Den Dopaminspiegel stabilisieren
Veränderungen frühzeitig erkennen
Der Selbsttest unterstützt Sie dabei, die Wirksamkeit Ihrer Therapie mit Tabletten besser einzuschätzen und vorbereitet ins Arztgespräch zu gehen.
Selbsttest startenWie verändert sich bei der Parkinson-Krankheit der Dopaminhaushalt?
Prof. Weiß: Das gesunde Gehirn stellt den Botenstoff selbst her, speichert ihn in seinen Dopaminzellen und gibt ihn langsam kontinuierlich frei. So werden flüssige Körperbewegungen möglich. Bei der Parkinson-Krankheit verlieren die Dopamin produzierenden Zellen mit der Zeit ihre Funktion. Ist der Dopaminmangel zu groß, zeigt sich das zum Beispiel über erste motorische Beschwerden in Form von Langsamkeit oder Steifigkeit. Allerdings können die verbliebenen Dopaminzellen oral zugeführtes Dopamin aufnehmen, speichern und wieder abgeben – man nennt das „Pufferkapazität“. Eine Dopamin-Ersatztherapie mit Tabletten kann den Mangel daher zunächst ausgleichen. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass nach circa fünf bis sieben Jahren Krankheitsdauer die Pufferkapazität abnimmt. Das oral zugeführte Dopamin flutet mit jeder Tablette an und wird relativ schnell wieder abgebaut. Das führt zu Wirkschwankungen. In Phasen mit zu viel Dopamin sind unter anderem Symptome wie unwillkürliche Überbewegungen möglich. Liegt zu wenig Dopamin vor, können zum Beispiel OFF-Phasen mit Muskelsteifheit und Unbeweglichkeit auftreten. Auch langfristig können sich Nebenwirkungen der immer intensiveren Medikation mit Dopamin und Dopaminagonisten einstellen, beispielsweise mit neuropsychiatrischen Komplikationen wie Impulskontrollstörungen.
Dopamin-Therapie bei der Parkinson-Krankheit
Levodopa-Tabletten können den Botenstoff Dopamin, der bei der Parkinson-Krankheit fehlt, in den ersten Krankheitsjahren gut ersetzen.
- Mit der Zeit nimmt die Menge der Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn ab und sie können weniger Dopamin speichern und wieder abgeben.
- Es kann dann zu Wirkschwankungen (ungleichmäßiger Wirkung) der Levodopa-Tabletten kommen: Zeitweise liegt zu viel Wirkstoff vor und Betroffene können Ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren (Überbeweglichkeit). Oder es liegt zu wenig Wirkstoff vor und sie sind schlecht oder gar nicht beweglich (Off-Phasen).
- Wenn Levodopa-Tabletten Wirkschwankungen hervorrufen, kann die Tabletten-Therapie zunächst mit weiteren Medikamenten optimiert werden.
- Wirken Levodopa-Tabletten nicht mehr ausreichend, gibt es weitere Möglichkeiten: Die Behandlung mit einer Medikamentenpumpe und die Tiefe Hirnstimulation. Diese sogenannten nicht-oralen Folgetherapien werden am besten früh genutzt, um die Lebensqualität zu bessern oder zu erhalten.
Was bedeutet das für die Therapie mit Tabletten?
Prof. Weiß: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die orale Therapie mit bestimmten Wirkstoffen zu steigern. Dabei vertritt man heute den Ansatz, je nach Stärke der motorischen Symptome frühzeitig L-Dopa auch bei jüngeren Patienten zu geben, sofern dies für eine ausreichende Symptomkontrolle erforderlich ist. Können die Zellen das zugeführte Dopamin nicht mehr speichern, wirkt es bereits nach etwa 30 Minuten, aber nicht sehr lange. Verlängern kann man seine Wirkung, indem man die Einnahme auf mehrere Einnahmezeiten am Tag verteilt. Die Patienten müssen sich dann häufiger am Tag mit der Tabletteneinnahme befassen. Das ist durchaus nicht leicht. Ein weiterer Weg ist es, Beistoffe zu geben, die den Abbau von L-Dopa verzögern. Im Tagesverlauf lassen sich so im Durchschnitt bis zu 60 Minuten zusätzlicher guter Beweglichkeit erzielen.
Lässt sich diese Intensivierung immer weiter fortführen?
Prof. Weiß: Es gibt einen Punkt im Krankheitsverlauf, an dem die orale Therapie bereits intensiviert wurde und die Einnahmeschemata schon sehr kompliziert sind, aber trotz bestmöglicher Einstellung OFF-Phasen auftreten. Oder es kommt durch die intensive Therapie zu Problemen wie Überbewegungen, Stimmungsschwankungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Das sind typische Anzeichen, dass die orale Therapie an Grenzen stößt, und es Zeit zu überlegen ist, ob eine nicht-orale Folgetherapie mit einer Medikamentenpumpe oder einer Tiefen Hirnstimulation angezeigt sein könnte.
Heute schon an morgen denken!
Wichtige Entscheidungen trifft man am besten gut vorbereitet. Informieren Sie sich darum frühzeitig über Therapieoptionen bei der Parkinson-Krankheit.
Inwiefern ist es wichtig, früh genug zu handeln?
Prof. Weiß: Mit stärkeren Wirkfluktuationen auftretende Symptome beeinträchtigen das Wohlbefinden, die Lebensqualität und die soziale Einbettung der Patienten. Sie fühlen sich schlecht mit ihrer Erkrankung und können ihren Tagesablauf nicht zuverlässig planen, weil nicht sicher ist, wann die Medikamente ausreichend wirken und sie einkaufen gehen, Freunde treffen oder leistungsfähig arbeiten können. Das Ziel ist daher, ihnen zu jeder Zeit ein möglichst hohes Maß an Symptomkontrolle zu ermöglichen und bei entsprechenden Anzeichen früh genug zu reagieren. Und idealerweise wird eine wirkungsvolle Therapie bereits eingeleitet, bevor beispielsweise eine Störung der sozialen Funktionen eintritt. Denn was einmal verloren ging, ist schwierig zurückzugewinnen. Der Erhalt der körperlichen, psychischen und sozialen Funktionen spielt in der Therapiesteuerung eine große Rolle und nicht-orale Folgetherapien gelten gerade in dieser Hinsicht als effektiv und nicht mehr als „letzter Ausweg“, wenn die Krankheit schon sehr vorangeschritten ist. Vielmehr haben wir gelernt, dass wir sie besser früh genug nutzen, um Wirkschwankungen zu begegnen. Das Ziel ist, gute Lebensjahre in einem mittleren Krankheitsstadium möglichst positiv zu gestalten.
Nicht-orale Folgetherapien zur Behandlung der Parkinson-Krankheit
Was können Betroffene und Angehörige berücksichtigen?
Prof. Weiß: Sie sollten in Bezug auf ihre Erkrankung und ihre Symptome aufmerksam bleiben und immer wieder einmal in sich hineinhorchen, um Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen. Sie sollten sich frühzeitig informieren, welche Probleme im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit und der Therapie auftreten können, Angebote der Selbsthilfe nutzen und sich vernetzen. Zudem hilft die rechtzeitige Auseinandersetzung mit möglichen Therapiestrategien, Entscheidungen zu treffen. Schließlich sollten sie früh genug den Rat eines Arztes einholen, der sich auf Parkinson-Therapien spezialisiert hat und den Einsatz nicht-oraler Folgetherapien abwägen kann.
Häufig gestellte Fragen:
Parkinson-Krankheit, Dopamin und Wirkschwankungen
- Wie wird bei der Parkinson-Krankheit der Dopaminmangel ausgeglichen?
In den ersten Jahren können Levodopa-Tabletten den fehlenden Botenstoff gut ersetzen. Im Krankheitsverlauf kann die Tablettentherapie mit weiteren Wirkstoffen optimiert werden. Reicht das nicht mehr aus, sind Medikamentenpumpen und die tiefe Hirnstimulation weitere Optionen. - Was sind Wirkschwankungen bei der Parkinson-Krankheit?
Als Wirkschwankung wird eine ungleichmäßige Wirkung der Levodopa-Tabletten bezeichnet: Zeitweise liegt zu viel Wirkstoff oder zu wenig Wirkstoff vor. Die Folge sind unkontrollierte Bewegungen oder schlechte Beweglichkeit. - Warum wirken Levodopa-Tabletten bei Parkinson irgendwann nicht mehr gleichmäßig?
In den ersten Krankheitsjahren können Dopamin produzierende Zellen im Gehirn Dopamin ausreichend speichern und abgeben. Im Krankheitsverlauf verlieren sie diese Funktion. Zugleich nimmt die Anzahl der Dopamin produzierenden Zellen ab. - Woran erkennt man, dass die Levodopa-Tabletten bei Parkinson nicht mehr so gut wirken?
Betroffene sind trotz regelmäßiger Tabletteneinnahme zeitweise schlecht beweglich oder können ihre Bewegungen nicht kontrollieren. Auch Probleme bei Alltagsaktivitäten wie Anziehen, Essen oder Schreiben sind mögliche Anzeichen. - Wann sind bei der Parkinson-Krankheit eine Medikamentenpumpe oder die tiefe Hirnstimulation sinnvoll?
Nicht-orale Folgetherapien können infrage kommen, wenn Betroffene fünfmal am Tag oder öfter Levodopa-Tabletten einnehmen und trotzdem zeitweise schlecht beweglich sind, oder mindestens zwei Stunden am Tag unterbeweglich sind oder mindestens eine Stunde am Tag ihre Bewegungen nicht kontrollieren können.