Mit Rückzug umgehen

Autor: Petra Sperling | 02/2019

Wie können Angehörige reagieren, wenn ein lieber Mensch an ihrer Seite oder in der Familie aufgrund einer Parkinsonerkrankung dazu neigt, sich zurückzuziehen? Einen allgemeinen Leitfaden gibt es hierfür nicht – aber viele hilfreiche Ansätze.

Wenn Parkinson die Mimik einschränkt und Betroffene ihre Gefühle nicht mehr so gut zeigen können, nehmen Angehörige das oft als Rückzug wahr. Eine ähnliche Folge kann es haben, wenn die Erkrankung die Stimme leiser werden lässt und Betroffene sich in geselligen Runden weniger einbringen. Ebenso können gemeinsame soziale Kontakte und alltägliche Aktivitäten leiden, wenn Betroffene körperlich und geistig nicht mehr so beweglich sind und lieber zu Hause bleiben möchten.

Für Angehörige ist es nicht immer leicht, damit umzugehen. „Viele reagieren darauf mit negativen Gefühlen“, erlebt der Psychotherapeut Dr. Christoph Braukhaus. „Dafür müssen sich Angehörige nicht schämen. Vielmehr sollten sie ihre Gefühle bewusst wahrnehmen – sie sind in ihrer Lage völlig normal.“ Um sich nicht zurückgesetzt zu fühlen, wenn sie bei Betroffenen weniger Anteilnahme und Interesse wahrnehmen, können Angehörige sich verdeutlichen: Hier zieht sich niemand wortlos und bewusst zurück, sondern es zeigt sich eine Auswirkung der Erkrankung. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass die Parkinson-Erkrankung manches verändert, erläutert der Therapeut. „Es bringt nichts und wird auch nicht funktionieren, alles so wie bisher machen zu wollen. Stattdessen gilt es, die Erkrankung anzuerkennen und gemeinsam Wege zu suchen, wie sich der Alltag so gut wie möglich gestalten lässt.“

Dr. Christoph Braukhaus ist als Psychologischer Psychotherapeut in Kellinghusen niedergelassen.

Manchmal reagieren Angehörige auf Rückzugstendenzen bei Betroffenen selbst mit Rückzug – in der Beziehung oder indem sie ebenfalls mehr zu Hause bleiben und eigene soziale Kontakte einschränken. „Wenn der erkrankte Partner nichts unternehmen möchte oder etwas nicht mehr so kann wie früher, muss das nicht genauso für Angehörige gelten“, betont Dr. Braukhaus. „Man kann auch dann eine stabile Beziehung haben, wenn sich einer von beiden eine Weile mit etwas anderem beschäftigt. Es kommt vielmehr darauf an, Kompromisse zu finden und immer wieder die Grenze auszuloten: Was mache ich für mich, was machen wir gemeinsam?“ Es kann sogar ein wichtiger Schutzfaktor sein, wenn Angehörige Strukturen schaff en, in denen sie etwas unternehmen können, was ihnen gut tut und ihre Stimmung hebt – sei das Sport treiben, einem Hobby nachgehen oder Freunde treffen. „Schöne Erlebnisse tragen dazu bei, dass die Stimmung nicht zu sehr ins Negative oder gar in Richtung Depression kippt“, hält der Experte fest.

Darüber hinaus können Angehörige den erkrankten Menschen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu Aktivitäten anregen. „Sie sollten allerdings etwas vorschlagen, was ihm auch Freude macht“, rät Dr. Braukhaus. „Ein Pflichtbesuch bei den Nachbarn ist keine große Motivation, das Haus zu verlassen. Ist jemand aber zum Beispiel immer gerne spazieren gegangen Mit Rückzug umgehen , lässt sich daran anknüpfen. Der Vorschlag, eine entspannte Runde an der frischen Luft zu drehen, ist dann kein Drängen, sondern ein Locken.“ Schließlich sei es ratsam, nicht in dem Raster „Erst die Pflicht, dann das Vergnügen“ zu denken, fügt der Psychotherapeut hinzu. „Wer gedrückter Stimmung ist, muss erst etwas Schönes machen. Das lädt die Batterie auf und er oder sie hat dann eher Energie für weniger beliebte Aktivitäten.“

Wie wirkt sich Parkinson auf Angehörige aus?

Für seine Studie „Beziehungsprüfung Parkinson“ hat Dr. Christoph Braukhaus 73 Frauen und 37 Männer befragt, deren Partner oder Partnerin mit Parkinson leben. Einige zentrale Ergebnisse sind:

  • Parkinson hat einen starken Einfluss darauf, wie zufrieden Angehörige mit ihrer Partnerschaft sind: Je stärker sie mit Parkinson verbundene Einbußen wahrnehmen, desto weniger zufrieden fühlen sie sich in ihrer Beziehung.
  • Besonders belastend empfinden Angehörige kognitive Einschränkungen durch Parkinson, beispielsweise eine verringerte Aufmerksamkeit, eine nachlassende Merkfähigkeit oder eine abnehmende Urteilskraft. Ebenso belastet sie es, wenn die Erkrankung Mimik und Stimme und damit die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt.

Die Ergebnisse bestätigen, dass es hilfreich ist, wenn Paare frühzeitig überlegen, wie sie mit Einschränkungen umgehen können, so der Psychotherapeut. „Sie können zum Beispiel vereinbaren, wie sie sich ihre Zuneigung auch ohne Worte zeigen können. Rituale wie die Hand des anderen halten oder drücken sowie eine bestimmte Berührung oder Geste helfen in schweren Phasen, den Kontakt zu behalten. Gut für die Beziehung ist es auch, dem anderen so oft wie möglich zu sagen, dass man ihn mag, oder ihm eine kleine Freude zu machen. Zu viel des Guten ist in diesem Fall genau das Richtige!“

Quelle: Braukhaus, C., Jahnke, U, & Zimmermann, T. (2017). Beziehungsprüfung Parkinson! Geschlechtsspezifische psychische Belastungen bei Angehörigen von Morbus Parkinson-Patienten und ihr Zusammenhang zu wahrgenommenen Defiziten. Psychother Psych Med, 67, 1–8.

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