Die orale Therapie auf dem Prüfstand

Autor: Petra Sperling | 08/2021

Die Antworten von Parkinson-Patienten auf fünf Fragen (www.parkinson-check.de) zu Parkinson-Symptomen und der Einnahme von Tabletten liefern Ärzten erste Anhaltspunkte, wie gut die aktuelle orale Therapie wirkt. Wird eine der Fragen mit „Ja“ beantwortet, können Mediziner mit einem von AbbVie mitentwickelten digitalen Screening-Tool weitere Symptome sowie deren Häufigkeit und Schweregrad erfragen. Anhand der Ergebnisse können Arzt und Patient Entscheidungen zur weiteren Behandlungsstrategie treffen. Dr. Frank Siebecker Die orale Therapie auf dem Prüfstand , Neurologe in Telgte und Gründungsmitglied des Parkinsonnetzes Münsterland+, hat in seiner Praxis erste Erfahrungen mit dem neuen Tool gesammelt.

Wann und wie setzen Sie das Screening-Tool ein?
Zunächst binde ich die fünf Fragen zur Überprüfung der aktuellen oralen Therapie locker in das Gespräch mit dem Patienten ein. Beantwortet er eine der Fragen mit „Ja“, ziehe ich das ausführlichere Screening-Tool hinzu. Es beinhaltet Fragen zu weiteren Symptomen und Kategorien wie Häufigkeit oder Schweregrad. Diese Fragen arbeite ich gemeinsam mit dem Patienten der Reihe nach durch.

Gut aufgestellt in die Zukunft
Achten Sie im Alltag regelmäßig darauf, wie Ihre Parkinson-Tabletten wirken.

Wie nehmen die Patienten die Fragen auf?
Wenn ich ihnen erkläre, dass ich eine Art Fragebogen mit ihnen durchsprechen möchte, ist manch einer schon mal verwundert oder vielleicht auch ein bisschen unsicher, nach dem Motto „Warum will er das machen? Hat sich bei mir etwas verschlechtert?“. Deshalb erläutere ich gleich zu Beginn, dass es nur um eine genauere Einschätzung geht. Das finden die Patienten dann sehr positiv.

Wie ist Ihre Rolle in dem Gespräch?
Wichtig ist, dass der Patient sich subjektiv selbst einschätzt, etwa wie belastend er Beeinträchtigungen empfindet. Deshalb achte ich darauf, ihn nicht in eine Richtung zu lenken, sondern die Fragen neutral zu besprechen. Ich lese sie deshalb auch genauso vor, wie sie formuliert sind. Manchmal erläutere ich etwas, zum Beispiel, dass „selten“ weniger als einmal die Woche meint, „manchmal“ mehrmals die Woche und „meistens“ oder „immer“ (fast) täglich. Aber dann nehme ich mich wieder zurück und lasse den Patienten selbst überlegen, wie das bei ihm ist.

Bei welchen Patienten setzen Sie das Tool ein?
Unser Plan ist, fortlaufend mit den Parkinson-Patienten Die orale Therapie auf dem Prüfstand unserer Praxis das Screening-Tool durchzugehen. Idealerweise kommt es zunächst bei jedem ihrer Termine zum Einsatz. So können über die Zeit Veränderungen erkannt werden. Konkret wollen wir so vorgehen, dass eine geschulte Mitarbeiterin mit dem Patienten das Tool schon einmal durcharbeitet. Anschließend spreche ich mit dem Patienten und schätze die Wirksamkeit seiner aktuellen oralen Therapie ein. Meine Einschätzung vergleiche ich dann mit den Ergebnissen des Screenings. Ich gehe davon aus, dass sich beides unterscheiden wird.

Woran liegt das und was sehen Sie daran?
Meine Auswahl der Patienten, bei denen ich mir eine erweiterte Therapie mit einer Medikamentenpumpe oder der Tiefen Hirnstimulation vorstellen kann, ist auch subjektiv – der Screening-Bogen hingegen beinhaltet objektive Kriterien. Man wird also zu voneinander abweichenden Ergebnissen kommen können. Ich erhalte durch das Screening weitere Informationen über den Patienten und seine Therapie. Zugleich helfen mir die Ergebnisse, die Muster aufzuspüren und zu überprüfen, die ich als Arzt mit der Zeit entwickelt habe. Bei welchen Symptomen werde ich z.B. schneller hellhörig? Bei welchen Patienten kommt es mir eher in den Sinn, dass sie von einer erweiterten Therapie profitieren könnten? Wem biete ich entsprechende Schritte an? Wenn man etwas schon sehr lange macht, ist es gut, sich ab und zu kritisch zu hinterfragen, um sich wieder mehr zu öffnen.

Welche Vorteile bietet das Screening den Patienten?
Es hilft zu klären, ob ihre aktuelle orale Parkinson-Therapie ausreichend wirkt. In der wiederholten Anwendung können die Fragen Patienten sensibilisieren, im Alltag mehr auf sich und ihre Therapie zu achten. Darüber hinaus bringt das Screening neue Argumente in die Arzt-Patienten-Beziehung. Es kann zum Beispiel sein, dass ich einem Patienten schon öfter vorgeschlagen habe, die Therapie etwas zu verstärken, er das aber ganz klar ablehnt. Dann spreche ich ihn auch nicht bei jedem Termin erneut darauf an. Das Screening-Ergebnis bietet in solch einem Fall jedoch einen objektiven Anlass, trotzdem über mögliche Therapieveränderungen zu sprechen. Vielleicht werde ich auch erst durch das Screening auf Patienten aufmerksam, die von einer erweiterten Therapie profitieren können oder zumindest einmal in ein hochspezialisiertes Zentrum wie eine Universitätsklinik gehen sollten. [ps]

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