Wir sind dann mal weg!

Autor: Petra Sperling | 03/2015

Als sich herausstellt, dass Frank M. an Parkinson leidet, ist er zunächst unsicher, ob er nun noch verreisen soll. „Problematisch bei mir ist vor allem eine erhöhte Sturzgefahr“, erklärt er. Doch sein Sohn überzeugt ihn, im Herbst 2013 gemeinsam drei Wochen durch die USA zu touren. Noch heute ist Frank M. froh darüber. „Ich habe viel mitgenommen und bin stolz, dass ich den Mut zu diesem Abenteuer hatte.“ Seine guten Erfahrungen beflügeln ihn: Im Jahr darauf unternimmt der 69-Jährige mit einem Freund eine Busreise nach Island, derzeit tüftelt er an neuen Plänen. Um mit einem guten Gefühl unterwegs zu sein, setzt der Westfale auf eine verlässliche Begleitung. „Ich brauche jemanden an meiner Seite, der meine Probleme kennt, der sich kümmert und mir wieder hochhelfen kann, wenn ich stürzen sollte.“ Zusätzlich sei es wichtig, das Reiseziel wohlüberlegt zu wählen und an persönliche Einschränkungen zu denken. „Weite Strecken und schmale, unebene Wege sind zum Beispiel nichts für mich“, erklärt Frank M. „Das muss ich in meine Planung einbeziehen. Es hindert mich aber nicht daran, zu verreisen.“

Mit dem Zug durchs Land

Jürgen K., der mit 49 Jahren an Parkinson erkrankt ist, will sich vor allem nicht selbst im Weg stehen. „Ich habe mir von Beginn an gesagt: Du lässt jetzt nichts sein, nur weil du diese Diagnose hast. Sondern du guckst, was geht. Und das, was geht, machst du auch.‘“ Gemäß dieser Devise gestaltet der heute 51-Jährige die Urlaube mit seiner Frau, die an multipler Sklerose leidet und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Da er nicht mehr lange hinter dem Steuer sitzen kann, nimmt das Paar für längere Strecken den Zug. Zudem planen die beiden sorgfältig voraus. „Wir überlegen, was wir besichtigen wollen und gucken, wie wir dorthin kommen“, beschreibt Jürgen K. „Wenn man vorher weiß, dass nicht alles ganz einfach wird, kommt man besser damit klar, als wenn einen diese Erkenntnis vor Ort eiskalt erwischt.“ Insgesamt bedeutet dem Freiburger das Reisen viel. „Es bestätigt mir: Das Leben besteht nicht nur aus Krankheit und man muss sich nicht verkriechen“, sinniert er. „Auch mit einer chronischen Erkrankung kann man noch viele schöne Sachen machen.“

Auf dem Schiff gut aufgehoben

Auch Margarete Bongartz, die in Kooperation mit der Deutschen Parkinson Vereinigung Kreuzfahrten für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen organisiert, hört durchweg positive Stimmen. „Zahlreiche Teilnehmer melden mir zurück, wie gut ihnen die Fahrt getan hat und wie sehr die schönen Erlebnisse im Alltag nachhallen.“ Um ihren Gästen das Reisen zu erleichtern, hilft Bongartz ihnen bei organisatorischen Dingen wie dem Gepäcktransport. An Bord stimmt sie die Crew auf die besondere Gruppe ein. Für die Teilnehmer durchforstet sie vorab das Ausflugsangebot nach passenden Touren, organisiert Spielenachmittage und schafft Raum für Gespräche. Wichtig findet sie zudem, dass sich an Bord jeder einfach mal ausklinken kann. „Das macht entspanntes Reisen möglich“, bekräftigt sie. Für einen möglichst stressfreien Urlaub ist übrigens noch etwas wichtig: Vermeiden Sie zu viele Programmpunkte und Zeitdruck. Lassen Sie es lieber langsam angehen. Sie sind ja schließlich im Urlaub…

Gut zu wissen

  • Hitze kann Ihnen zusetzen, da die Regulierung der Körpertemperatur bei Parkinson nicht immer reibungslos funktioniert, Kälte kann Muskelprobleme verstärken. Geeignete Ziele sind daher Regionen mit mildem Klima.
  • Viele Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn bieten Menschen, die weniger mobil sind, bei Start und Ankunft eine kostenlose Betreuung oder komfortable Sitzplätze.
  • Parkinsonorganisationen und Selbsthilfegruppen vermitteln Kontakte zu Anbietern, die auf Reisen für Menschen mit chronischen Krankheiten spezialisiert sind.
    Informationen über Kreuzfahrten in Kooperation mit der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) erhalten Sie unter Tel. 02153 70347 und www.reisen-mit-parkinson.de.
  • Besprechen Sie vor einer Reise mit Ihrem Arzt, wie Sie sich vorbereiten können und auf was Sie vor Ort achten sollten. Zum Beispiel kann Reisedurchfall die Wirkung Ihrer Medikamente beeinträchtigen.
  • Nehmen Sie genügend Medikamente für die Reise und einige weitere Tage mit. Im Flugzeug gehören sie ins Handgepäck. Lassen Sie sich gegebenenfalls von Ihrem Arzt bestätigen, dass Sie diese Medikamente benötigen.
  • Ihr Arzt oder Apotheker und die dPV können Ihnen die internationale Bezeichnung Ihrer Parkinsonmittel nennen. Sie zu kennen, ist hilfreich, wenn Sie im Ausland unerwartet neue Medikamente benötigen.

Hilfreiche Begleiter

  • Der Notfallausweis ist ein kleines Heftchen für wichtige medizinische Daten, den Medikamentenplan, mit einem mehrsprachigen Hinweis auf die Parkinsonerkrankung und Informationen über die wichtigsten Symptome. Sie können das Dokument kostenlos im Internet bestellen unter bit.ly/notfallausweis.
  • Die Notfalltasche enthält u. a. einen Medikamentenplan, ein Formular für Ihre individuellen Medizindaten und eine Medikamententasche. Sie kostet sieben Euro und kann telefonisch unter Tel. 02131 41016 (Montag–Freitag 08:00 –14:00 Uhr) in der Geschäftsstelle beim Bundesverband der Deutschen Parkinson Vereinigung bestellt werden.

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