„Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht!“

Autor: Petra Sperling | 08/2019

Der Comedian Markus Maria Profitlich geht offen mit seiner Parkinson-Diagnose um und lässt sich von der Erkrankung nicht ausbremsen. Ein Gespräch über Offenheit, Humor und Lebensqualität.

Herr Profitlich, was hat Sie dazu bewogen, Ihre Parkinson-Erkrankung relativ schnell öffentlich zu machen?

Es hat schon ein Jahr gedauert, bis ich so weit war. Aber ich wollte verhindern, dass die Leute spekulieren, was sein könnte, wenn sie sehen, dass mein rechter Arm zittert. Ich wollte Klischees wie „der trinkt bestimmt“ entgegenwirken. Und ich wollte auf keinen Fall Energie darauf verschwenden, die Erkrankung zu verstecken, indem ich versuche, die zitternde Hand mit der anderen festzuhalten. Also war klar: Die Wahrheit muss raus. Ich rede auch auf der Bühne offen über meine Erkrankung. Dann wissen alle Bescheid und keiner wundert sich.

Wie haben Sie auf die Diagnose reagiert?

Nach Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten war es ein Radiologe, der mir – übrigens an meinem Hochzeitstag im Mai 2017 – verkündete: „Sie haben Parkinson, schon weiter fortgeschritten.“ Mit diesen Worten verabschiedete er sich in die Mittagspause. Ich war gerade auf Tournee und hatte am nächsten Tag einen Auftritt. Also musste ich auf Spur bleiben. Aber in meinem Kopf drehte sich das Karussell: Wie geht es jetzt weiter? Wie schnell schreitet die Erkrankung voran? Wie lange kann ich meinen Beruf noch ausüben? Gleichzeitig musste ich die Leute im Saal zum Lachen bringen. Das war schon eine Herausforderung.

Was hat Ihnen geholfen, das Karussell zu stoppen?

Zunächst habe ich einen Fehler begangen, den – glaube ich – viele machen: Ich habe im Internet nachgeguckt, wie sich Parkinson entwickeln kann. Das war wenig erbaulich und hat das Karussell eher beschleunigt. Inzwischen weiß ich, dass es nicht hilfreich ist, sich das alles anzuschauen. Parkinson verläuft sehr individuell. Dann kamen depressive Phasen hinzu, die ich auch heute noch manchmal habe – vor allem, wenn gerade nichts zu tun ist. Was mir geholfen hat? Eine Neurologin zu finden, bei der ich mich gut aufgehoben fühle, das anzugehen, was nun für mich wichtig ist, mich nicht zu verkriechen und aktiv zu bleiben.

Wie begegnen Sie Ihren Parkinson-Beschwerden?

Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert und gehe Probleme wie Gelenkschmerzen gezielt an. Ich achte zudem darauf, mich möglichst viel zu bewegen. Mit unserem Hund bin ich zweimal am Tag bis zu einer Stunde draußen, das ist schon mal ein prima Pflichtprogramm. Auf der Bühne zu stehen ist auch nicht ohne, da liefert man jeden Abend einen kleinen Halbmarathon ab. Aber ich weiß: Ich muss noch mehr tun und werde mich um gezielte Therapien und Themen wie Ernährung kümmern.

Markus Maria Profitlich

wurde am 25. März 1960 in Bonn geboren, lernte zunächst Tischler und steht seit 1984 auf der Bühne. Der zweifache Gewinner des „Deutschen Comedy-Preises“ ist aus „Die Wochenshow“ und vielen weiteren TV-Formaten bekannt und war lange mit seiner Show „Mensch Markus“ auf Sendung. Aktuell ist der 59-Jährige mit seinem Programm „Schwer verrückt“ Trotz Parkinson, den Spaß am Leben nicht verlieren unterwegs. Markus Maria Profitlich geht offen mit seiner Parkinson-Erkrankung um und engagiert sich als Schirmherr der Parkinson Youngster e.V. in Dorsten.

Comedy und Parkinson, geht das gut zusammen?

Ich finde, man kann mit Parkinson durchaus humorvoll umgehen. Vieles wird einfacher, wenn man sich einen heiteren Blick bewahrt und über sich und die Welt lachen kann. In meinem nächsten Bühnenprogramm werde ich das Thema Parkinson sogar noch vertiefen.

Sie sind weiterhin viel unterwegs und treten live auf. Wie schaffen Sie das?

Das Reisen von einem Hotel ins nächste wird anstrengender und hat früher mehr Spaß gemacht. Aber die Auftritte selbst sind Balsam. Ich betrachte das, was ich habe, wirklich als ein Gottesgeschenk: Ich kann die Menschen zum Lachen bringen und sie für zwei Stunden Ärger und Stress vergessen lassen.

Was bedeutet Lebensqualität für Sie?

Weiter auftreten zu können! Ich weiß natürlich nicht, wie sich meine Erkrankung entwickeln wird und mit welchen Veränderungen ich rechnen muss. Aber vier Jahre würde ich gerne noch spielen können. Dann ist es gut. Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten und der Plan, mit 63, 64 aufzuhören, stand schon vor der Diagnose. Generell tut es gut, sich mit jemandem über Parkinson und damit verbundene Gedanken und Gefühle austauschen zu können. Besonders wichtig finde ich, so viel Freude wie möglich zu erleben. Das, was einem wirklich Spaß macht, sollte man auch tun! Dabei kann man sich ruhig etwas zutrauen und mal was ausprobieren. Ich habe kürzlich mit meiner Frau einen Lindy-Hop-Tanzkurs gemacht. Das war ganz schön anstrengend, aber cool und sehr witzig!

Ich Trotz Parkinson, den Spaß am Leben nicht verlieren finde, man kann mit Parkinson durchaus humorvoll umgehen.“

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