Veränderungen beim Schlucken ernst nehmen

Autor: Petra Sperling | 02/2019

Bei Schluckstörungen werden Flüssigkeit und feste Nahrung nicht reibungslos durch Mund und Speiseröhre transportiert. Wir haben Dr. Paul Muhle vom Universitätsklinikum Münster gefragt, wie sie erkannt und behandelt werden können.

Dr. Paul Muhle Veränderungen beim Schlucken ernst nehmen ist Assistenzarzt an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster.

Welche Ursachen haben Schluckstörungen – medizinisch Dysphagie genannt – bei Parkinson?

Bislang wissen wir darüber nicht viel. Wahrscheinlich sind daran Mechanismen beteiligt, die sowohl abhängig als auch unabhängig vom Dopaminstoffwechsel im Gehirn sind. Der chemische Botenstoff Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei Bewegungsprozessen und ist bei Parkinson vermindert. Möglicherweise sind mit fortschreitender Erkrankung auch Strukturen im Hirnstamm und im Großhirn verändert, die für einen reibungslosen Schluckvorgang relevant sind.

Wie häufig sind Probleme im Zusammenhang mit Parkinson?

Irgendwann im Verlauf der Erkrankung ist bei mehr als 80 Prozent der Menschen mit Parkinson das Schlucken verändert. Relevante Schluckstörungen sind dabei in jedem Stadium der Erkrankung möglich, aber bei fortgeschrittenem Parkinson deutlich häufiger. Mögliche Probleme treten im Schnitt nach zehn bis elf Jahren mit Parkinson auf. Viele Betroffene bemerken das allerdings gar nicht. Bei mehr als der Hälfte bringt erst eine Untersuchung die Schluckstörung ans Licht. Untersucht werden Rachen und Speiseröhre zum Beispiel mit einem Endoskop, also einer Sonde mit Kamera, die durch die Nase eingeführt wird, oder unter Röntgendurchleuchtung. Ebenso können wir die Druckverhältnisse in Rachen und Speiseröhre messen.

Wie kommt es, dass Probleme beim Schlucken nicht auffallen?

Einer der Gründe ist wahrscheinlich eine verminderte Empfindung am Rachen. Sie tritt bereits früh im Erkrankungsverlauf auf. Häufig spüren die Betroffenen dann nicht ausreichend, was im Rachen passiert. Schluckstörungen können genauso wie die Bewegungsfähigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark ausgeprägt sein, beispielsweise abhängig von der Medikamentenwirkung. Sie werden also gar nicht immer gleich wahrgenommen.

Auf welche Anzeichen für Schluckstörungen können Betroffene und Angehörige achten?

  • Husten oder eine belegte Stimme unmittelbar nach dem Trinken.
  • Das Gefühl, im Hals ist etwas steckengeblieben und übt Druck aus.
  • Schwankende Wirksamkeit oral (als Tablette oder Kapsel) eingenommener Parkinson-Medikamente
  • Wiederholt auftretende Atemwegsinfekte.
  • Ungewollte Gewichtsabnahme über mehrere Monate hinweg, ohne dass ein Grund hierfür ersichtlich ist.
  • Ein Body-Mass-Index (BMI) kleiner als 20.
  • Besondere Aufmerksamkeit ist bei parkinsonbedingter Demenz anzeigt. Sie kann die Wahrscheinlichkeit für Schluckstörungen erhöhen. Warum, ist unklar.

Vielleicht stehen auch andere mit Parkinson zusammenhängende Beschwerden stärker im Fokus. Typisch ist auch, dass Betroffene sagen: „Ich habe zwar bemerkt, dass ich nicht mehr so gut schlucken kann wie früher. Aber ich dachte, das sei eine typische Alterserscheinung.“ Sie lassen es dann dabei bewenden. Doch es ist wichtig, dass sie mit dem Arzt über ihre Beobachtung sprechen.

Welche Folgen können auftreten?

Zuallererst fühlen sich die Betroffenen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Essen und Trinken Veränderungen beim Schlucken ernst nehmen sind ein Teil des Lebens und für uns alle gehört es schlichtweg dazu, einmal einen Kaffee zu trinken oder mit Familie oder Freunden ein Essen zu genießen. Es ist eine enorme Einschränkung, wenn das nicht mehr gut klappt. Wenn jemand aufgrund von Schluckproblemen weniger isst oder manche Nahrungsmittel weglässt, kann das zu Mangelernährung und auch Flüssigkeitsmangel führen. Ebenso können oral eingenommene Parkinson-Medikamente ungenügend oder schwankend wirken – nämlich dann, wenn eine Tablette aufgrund der Schluckstörungen unbemerkt im Hals stecken bleibt und nicht dorthin gelangt, wo sie wirken kann. Bei sehr weit fortgeschrittenem Parkinson und stark ausgeprägten Schluckstörungen kann es auch vorkommen, dass Bestandteile der Nahrung oder Flüssigkeit in die Lunge geraten und dort zu Entzündungen führen. Solche Lungenentzündungen sind die häufigste Todesursache bei Parkinson.

Wie werden Schluckstörungen therapiert?

Je nachdem, welche Ergebnisse eine Schluckuntersuchung liefert, können sie logopädisch behandelt werden, beispielsweise mit dem Lee Silverman Voice Treatment (LSVT LOUD). Spricht die Schluckstörung auf den Parkinson-Wirkstoff L-Dopa an, bringt womöglich auch eine Anpassung der Medikamente Verbesserung. Derzeit laufen Studien, ob Betroffene auch von einem Training mit einem Gerät profitieren können, das einem Asthmainhalator ähnelt. Hierbei soll das Ausatmen mit einem erhöhten Widerstand zu einer verbesserten Schluckfunktion führen. Neben solchen therapeutischen Ansätzen kann bei Nachweis einer Schluckstörung auch eine Anpassung der Kost helfen, das Risiko für Folgeerscheinungen einer Schluckstörung zu mindern.

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