Narkose bei Parkinson

Autor: Petra Sperling | 06/2016

Parkinson-Betroffene können davon ausgehen, dass eine Narkose mit ihrer Erkrankung normal verträglich ist. „Es gibt hierzu zwar keine genauen wissenschaftlichen Daten“, räumt Dr. Günter Edenharter ein. „Anhand von Erfahrungswerten kann man aber sagen: Eine nach geltenden Standards durchgeführte Narkose ist sehr sicher und birgt bei Parkinson kein erhöhtes gesundheitliches Risiko.“

Dr. Günter Edenharter ist Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Wichtig sei jedoch, dass mit der Erkrankung einhergehende Besonderheiten sorgfältig beachtet werden. „Das beginnt damit, dass Betroffene und Angehörige mit dem Narkosearzt im Vorfeld Narkose bei Parkinson genau besprechen, welche Medikamente der Patient wie oft in welcher Dosis einnimmt“, betont Dr. Edenharter. Wenn das bekannt ist, kann der behandelnde Mediziner die Narkosemittel wählen, die sich am besten mit den Parkinson-Medikamenten vertragen. „Ebenso sollten Betroffene die Ärzte und das Personal im Krankenhaus über mögliche Auffälligkeiten informieren“, rät der Anästhesist. Haben sie beispielsweise manchmal sogenannte Off-Phasen mit schlechter Beweglichkeit, sollte das Klinikteam das wissen. „Die Mediziner können diese Einschränkungen dann richtig deuten und entsprechend reagieren“, erklärt Dr. Edenharter. „Vielleicht ist eine eingeschränkte Beweglichkeit aber auch eine unerwünschte Nachwirkung der Narkose. Auch das können sie dann besser einschätzen und in der Nachbehandlung berücksichtigen.“ Zeigen sich Parkinson-Beschwerden nach einer Narkose stärker als zuvor, hat das oft damit zu tun, dass der übliche Medikamentenrhythmus unterbrochen wurde. Ein zentrales Ziel ist daher, Abweichungen möglichst gering zu halten. „Vor allem gilt es, unnötig große Pausen zu vermeiden“, so der Facharzt. „Die Leitlinien besagen, dass Patienten bis sechs Stunden vor einem Eingriff essen und bis zwei Stunden vorher klare ungezuckerte Flüssigkeiten trinken dürfen. Sprechen keine medizinischen Gründe dagegen, ist es aber völlig in Ordnung, vor der Narkoseeinleitung mit einem kleinen Schluck Wasser die Parkinson-Mittel einzunehmen.“

Nach der Narkose ist es das Ziel, möglichst bald zum gewohnten Rhythmus zurückzufinden.

Nach der Narkose ist es das Ziel, möglichst bald zum gewohnten Einnahmeschema zurückzukehren. „Sobald der Patient ausreichend wach ist und schlucken kann, sollte er seine oralen oder nicht oralen Parkinson-Medikamente erhalten“, hält Dr. Edenharter fest. „Spricht medizinisch nichts dagegen, geben wir sie unseren Patienten mitunter schon im Aufwachraum. Kann jemand noch nicht so gut schlucken, kann er seine Mittel vorübergehend auch über eine Magen- oder Ernährungssonde erhalten.“ In seltenen Fällen ist der Wirkstoffkreislauf durch die Narkose und die Operation so weit aus dem Takt geraten, dass eine Neueinstellung angezeigt ist. „Wurde die gewohnte Einnahme nicht länger als 24 Stunden unterbrochen, ist das aber meistens nicht nötig“, lautet hierzu die beruhigende Erfahrung des Anästhesisten.

Wie eine Narkose durchgeführt wird, ist eine medizinische Entscheidung. Doch Betroffene können zu einem möglichst reibungslosen Verlauf beitragen.

Vor der Narkose

  • Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt ausführlich über Ihren Medikamentenplan und die Auswirkungen Ihrer Parkinson-Erkrankung.
  • Weisen Sie in der Klinik darauf hin, dass Ihr Medikamentenplan nicht „vereinfacht“ werden darf – auch, wenn das besser zu den Abläufen auf der Station passen würde.
  • Informieren Sie im Vorfeld das Krankenhaus, welche Medikamente Sie benötigen. Damit verhindern Sie, dass Sie auf andere Mittel ausweichen müssen, wenn Ihre Präparate dort nicht vorrätig sind.

Nach der Narkose

  • Es ist normal, wenn Sie sich noch einige Stunden etwas verwirrt und schläfrig fühlen. Informieren Sie Ihren Arzt und das Pflegepersonal, wenn dieser Zustand anhält.
  • Teilen Sie es mit, wenn Sie Schmerzen, Übelkeit und Missempfindungen in den Armen verspüren oder eine Heiserkeit anhält.
  • „Versuchen Sie, möglichst bald wieder alles zu tun, was Sie vorher auch machen konnten“, empfiehlt Dr. Edenharter. „Lassen Sie sich nicht in eine Passivhaltung drängen. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gilt die Devise ‚move to improve’, also sich bewegen, um wieder fitter zu werden. Auch die verordneten Atemübungen sind wichtig. Sie kräftigen die während der Narkose untätig gewesene Lunge.“

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