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Ausgabe 20

„Trotz Parkinson-Krankheit fit im Job“

Autor: Petra Sperling | 12/2025

„Bis ein Neurologe die Diagnose stellte, lag eine Odyssee durch die Arztpraxen hinter mir“, erinnert sich Sabine Wegner*. „Die Nachricht war zwar hart, aber ich war auch erleichtert. Endlich wusste ich, was mit mir los ist, und konnte gezielt etwas tun.“ Es sei ohnehin ihre Art, sich den Tatsachen zu stellen. Und um sich hängen zu lassen, wäre schlichtweg kein Raum gewesen. „Ich stand mit 45 Jahren mitten im Berufsleben, mein Mann arbeitete unter der Woche in einer anderen Stadt und unsere Kinder waren drei und sieben Jahre alt. Es gab genug zu tun.“

In alltäglichen Situationen wie an der Supermarktkasse, wenn sie für Handgriffe etwas länger braucht, geht die 54-Jährige offen mit ihrer Krankheit um. Anders handelt sie als Beschäftigte in einer großen internationalen Kanzlei: Ihrem Arbeitgeber sagt sie von der Parkinson-Diagnose nichts. „Ich hatte Bedenken, dass es mich karrieremäßig einschränkt“, gibt sie zu. „Eine chronische Krankheit und die Sorge um mögliche Fehlzeiten sollten zwar bei Personalentscheidungen keine Rolle spielen. Zumindest unbewusst passiert das aber oft doch. Außerdem wollte ich in der Firma nicht als ‚die Kranke’ gelten. Schon gar nicht wollte ich riskieren, dass ich für weniger leistungsfähig gehalten werde.“ Ihre selbstständige Position, Homeoffice, flexible Zeiteinteilung und freie Arbeitsplatzwahl an Tagen in der Kanzlei helfen der Juristin, ihre Krankheit zu verbergen. Hinzu kommt eine gewisse Erfahrung: Seit ihrem 28. Lebensjahr ist sie Diabetikerin. Doch auch das wusste im Job niemand.

Im Jahr 2024 kommt Sabine Wegner* jedoch an einen Wendepunkt: Die Wirkschwankungen ihrer oralen Parkinson-Therapie nehmen zu, Symptome werden sichtbarer. Sie entschließt sich für den Wechsel auf eine nicht-orale Folgetherapie – und informiert nun die Personalabteilung über ihre Diagnose. „Die Krankheit wurde zu präsent und die Ausfallzeiten während der Therapieumstellung erforderten eine Erklärung”, erläutert sie ihre Entscheidung. „Für die Personalabteilung war meine Mitteilung dann gar kein großes Ding.“

Mehr Selbstbewusstsein, mehr Informationen

Die Parkinson-Krankheit im Berufsalltag so lange versteckt zu halten, sei ein enormer Kraftakt gewesen, urteilt die Hamburgerin heute. „Es wäre mir vermutlich besser gegangen, wenn ich der Personalabteilung und engen Kolleginnen und Kollegen früher reinen Wein eingeschenkt hätte. Aber hinterher ist man immer schlauer.“ Auf die Frage, was sich in Unternehmen ändern müsste, damit Mitarbeitende sich eher trauen, eine Erkrankung offenzulegen, hat sie eine klare Antwort: „Arbeitnehmende möchte ich ermutigen, selbstbewusster klarzustellen, dass sie trotz Krankheit viel leisten und sich einbringen können. Arbeitgeber sollten flexibler sein. Sie brauchen zudem einen besseren Zugang zu Informationen, wie sie chronisch Kranke unterstützen können. Denn es gibt zwar keine allgemeine Lösung, aber viele individuelle Hilfen. Sich um diese Themen zu kümmern ist wichtig, zumal Diagnosen wie die Parkinson-Krankheit zunehmend auch Jüngere betreffen.“ [ ps ]

*Name von der Redaktion geändert

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