Ein Termin beim Neurologen

Autor: Petra Sperling | 03/2018

Fragen und kleine Tests rund um die Beweglichkeit gehören zu jeder Routineuntersuchung.

In der Regel vereinbaren Parkinson-Betroffene einmal im Quartal einen Termin bei ihrem Neurologen. Da die Erkrankung sich in verschiedener Weise auf die Bewegungsabläufe auswirkt, hat der Arzt in einer solchen Routineuntersuchung stets ein besonderes Augenmerk auf die Motorik: Wie sicher und flüssig ist der Gang? Schwingen die Arme mit? Wie beweglich sind die Muskeln? Ist ein Zittern erkennbar? Kleine Bewegungsaufgaben für Hände, Finger und Beine oder für das Gleichgewicht sind ergänzende Tests.

Manche Ärzte nutzen für die Untersuchung einen standardisierten Fragebogen. Mit seiner Hilfe können sie alle Funktionsbereiche auf einer Skala bewerten. Auf ihr können sie Beobachtungen wie eine normale Mimik oder einen sehr starren Gesichtsausdruck einem Zahlenwert zuordnen. Am Ende zeigt die Gesamtpunktzahl, wie es um die Beweglichkeit insgesamt bestellt ist.

Wirkungen abschätzen

„Anhand dieser Einschätzung kann ich beurteilen, wie gut jemand auf die Parkinson-Medikamente anspricht“, erläutert Dr. Christoph Schrader, Neurologe an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Ich kann zudem überlegen, ob ich noch vorhandene Beschwerden zum Beispiel mit einer Erhöhung der Dosis verbessern kann.“ Parallel gilt es einzuschätzen, ob eine Anpassung von Dosis und Wirkstoffen womöglich auch unerwünschte Nebenwirkungen haben könnte. Hierfür gewinnt der Neurologe im Gespräch wertvolle Hinweise. „Ich erkundige mich, wie es im Alltag läuft, ob der Patient gut zurechtkommt oder wo er Probleme hat“, beschreibt Dr. Schrader. „Aufschlussreich ist auch die Gesamtsituation nicht motorischer Beschwerden, zum Beispiel wie er schläft, ob er Stimmungsschwankungen hat und wie er seine geistige Leistungsfähigkeit beschreibt. Zusätzlich sehe ich in der Unterhaltung, wie aufmerksam und konzentriert jemand ist.“ Auch hier kann der Arzt auf Fragebögen zurückgreifen, um diese Informationen in Gänze zu erfassen

Die Auswirkungen von Parkinson zu kennen ist wichtig für individuell passende Therapieentscheidungen.

„Die jeweiligen Auffälligkeiten erlauben dann Rückschlüsse, welche Bereiche des Nervensystems mehr oder weniger von Veränderungen infolge der Parkinsonerkrankung betroffen sind“, informiert der Facharzt. „Das wiederum hilft uns, das Risiko für mögliche Nebenwirkungen abzuschätzen und die am besten passenden Parkinson-Medikamente zu wählen.“ Fällt die Entscheidung für einen Strategiewechsel, kann zur Kontrolle ein zeitnaher Arzttermin außer der Reihe sinnvoll sein.

Angehörige können unterstützen

Im Verlauf der Erkrankung dauern die Besuche beim Neurologen häufig etwas länger. „Wenn die Medikamente nicht mehr so gleichmäßig wirken, muss man genauer nachfragen“, erklärt der Neurologe. „Wann nach der Einnahme setzt ihre Wirkung ein, wann lässt sie wieder nach? Wie beschreibt der Patient einen guten Zustand, wie einen schlechten?“ Gespräche darüber vermitteln dem Arzt ein detailliertes Bild. „Günstig ist auch, wenn ein Angehöriger dabei ist“, erlebt der Hannoveraner Mediziner. „Er kann die Informationen ergänzen. Nicht selten schätzen sich Patienten selbst anders ein, sagen zum Beispiel ‚Es geht mir gut‘. Ihr Partner hingegen sagt: ‚Er ist so unruhig’.“

Bei einer der ersten Vorstellungen beim Neurologen Ein Termin beim Neurologen sind eine Kernspintomographie des Gehirns, ein EEG zur Messung der Hirnaktivität und in bestimmten Fällen gegebenenfalls eine Darstellung der Dopamin produzierenden Nervenzellen des Gehirns mittels SPECT sinnvoll, einer speziellen nuklearmedizinischen Untersuchungsmethode. Bei den Wiedervorstellungsterminen ist das nicht vorgesehen. „Viele Patienten fragen zwar, ob solche Tests nicht häufiger notwendig wären“, sagt Dr. Schrader. „Aber sie helfen uns nicht wirklich weiter. Viel besser können wir die Medikamente anpassen und ergänzende Maßnahmen finden, wenn wir wissen, wie gut die Behandlung im Alltag wirkt.“

Das können Sie selbst beitragen

  • Je offener Sie Probleme und Beobachtungen ansprechen, desto besser kann der Arzt reagieren. „Die Ursachen von Parkinson können wir nicht verhindern. Aber die Auswirkungen können wir außerordentlich gut behandeln“, betont Dr. Schrader.
  • Notieren Sie sich vorab, worüber Sie mit Ihrem Arzt sprechen möchten. „Es ist normal, dass man im Termin ein wenig nervös ist und schon mal etwas vergisst“, weiß der Neurologe. „Eine Gedächtnisstütze kann das verhindern.“
  • Schreiben Sie auf, welche Medikamente Sie einnehmen. „Diese Liste sollte die Einnahmezeiten und Dosen der Parkinson-Medikamente sowie sämtlicher weiterer Arzneimittel beinhalten“, beschreibt Dr. Schrader. „Ihr Neurologe kann dann besser beurteilen, wie Ihre Parkinson-Medikamente wirken. Vielleicht nimmt jemand auch weitere Medikamente ein, die sich nicht gut mit Parkinson vertragen. Auch das fällt dann auf.“

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