

Autor: Petra Sperling | 11/2019

Über was sollten Sie Ihre Neurologin oder Ihren Neurologen informieren? Wie können Sie weniger angenehme Themen ansprechen? Und warum macht es Sinn, frühzeitig über Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Parkinson zu sprechen? Ein Interview mit der Neurologin Dr. Claudia Weiland Gut im Kontakt mit dem Arzt vom Klinikum Hanau.
Über welche Beschwerden sollten Betroffene im Arzttermin auf jeden Fall sprechen?

Parkinson beeinflusst neben der Bewegung noch weitere Funktionen des Körpers. So können zum Beispiel auch Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen oder Probleme beim Denken und in der Wahrnehmung Folgen der Erkrankung sein. Betroffene und Angehörige, die sie zu einem Arztbesuch begleiten, sollten deshalb alle Beschwerden erwähnen, die ihnen auffallen – auch die, bei denen sie keinen Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung vermuten. Je mehr Informationen der Arzt erhält, umso umfassender kann er Erkrankung und Therapie beurteilen.

Bedenken ansprechen

Sie sind unsicher, ob Ihre Therapie wirklich optimal zu Ihnen passt, oder fragen sich, ob etwas verändert werden müsste? Sprechen Sie solche Gedanken an! Ihr Arzt ist der medizinische Experte – doch auch Sie bringen wertvolles Wissen mit: Sie kennen sich selbst am besten und können Ihre Erfahrungen aus dem Alltag mit Parkinson und im Umgang mit der Therapie einbringen. „Um Bedenken leichter äußern zu können, kann man sich verdeutlichen: Wir beide, mein Arzt und ich, haben das gleiche Ziel“, rät Neurologin Dr. Claudia Weiland. „Wir möchten, dass es mir möglichst gut geht – und mein Arzt kann dafür am besten sorgen, wenn ich offen mit ihm rede.“

Was muss der Arzt über Medikamente wissen?

Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwäche zum Beispiel können durch Parkinson hervorgerufen werden, aber auch eine Nebenwirkung von Medikamenten gegen Harndrang sein. Entsprechend wichtig ist es, dass Betroffene ihren Neurologen über alle Arzneimittel informieren, die andere Ärzte ihnen verschrieben haben und die sie regelmäßig einnehmen. Das hilft dem Neurologen, Beschwerden einzuordnen. (Anmerkung der Redaktion: Medikamentenplan zum Download unter www.parkinson-medikamentenplan.de)

Wie wird es leichter, über etwas zu reden, was einem vielleicht nicht so angenehm ist?

Vor allem über Impulskontrollstörungen wie übermäßige Lust auf Sex, Kauf-, Spiel- oder Esssucht spricht niemand gerne. Auch Halluzinationen werden manchmal als peinlich empfunden. Alle diese Auffälligkeiten, sogenannte nicht motorische Symptome, können jedoch von den Parkinson-Medikamenten herrühren. Wer das weiß, tut sich oft leichter, entsprechende Probleme anzusprechen. Betroffene sollten deshalb das Nebenwirkungsprofil ihrer Parkinson-Medikamente kennen. Am besten fragen Sie Ihren Arzt gezielt danach.

Sollten Betroffene auch Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenem Parkinson ansprechen?

Sie sollten auf jeden Fall frühzeitig wissen, dass die Therapie mit Fortschreiten der Erkrankung schwieriger wird, aber immer Optionen bestehen. Natürlich braucht es eine gewisse Offenheit und Akzeptanz, um sich für eine Medikamentenpumpe oder die Tiefe Hirnstimulation zu entscheiden. Aber es gibt viele Informationsmöglichkeiten. Auch der Austausch mit Betroffenen, die eine Therapieoption bei fortgeschrittenem Parkinson erhalten, kann hilfreich sein.

Was bedeutet Offenheit gegenüber dem Arzt für die Therapie?

Wenn der Arzt weiß, wie es seinem Patienten geht, kann er etwas tun und bei eventuellen Problemen die Therapie anpassen, zum Beispiel hinsichtlich der Medikamentendosis oder der verordneten Wirkstoffe. Wenn bei fortgeschrittenem Parkinson oral eingenommene Tabletten die Bewegungsstörungen nicht mehr ausreichend ausgleichen, kommt vielleicht auch eine ganz andere Therapieform infrage.

Warum sollten Betroffene ihrem Arzt von Problemen im Umgang mit der Therapie berichten?

Das beste Einnahmeschema für die täglichen Tabletten nutzt nichts, wenn der Patient im Alltag nicht gut damit zurechtkommt oder seine Medikamente nicht so einnimmt wie vorgesehen. Weiß der Arzt das, kann er gemeinsam mit dem Betroffenen überlegen, wie es besser klappen könnte. Tut sich jemand mit der Einnahme mehrerer Tabletten am Tag schwer, kann es auch sinnvoll sein, über eine nicht orale Folgetherapie nachzudenken. Die Tiefe Hirnstimulation reduziert die täglich einzunehmenden Medikamente in der Regel auf die Hälfte. Auch mit der Apomorphin-Pumpe wird die Tablettenmenge deutlich weniger. Mit der Levodopa-Pumpe fallen womöglich sogar sämtliche Tabletten weg.

Was können Betroffene zu einer guten Kommunikation beisteuern?

Sie können sich zu Hause in Ruhe auf den Arzttermin Gut im Kontakt mit dem Arzt vorbereiten und in Stichpunkten aufschreiben, worüber sie mit dem Arzt sprechen möchten. Die Notizen helfen ihnen, im Gespräch an alles zu denken. Zugleich können sie Betroffene und Angehörige bestärken, auch das anzusprechen, was vielleicht weniger angenehm ist. Schließlich haben sie sich daheim extra aufgeschrieben, dass es ihnen auf der Seele brennt.

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