Wie lässt sich ein Freezing überwinden?

Autor: Torsten Bless | 09/2016

Mit einem Mal geht buchstäblich nichts mehr: Die Füße kleben wie angewurzelt am Boden fest und der Betroffene fühlt sich wie eingefroren. „Freezing“, die englische Entsprechung dieser Beschreibung, trifft dieses Phänomen sehr plastisch.
„Ein Freezing tritt eher im späteren Stadium der Erkrankung auf“, erläutert Parkinson-Nurse Nadine Kleen. „Häufig wird es ausgelöst durch plötzliche Engpässe auf dem Weg oder Veränderungen im Bodenbelag. Die Weiterleitung der Bewegungsimpulse vom Gehirn zu den Füßen funktioniert dann nicht mehr richtig.“ Es könne zum Beispiel sein, dass ein Betroffener mit dem Rollator eine Türschwelle überschreiten will, den Oberkörper vorschiebt, seine Füße jedoch vor der Schwelle stehen bleiben.

Viel Geduld und Rhythmus

Da die Bewegungsblockaden zu Stürzen führen können, sei es wichtig gegenzusteuern. Einen „Eingefrorenen“ von hinten anzuschieben oder von vorne zu ziehen, funktioniere jedoch nicht, weiß Nadine Kleen. Vielmehr zähle Geduld. Die Betroffenen müssten sich erst einmal sammeln und tief durchatmen. Akustische und visuelle Signale könnten ihnen dann helfen, wieder in die Gänge zu kommen. „Man kann sich selbst Kommandos geben, etwa ‚eins, zwei‘ oder auch ‚rechts, links‘. Rhythmisches Klatschen geht auch“, weiß Nadine Kleen. „Ein Betroffener hatte zum Beispiel immer einen Walkman mit Marschmusik dabei. Bei einem Freezing drückte er auf ‚Play‘ und konnte wieder weitergehen.“ Einen Begleiter könne man bitten, seinen Fuß quer vor die eigenen zu stellen.

„Das funktioniert wie bei einer Treppe: Der Betroffene muss nun seinen Fuß anheben, um voranzukommen. Dieser Impuls löst wieder eine Bewegung aus.“ Wer allein unterwegs ist, könne einen Anti-Freezing-Stock mitnehmen. „Wenn man den Zugmechanismus am Griff betätigt, fährt unten am Stock eine Querleiste aus, über die der Betroffene steigen muss.“ Der Anti-Freezing-Stock aus dem Sanitätshaus ist ein sehr praktisches, aber nicht ganz billiges Hilfsmittel. Es lohnt die Nachfrage bei der Krankenkasse, ob sie einen Teil der Kosten übernehmen würde.

Bewegung ist das A und O

Darüber hinaus ließe sich einiges tun, um einem Freezing möglichst vorzubeugen – und das am besten von Beginn an. „Viel Bewegung ist das A und O“, betont die Expertin. „Zudem sollte man einmal in der Woche zu einem Physio- oder Ergotherapeuten gehen. Er kann passend zu der jeweiligen Situation Hilfestellungen und Anleitungen geben.“

Ein bewegter Alltag und sportliche Aktivitäten wie Nordic Walking helfen, Bewegungsblockaden vorzubeugen.

Ebenso wirken sich sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder Spazierengehen positiv aus. Beim Nordic Walking etwa werden die Schrittlänge und der Radius des Armes mit der Zeit automatisch größer. „Das Schöne dabei ist, dass jeder sofort loslegen kann, egal wie alt er ist oder wie fit er vorher war“, ermuntert Nadine Kleen. „Je häufiger man sich dann auf den Weg macht, umso flüssiger wird der Gang.“

Nadine Kleen Wie lässt sich ein Freezing überwinden? ist ausgebildete Parkinson-Nurse und arbeitet in der Neurologischen Klinik der Christophorus-Kliniken in Dülmen.

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