Wirkschwankungen im Krankheitsverlauf
Veränderungen frühzeitig erkennen
Der Selbsttest unterstützt Sie dabei, die Wirksamkeit Ihrer Therapie mit Tabletten besser einzuschätzen und vorbereitet ins Arztgespräch zu gehen.
Selbsttest startenFortschreitender Verlust von Dopaminzellen
Bei der Parkinson-Krankheit kommt es im Gehirn zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin hilft dem Körper, Bewegungen zu steuern. Die Erkrankung hat in ihrem Verlauf daher Auswirkungen auf die Bewegungsfähigkeit und die Bewegungskoordination, die mit zunehmendem Nervenzellverlust vielfältiger und stärker werden können. Es kann zu Schwankungen der Beweglichkeit im Tagesverlauf kommen. Auch solche Folgen, die nicht mit der Motorik zusammenhängen – wie etwa Verhaltensänderungen oder Depressionen – können ausgeprägter sein.
Dopamin-Therapie bei der Parkinson-Krankheit
Levodopa-Tabletten können den Botenstoff Dopamin, der bei der Parkinson-Krankheit fehlt, in den ersten Krankheitsjahren gut ersetzen.
- Mit der Zeit nimmt die Menge der Dopaminzellen im Gehirn ab und sie können weniger Dopamin speichern und wieder abgeben.
- Es kann dann zu Wirkschwankungen (ungleichmäßiger Wirkung) der Tabletten kommen: Zeitweise liegt zu viel Wirkstoff vor und Betroffene können Ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren (Überbeweglichkeit). Oder es liegt zu wenig Wirkstoff vor und sie sind schlecht oder gar nicht beweglich (Off-Phasen).
- Wenn Tabletten Wirkschwankungen hervorrufen, kann die Tabletten-Therapie zunächst mit weiteren Wirkstoffen gesteigert werden.
- Wirken Tabletten nicht mehr ausreichend, gibt es weitere Möglichkeiten: Die Behandlung mit einer Medikamentenpumpe und die Tiefe Hirnstimulation. Diese sogenannten nicht-oralen Folgetherapien werden am besten früh genutzt, um die Lebensqualität zu bessern oder zu erhalten.
Wirksamkeit der oralen Therapie nimmt ab
Die hauptsächlichen Beschwerden bei der Parkinson-Krankheit lassen sich im frühen Stadium meist gut mit Tabletten oder Kapseln behandeln. Das kann im weiteren Verlauf schwieriger werden. Denn der optimale Wirkungsbereich, in dem das Medikament in der gewünschten Konzentration im Körper verfügbar ist und gut wirkt, verkleinert sich (siehe Grafik, optimaler Wirkungsbereich). Die Wirkung setzt später ein und hält auch nicht mehr so lange an.
Was sind Wirkschwankungen?
Im Verlauf der Parkinson-Krankheit kann es sein, dass die orale Therapie mit Tabletten oder Kapseln nicht mehr die erwartete Wirkung zeigt, weil die Wirksamkeit des Medikaments noch vor der geplanten Einnahme der nächsten Dosis nachlässt (von Experten „Wearing Off“ genannt). Dann werden mehr Medikamentendosen pro Tag nötig. Es kann zudem zu Wirkschwankungen kommen, die man auch als Fluktuationen bezeichnet. Dabei wechseln Phasen, in denen das Medikament wirkt und die Beweglichkeit gut ist (auch „ON“-Phase genannt), sich mit solchen ab, in denen die Medikamentenwirkung nicht ausreicht und dadurch weniger oder sogar gar keine Bewegung (Unterbeweglichkeit, „OFF“-Phase genannt) möglich ist. Auch nicht-motorische Symptome wie Konzentrationsschwäche oder Schmerzen können dann stärker werden. Zusätzlich können verstärkt auch unwillkürliche Überbewegungen (Fachbegriff: Dyskinesien) auftreten.
Auslöser für Wirkschwankungen
Wirkschwankungen können ganz verschiedene Ursachen haben. Einer der Gründe dafür kann sein, dass der Wirkstoff einer Tablette nicht schnell genug in den Körper gelangt. Etwa weil er über den Dünndarm aufgenommen wird und zunächst den Magen passieren muss. Dieser arbeitet bei einer fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit oft langsamer. So kann trotz pünktlicher Tabletteneinnahme manchmal zu wenig Wirkstoff im Gehirn ankommen.
Doch nicht allein die Medikamente sind dafür verantwortlich, wenn Wirkschwankungen auftreten. Dabei spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle, wie etwa die abnehmende Fähigkeit der Gehirnzellen, den Botenstoff Dopamin zu speichern und ihn freizusetzen, wenn er benötigt wird.
In diesem Video erfahren Sie mehr zu Wirkschwankungen und wie Sie diese erkennen können
Sprechen Sie im Arzttermin über Ihre Beobachtungen
Zunächst ist es wichtig, dem Zusammenspiel von Beschwerden und Medikamentengabe auf den Grund zu gehen. Dafür sind neben Ihren eigenen Beobachtungen auch Hinweise Ihrer Angehörigen sehr hilfreich. Denn sie erleben oder bewerten manche Situationen möglicherweise anders als Sie dies tun. Schreiben Sie Ihre und die Beobachtungen Ihrer Angehörigen auf. Wenn Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch alles parat haben, fällt es Ihnen leichter, darüber mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen zu sprechen.
Wirkt Ihre orale Parkinson-Therapie ausreichend?
Die 5-2-1-Kriterien geben Aufschluss
- Nehmen Sie 5mal oder öfter am Tag Levodopa-Tabletten ein?
- Oder sind Sie über den Tag verteilt mindestens 2 Stunden schlecht beweglich?
- Oder haben Sie über den Tag verteilt mindestens 1 Stunde unvorhersehbare Überbewegungen?
Wenn Sie mindestens eine Frage mit „Ja“ beantwortet haben, sollten Sie im Arzttermin über weitere Therapiemöglichkeiten sprechen.
Zur Vorbereitung des Arztgespräches können Sie zusätzlich den Parkinson-Selbsttest machen. Ihre Antworten auf fünf Fragen liefern Hinweise darauf, ob Ihre jetzige Therapie mit Tabletten oder Kapseln ausreichend gegen Ihre Parkinson-Beschwerden wirkt.
Die Gesamtheit all dieser Informationen wird Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen dabei helfen, sich ein schlüssiges Bild zu machen. So können Sie gemeinsam weitere Entscheidungen zu Ihrer Therapie treffen.
Sollten sich die Wirkschwankungen mit Tabletten und Kapseln nicht mehr zufriedenstellend ausgleichen lassen, seien Sie zuversichtlich: Es gibt weitere Behandlungsmöglichkeiten und Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe kann Sie näher darüber informieren.