Wege aus dem Seelentief

Autor: Petra Sperling | 06/2017

Jeder kennt Zeiten, in denen er nicht so guter Dinge ist. Hält eine auffällig gedrückte Stimmung jedoch längere Zeit an, sollten Menschen mit Parkinson darüber mit ihrem Arzt sprechen. Womöglich liegt eine Depression vor. Eine Anpassung der Therapie kann hier oft helfen.

Dr. Lutz Bode ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Sankt Georg Klinikums in Eisenach.

Niedergeschlagenheit, fehlender Antrieb, Interesselosigkeit – depressive Tendenzen bei Parkinson zeigen sich mit typischen Anzeichen. „Wahrscheinlich erleben 40 bis 50 Prozent aller Parkinson-Betroffenen depressive Phasen oder eine Depression“, schätzt Dr. Lutz Bode Wege aus dem Seelentief . Die Ursachen liegen zum einen in der Erkrankung selbst. Bei Parkinson ist zu wenig Dopamin im Gehirn vorhanden. „Dieser für die Weiterleitung von Nervenreizen notwendige chemische Botenstoff ist auch für die psychische Gesundheit enorm wichtig“, erläutert der Neurologe. „Womöglich führt der Mangel dazu, dass ähnlich wie die Bewegungsfähigkeit auch Denk- und Wahrnehmungsvorgänge verlangsamt sind. Das wirkt sich auf die Psyche aus.“ Zum anderen kann das Wissen um die Erkrankung ein Auslöser sein. „Allein die Erkenntnis, eine fortschreitende Erkrankung zu haben, muss man erst einmal verdauen“, weiß Dr. Bode. „Viele Menschen haben zudem eine Odyssee hinter sich, bevor die Diagnose steht. In dieser Zeit hatten sie vielleicht schon körperliche Einbußen, konnten ihre eigenen Ansprüche nicht erfüllen oder haben Druck von anderen bekommen, weil sie sich verändert haben. Das setzt dem seelischen Wohlbefinden zu.“

Therapie für die Seele

Depressive Entwicklungen muss jedoch niemand einfach hinnehmen. Mit einer individuell passenden Parkinson-Therapie lässt sich zunächst viel erreichen: „Im frühen Stadium der Erkrankung beeinflussen wir mit den Parkinson-Medikamenten eigentlich immer auch die Psyche positiv“, erklärt der Facharzt. „Auch wer bereits in die Depression gerutscht ist, profitiert von bestimmten Wirkstoffen.“ Im Verlauf der Erkrankung wird die Therapie anspruchsvoller. „Vor allem gilt es zu verhindern, dass eine höhere Dosis an Parkinson-Medikamenten die für Denken und Wahrnehmung zuständigen Hirnareale überreizt. Denn das kann wiederum psychische Auffälligkeiten hervorrufen“, beschreibt Dr. Bode. Gegebenenfalls können zeitweise auch stimmungsaufhellende Antidepressiva Erleichterung bringen.

Wesentlich für das seelische Gleichgewicht sei darüber hinaus, dass Betroffene über ihre Erkrankung sachlich richtig informiert sind. „Sie müssen wissen, dass sie eine normale Lebenserwartung haben und die Auswirkungen von Parkinson sich über viele Jahre mit Medikamenten gut beeinflussen lassen“, betont der Neurologe. „Selbst wenn nicht mehr alles so wie früher möglich ist, gibt es weiterhin Wege, aktiv zu leben. Und wer sich körperlich bewegt, tut auch etwas für sein seelisches Wohl.“

Um depressive Tendenzen frühzeitig zu erkennen, sollten Betroffene offen mit ihrem Neurologen reden, wenn es ihnen nicht gut geht. Im Gespräch mit dem Arzt kommt auch den Angehörigen eine zentrale Rolle zu. „Sie nehmen es oft deutlicher wahr und bringen es eher zur Sprache, wenn der Betroffene sich verändert“, erlebt Dr. Bode. Vielleicht bemerkt die Ehefrau, dass ihr Mann freudlos wirkt und keine Freunde mehr trifft. Oder die Tochter berichtet, dass ihre Mutter selbst bei schönstem Wetter lieber im Sessel sitzen bleibt. „Für den Arzt sind das zentrale Informationen“, so der Mediziner. „Je besser er die Stimmungslage des Betroffenen beurteilen kann, umso eher kann er depressiven Zügen gegensteuern.“

Auch mit Parkinson ist es möglich, aktiv und bewegt zu leben.

So können Angehörige unterstützen

  • Wissen: Wichtig ist auch für sie, die möglichen Auswirkungen von Parkinson auf die Psyche und die Anzeichen einer Depression zu kennen. Umso eher können sie den Betroffenen darauf ansprechen und dem Arzt Hinweise geben.
  • Verständnis: Depressive Menschen sind nicht antriebslos, weil sie es so wollen, sondern weil sie nicht anders können. Falsch wäre daher, sie unter Druck zu setzen, etwas zu tun oder zu verändern. Vielmehr brauchen sie Verständnis und aufmerksame Begleitung.
  • Kontakte: Menschen im Stimmungstief neigen zum Rückzug. Ein Mangel an positiven Impulsen kann aber die niedergeschlagene Stimmung verstärken. Angehörige können versuchen, den Teufelskreis zu durchbrechen, etwa indem sie Unternehmungen anregen oder Gäste einladen.
  • Gespräche: Wenn der Erkrankte nicht über seine Gefühle reden möchte, sollten Angehörige das akzeptieren – aber selbst gesprächsbereit bleiben. Gegebenenfalls können sie mit dem Betroffenen überlegen, ob professionelle Unterstützung ratsam ist.

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