Wenn das Schlucken immer schwieriger wird

Autor: Christine Schneider | 03/2018

„Es gibt durchaus Mittel und Wege, die Erleichterung und Hilfe bieten können.“

Häufiges Husten beim Schlucken, sich räuspern müssen und eine belegte Stimme. Die Tabletteneinnahme fällt schwer und man verliert ungewollt an Körpergewicht. All dies sind Erkennungsmerkmale für Schluckbeschwerden. Sie treten bei über 80 Prozent der betroffenen Menschen im Verlauf der Erkrankung auf 1. „Umso wichtiger ist es, dass eine rechtzeitige Diagnose gestellt und eine wirkungsvolle und frühzeitige Behandlung begonnen wird. Denn es gibt durchaus Mittel und Wege, die Erleichterung und Hilfe bieten können“, sagt Dr. med. Inga Suttrup, Ärztin der Parkinsonambulanz in der Klinik für Neurologie des Uniklinikums Münster.

Was passiert da eigentlich?

Schluckprobleme – auch „Dysphagie“ genannt – entstehen, wenn die Muskeln, die wir zur Aufnahme von Essen und Getränken brauchen, nicht mehr so arbeiten, wie sie sollen. Während ein gesunder Mensch in vier Minuten rund sechsmal schluckt, gelingt dies Menschen mit Parkinson mitunter nur ein einziges Mal. Dadurch sammelt sich sehr viel Speichel im Mund an. Die Nahrung sucht sich mitunter einen falschen Weg und gelangt nicht durch die Speiseröhre in den Magen, sondern stattdessen in die Luftröhre oder Lunge. Dies führt häufiger zu Atemwegsinfektionen oder Lungenentzündungen.

Parkinsonmedikamente können im Kehlkopf aufgehalten werden und brauchen länger, um in den Magen und den Darm zu gelangen. Dadurch kann sich ihre Wirkung verzögern oder abschwächen.

Aus Angst, dass man sich verschlucken könnte oder sich der im Mund angesammelte Speichel einen anderen Weg nach draußen sucht, vergeht oft die Freude am Essen. Viele Betroffene schämen sich und meiden lieber die Öffentlichkeit.

Das muss nicht sein. „Patient und Arzt sollten alle Probleme offen miteinander besprechen“, so Dr. Suttrup. „Ganz wichtig ist es, dem Betroffenen bewusst zu machen, woran er eine Dysphagie erkennt, und ihn nach eingehender Untersuchung mit den gängigen Methoden zu behandeln. Eine Überweisung an eine spezialisierte Klinik bietet optimale und häufig ergänzende Möglichkeiten.“

Eine Dysphagie ist lästig, aber mit Selbstdisziplin und Unterstützung von Umfeld und Ärzten kann die Freude am Essen und Trinken wiederhergestellt werden.

Das hilft und bringt Erleichterung

„Zur Erkennung einer Dysphagie gibt es drei Methoden“, erklärt die Spezialistin. „Zum einen die Endoskopische Schluckuntersuchung (FEES). Hier wird eine dünne Sonde durch die Nase eingeführt, die mit einer kleinen Kamera den gesamten Rachenraum beim Schlucken beobachtet. Zum anderen gibt es die Videofluoroskopie. Hier schluckt der Patient im Sitzen eine Flüssigkeit mit Bariumsulfat. Das Röntgenbild zeigt, was vor, während sowie nach dem Schlucken passiert und welchen Weg die Nahrung zu welchem Zeitpunkt nimmt. Das dritte Verfahren ist die Ösophagus-Manometrie, die mithilfe einer Sonde den Druck in der Speiseröhre misst.“

Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird die weitere Behandlung festgelegt. „Eine erste Maßnahme ist in der Regel die Optimierung der Medikamentendosis“, erklärt Dr. Suttrup. Eine zweite, mindestens ebenso wichtige Möglichkeit ist die Kombination verschiedener Therapien, bei denen Schlucken, Sprechen und Atmen trainiert werden. Dazu zählen Physio- und Atemtherapie sowie Logopädie.

Zum Essen sollte man sich genügend Zeit nehmen.

Das macht wieder Lust auf Essen

Ein paar kleine Tricks können schon zu einem unbeschwerten Genuss Wenn das Schlucken immer schwieriger wird verhelfen. Wichtig ist die Trennung von flüssiger und fester Nahrung. Vermieden werden sollten Nahrungsmittel mit unterschiedlicher Festigkeit wie zum Beispiel eine Suppe mit Einlage oder Kekse mit Schokolade. Zum Frühstück sollte man möglichst auf Körnerbrötchen verzichten. Es hilft, die Nahrung mundgerecht klein zu schneiden oder zu pürieren. Um sich voll und ganz auf das Schlucken zu konzentrieren, sollte man sich genügend Zeit nehmen und das Essen aufrecht im Sitzen genießen. Während des Kauens empfiehlt es sich, nicht zu sprechen, den Mund immer vollständig zu leeren und Ablenkungen wie Radio oder Fernseher möglichst zu meiden.

Tabletten sollten nicht parallel zum Essen eingenommen werden. „Mindestens 30 Minuten zuvor oder 60 Minuten danach, L-Dopa-Medikamente sogar erst 90 Minuten nach der Mahlzeit“, nennt Dr. Suttrup als Faustregel.

Ist das Krankheitsbild fortgeschritten und der Betroffene leidet unter schweren Schluckstörungen, kann eine künstliche Magensonde (PEG) bei der Nahrungsaufnahme helfen.

Eine Dysphagie ist lästig, aber mit ein bisschen Selbstdisziplin, mit Unterstützung von Freunden und Angehörigen und ausführlicher medizinischer Beratung kann die Freude am Essen und Trinken wiederhergestellt werden.

Quelle: [1] Kalf et al. Parkinsonism and Related Disorders (2012)

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