Therapien bei fortgeschrittenem Parkinson

Autor: Petra Sperling | 08/2019

Wenn mit Fortschreiten der Erkrankung oral eingenommene Parkinson-Medikamente nicht mehr wie gewohnt wirken, gibt es drei weitere Therapieformen.

Zu den drei Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Parkinson gehören zwei Therapieformen, bei denen der Weg des Wirkstoffs durch Magen und Darm umgangen wird: Bei der Levodopa-Infusion wird der Wirkstoff Levodopa als Gel mithilfe einer Medikamentenpumpe kontinuierlich und gleichmäßig direkt in den Dünndarm geleitet. Die dafür notwendige Sonde wird in einem Routineeingriff gelegt. Zum Tragen der Pumpe stehen zahlreiche Tragesysteme bereit. Bei der kontinuierlichen Apomorphin-Infusion wird der Wirkstoff Apomorphin mit einer Pumpe über einen Schlauch und einer Nadel gleichmäßig unter die Haut verabreicht. Die Nadel wird täglich neu in die Bauchdecke gestochen. Die Pumpe kann am Gürtel oder um den Hals getragen werden. Das dritte Verfahren ist die Tiefe Hirnstimulation. Hierbei werden überaktive Hirnareale mittels elektrischer Impulse reguliert. Dafür werden in einem chirurgischen Eingriff in bestimmten Gehirnregionen Elektroden eingebracht. Unter der Haut verlaufende Kabel verbinden sie mit einem Stimulator, der in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert wird.

Worauf kommt es an?

Unter www.parkinsonvideo2.de finden Sie ein Video, das alle drei Therapieformen erläutert. Ob und, wenn ja, welche der drei nicht oralen Folgetherapien für Sie geeignet sein kann, hängt unter anderem vom Lebensalter, dem allgemeinen Gesundheitszustand, individuellen Parkinson-Beschwerden und der Medikamentenverträglichkeit ab. Gleichzeitig fallen Ziele und Erwartungen an die Therapie in die Waagschale. Hilfreich ist, für sich zu klären: Was bedeutet für mich persönlich Lebensqualität? Welche Einschränkungen belasten mich besonders? Was möchte ich am ehesten wieder erreichen?

„Alle drei Therapieformen sind eine großartige Bereicherung der Therapiepalette bei Parkinson“, fasst der Berliner Neurologe Dr. Reinhard Ehret Dr. med. Reinhard Ehret zusammen. „Sie greifen zwar stärker in den Körper ein und somit ist verständlich, dass viele zunächst großen Respekt oder Angst davor haben. Doch viele Patientinnen und Patienten, die früher schwer zu behandeln waren, die Beschwerden und Komplikationen hinnehmen mussten oder gar als ‚austherapiert‘ galten, profitieren davon sehr. Sie können durch diese Therapiemöglichkeiten deutlich an Lebensqualität gewinnen und vieles in ihrem Alltag wieder selbst gestalten.“ Wesentlich findet der Facharzt, Betroffene von Beginn an behutsam darauf vorzubereiten, dass die zunächst gute Medikamentenwirkung im Verlauf der Erkrankung nachlässt und es zu Wirkschwankungen kommen kann. Ebenso sollten sie frühzeitig über die dann hilfreichen Optionen informiert werden. „Damit sollen sie nicht zu etwas gedrängt werden – aber wir können aufzeigen, dass niemand diese Entwicklung einfach hinnehmen muss.“ Gerade das passiere jedoch leider häufig. „Betroffene haben sich über Jahre an Einschränkungen gewöhnt und können sich zum Beispiel einen Restaurantbesuch oder einen Einkaufsbummel Alternative Therapiemöglichkeiten bei Parkinson überhaupt nicht mehr vorstellen“, berichtet Dr. Ehret. „Wenn ich mit meinen Patienten darüber spreche, dass eine andere Therapie das wieder ermöglichen kann, glauben sie das zunächst gar nicht. Entsprechend schwer fällt es ihnen, über eine Medikamentenpumpe oder die Tiefe Hirnstimulation nachzudenken.“ Darüber hinaus sei es wichtig, dass Betroffene die Ursachen für Wirkschwankungen oral eingenommener Parkinson-Medikamente verstehen. „Man ist geneigt, die Unregelmäßigkeiten auf äußere Faktoren zu schieben“, erklärt Dr. Ehret. „Doch Wirkschwankungen treten auf, weil unter anderem Magen und Darm bei Parkinson langsamer arbeiten. Die eingenommenen Tabletten stauen sich im Magen auf und ihr Wirkstoff gelangt nicht regelmäßig in den Körper.“ Wer das weiß, könne nachvollziehen, warum andere Therapieformen im Verlauf der Erkrankung Verbesserungen bringen. Schließlich räumt eine gute Aufklärung mit falschen Vorstellungen auf. „Weit verbreitet ist zum Beispiel die irrige Annahme, dass man auf eine Pflegeperson angewiesen sei, wenn man eine Pumpe trägt“, erläutert der Experte. „Ebenso ist auffällig, dass viele Betroffene meinen, viel über vermeintliche Nachteile und Komplikationen der Therapieformen bei fortgeschrittenem Parkinson zu wissen.“ Dies könne paradoxerweise ausgerechnet mit den guten Erfolgen dieser Therapien zu tun haben, überlegt der Neurologe. „Viele Patienten gewinnen dank dieser Therapieformen wieder deutlich mehr oder sogar eine sehr gute Lebensqualität Alternative Therapiemöglichkeiten bei Parkinson , berichten jedoch selten in der Öffentlichkeit darüber. Im Zusammenhang mit Parkinson sind diese Betroffenen dann schlichtweg weniger präsent – sie leben ihr Leben und sind mit den Dingen beschäftigt, die sie lange Zeit nicht machen konnten.“

Hilfreicher Erfahrungsaustausch

Wer mehr über nicht orale Folgetherapien wissen möchte oder Entscheidungshilfen sucht, sollte sich mit anderen Betroffenen austauschen, die von eigenen Erfahrungen mit einer der Therapien berichten können, rät Dr. Ehret. Ebenso wichtig sei es, die Partnerin oder den Partner ins Boot zu holen. „Angehörige haben oft genauso falsche Vorstellungen wie die Betroffenen selbst. Sachliche Informationen und Gespräche helfen auch ihnen, sich ein realistisches Bild zu machen.“

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