Verlauf

Was hilft im Umgang mit der fortschreitenden Parkinson-Krankheit?

Mutter und Tochter verbringebn gemeinsam Zeit in der Küche und backen.

Eine Parkinson-Krankheit verändert sich im Laufe der Zeit – und damit auch die mit ihr zusammenhängenden Symptome. Im Alltag fallen beginnende Veränderungen zunächst oft nicht auf. Doch darauf zu achten, ist wichtig: Je früher Sie neue oder zunehmende Beschwerden wahrnehmen, umso eher können individuelle Behandlungsmöglichkeiten geprüft werden. Einfache Gewohnheiten helfen Ihnen, Veränderungen besser in den Blick zu nehmen.

Quelle: Redaktion
7 Min. Lesezeit
Selbsttest

Veränderungen frühzeitig erkennen

Der Selbsttest unterstützt Sie dabei, die Wirksamkeit Ihrer Therapie mit Tabletten besser einzuschätzen und vorbereitet ins Arztgespräch zu gehen.

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Wenn die Parkinson-Krankheit fortschreitet, kann sich das in allen Lebensbereichen auswirken. Vielleicht strengt Ihr Job Sie trotz gleichbleibender Arbeitszeiten und Anforderungen mehr an. Beim Sport lassen Gleichgewicht und Schnelligkeit nach. Routinen wie das Anziehen oder Mahlzeiten zubereiten gehen Ihnen weniger leicht von der Hand.

Wie und wo sich Veränderungen bemerkbar machen, hängt viel vom individuellen Krankheitsverlauf und Ihrer Lebenssituation ab. Eines ist allerdings immer gleich: Veränderungen poltern nicht über Nacht herbei und rufen morgens „Da bin ich!“ – sie schleichen sich heimlich an. Genau da liegt die Krux: Je langsamer und leiser sich etwas anbahnt, umso weniger nehmen wir es wahr.

Warum fallen krankheitsbedingte Veränderungen oft erst spät auf?

Zum einen gewöhnen wir uns an die neue Situation, beispielsweise an langsamere Bewegungen. Zum anderen sind wir sehr talentiert darin, uns anzupassen: Bei der Parkinson-Krankheit kann das zum Beispiel bedeuten, dass Betroffene kleinere Schritte machen oder ihre Arme im Gehen weniger mitschwingen. Andere entwickeln Strategien, Schwierigkeiten auszugleichen, indem sie statt Treppe den Fahrstuhl wählen oder im Haushalt mehr Hilfsmittel nutzen.

Trotz wachsender Einschränkungen funktioniert der Alltag damit zunächst scheinbar wie gehabt. Doch irgendwann lassen sich Symptome und Einschränkungen nicht mehr ohne Weiteres kompensieren. Anpassungen der aktuellen Therapie oder eine Umstellung auf nicht-orale Folgetherapien helfen dann, die Parkinson-Symptome wieder besser einzufangen. Dabei ist es ratsam, möglichst frühzeitig gegenzusteuern. Auf diese Weise lässt sich eher verhindern, dass Fähigkeiten unwiederbringlich verloren gehen.

Entwickeln Sie Ihr persönliches „Frühwarnsystem“!

Es ist entsprechend wichtig, möglichen Veränderungen durch ein Fortschreiten der Parkinson-Krankheit ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken. Hilfreich dafür ist es, sich ein kleines „Frühwarnsystem“ einzurichten – idealerweise gemeinsam mit Angehörigen. Es kann sich zum Beispiel aus folgenden einfachen Gewohnheiten zusammensetzen:

  • Symptome dokumentieren: Halten Sie fest, wie Sie in konkreten Situationen zurechtkommen: Wie gut kann ich morgens aufstehen? Wie beweglich bin ich am Nachmittag? Wie sicher gehe ich? Habe ich Probleme bei Tätigkeiten wie Schreiben, etwas zuknöpfen, in der Küche hantieren? Hilfreich hierfür ist ein Tagebuch.
  • Routinen beobachten: Brauche ich für Duschen, Mahlzeiten oder die übliche Runde mit dem Hund neuerdings länger? Vermeide ich Tätigkeiten, die mir früher leichtfielen?
  • Regelmäßig dieselben Dinge testen: Vergleichen Sie zum Beispiel regelmäßig Ihre Handschrift mit dem Schriftbild von vor einigen Wochen. Prüfen Sie anhand von Wegmarken oder Mustern auf dem Boden, wie groß Ihre Schrittlänge ist. Achten Sie darauf, wie gut Sie mit dem kleinen Briefkastenschlüssel den Briefkasten öffnen können.
  • Angehörige einbeziehen: Ihnen nahestehende Menschen bemerken Veränderungen häufig vor Ihnen und können wertvolle Hinweise geben. Vielleicht fällt Ihren Angehörigen auf, dass Sie langsamer gehen, weniger spontan reagieren oder sich beim Essen öfter verschlucken.
  • Videos aufnehmen: Filmen Sie sich mit dem Handy bei Bewegungen und Tätigkeiten oder bitten Sie andere darum. Die Aufnahmen ermöglichen Vergleiche über die Zeit. Im Arzttermin helfen sie, Entwicklungen nachzuverfolgen und Symptome aufzuzeigen.
  • Veränderungen ansprechen: Sprechen Sie im Arzttermin offen über alles, was Ihnen auffällt – auch, wenn es Ihnen geringfügig erscheint oder Sie es nicht in Verbindung mit Ihrer Parkinson-Krankheit bringen können.

Der Realitäts-Check

Ein regelmäßiger Realitäts-Check liefert objektivere Daten als das eigene Gefühl. Blicken Sie zum Beispiel jeden ersten Sonntag im Monat zurück auf das letzte Vierteljahr:

  • Prüfpunkte festlegen: Halten Sie fest, auf was Sie im Besonderen regelmäßig achten möchten, etwa: Wie beweglich bin ich direkt nach dem Aufwachen? Kann ich auf dem Weg zur Kantine problemlos mithalten, wenn die Kollegen es eilig haben? Verschlucke ich mich beim Essen und Trinken?
  • Bilanz ziehen: Gibt es alltägliche Handlungen wie Anziehen oder Kochen, die mir schwerer als früher fallen? Wie beurteilen das Angehörige oder Freunde?
  • Zeiten vergleichen: Brauche ich morgens im Bad weiterhin die üblichen zehn Minuten oder dauert es länger? Muss ich für meinen üblichen Spaziergang mehr Zeit einplanen? Brauche ich für meine Mahlzeiten länger?
  • Fragen konkretisieren: Fragen Sie sich nicht nur „Wie fühle ich mich?“, sondern werden Sie konkret: Schlafe ich abends schnell ein? Schlafe ich durch, träume ich viel und wild? Habe ich in Gesprächen Probleme, alles mitzubekommen? Bitten mich andere häufiger als früher, etwas lauter zu sprechen? Fragen Sie auch andere nicht allgemein „Wie empfindest du meine Beweglichkeit?“ sondern „Was fällt dir ganz konkret auf?“
  • Notizen mitnehmen: Schreiben Sie Ihre Beobachtungen in Stichpunkten auf. Halten Sie auch alles Weitere fest, was Ihnen oder Ihren Angehörigen auffällt. Im Arzttermin hilft Ihnen die Liste, an alles zu denken und ein möglichst objektives Bild der vergangenen Monate zu zeichnen.

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