Ausgabe 4

Stups die Pso

Vorsätze sind anstrengend. Der Geist willig, aber das Fleisch schwach – und der Plan wandert schnell wieder in die Tonne. Stress abbauen, häufiger offline, mehr Sport, gesünder ernähren, keine Zigaretten: klingt super, ist aber knallhart. Schlechte Gewohnheiten schlagartig ändern schafft kaum einer. Wer ist schon ein Comic-Held wie Captain Marvel? „Du kannst das“, „alles ist möglich“ – total nervig, solche Sprüche! Wer es nicht perfekt hinkriegt, ist noch längst kein Versager und in guter Gesellschaft. 88 Prozent der Menschen halten gute Vorsätze nicht durch, haben britische Forscher nachgewiesen. Bad News. Doch der innere Schweinehund lässt sich übertölpeln – per „Nudging“.

Das englische Wort bedeutet Stupsen und beschreibt eine Technik, Verhalten sanft zu beeinflussen. Die nobelpreisprämierte Idee der US-Wissenschaftler Richard Thaler und Cass Sunstein verbindet zwei banale Prinzipien: Menschen tun meistens eben nicht, was sie gerne tun würden. Aber wir lassen uns recht leicht austricksen, wenn wir das Umfeld ändern.
Stehen erst mal Äpfel statt Pudding an der Kasse, wandelt sich das Essverhalten in der Kantine. Und wer sich zum Joggen mit Freunden verabredet, der manövriert die eigene Faulheit mal ebenso ins Aus.
Das sind typische „Nudging“-Beispiele. Listig wird an der Situation gedreht und die bislang gelebten Routinen einfach aus der Bahn gestupst. Verbote, eine Drohung oder Anreize braucht es dafür nicht – nur den einen kleinen Schwenk. Etwa weg von der Rolltreppe und hin zur Treppe nebenan. Der Faule, mit Bagel und Kaffee in der Hand, fährt zweifellos entspannt. Der Aktive aber trainiert ganz nebenbei. Klar ist: Wer keinen Sport macht oder im Job zu selten auf den Beinen ist, bewegt sich zu wenig.
Raus aus dem Trott, systematisch kleine Impulse setzen, das kann auch bei Pso-Patienten viel ändern. Null Bock, schon wieder zum Arzt zu rennen. Das Medikament ein paar Tage später anwenden. Was soll schon passieren? Keiner ist total konsequent. Keiner trifft immer die beste Wahl. Keiner kann Unlust ständig überwinden. Patienten sind keine Übermenschen. Doch Disziplin ist gerade bei der Therapietreue extrem wichtig. Nur so ist erscheinungsfreie Haut auch dauerhaft möglich.
Und damit die Therapie klappt, ist „Nudging“ eine Option. Von der besten Freundin könnten im Chat Erinner-dich-Messages kommen – das ist ein Schubser. Einen Wettbewerb daraus zu machen, wer zuerst in deiner Familie an die anstehende Medikamenten-Verabreichung denkt, ist ein Schubser. Aber auch Fragen für den nächsten Arztbesuch aufschreiben ändert die Lage. Eine Liste schubst – und zwar dich, um deine Erkrankung besser zu verstehen oder deine Therapieziele anzusprechen.

Die eine Idee, die absolut clevere Maßnahme, die für alle Erfolg verspricht, die gibt es beim Nudging allerdings nicht. Wichtig ist, dass sich jeder bewusst für den zu einem selbst passenden Schubser entscheidet. Wer wie Piloten vor jedem Flug mit detaillierten Checklisten wichtige Punkte abhakt, gewinnt Sicherheit. Wer Vollkornbrot oben auf den Einkaufszettel schreibt, greift eher nicht zum Brötchen. Die Wahl fällt einfach und selbstverständlich, wenn der innere Schweinehund schlicht übertölpelt wird.
Übrigens: „Nudging“ funktioniert nicht nur in Lebensphasen, in denen wir hoch und heilig Besserung geloben, sondern auch als Euphorierakete im Alltag. Der eine liebt den Motivationsspruch am Morgen, um aktiver in den Tag zu starten. Der andere schwört auf regelmäßige Thai-Massagen, um mal wieder runterzukommen vom Alltagsstress. Wer sich bewusst ganz sanft lenkt, der kann sich auch auf Glücksgefühle freuen.
Die richtige Entscheidung muss im Alltag oder bei der Behandlung einer Krankheit also gar nicht schwerfallen.

Nudging: Mit 5 Tipps sanft gewinnen

  1. COFFEE
    Müllbild mit Pappbechern an den Schrank heften: So kommt der Kaffee eher in die Tasse beim Barista.
  2. WETTE
    Sport aus Zeitmangel absagen! Die Prämie einer 50 €-Wette unter Freunden verhindert das clever.
  3. ZIEL
    Wer mit dem Rauchen wirklich aufhören will, kündigt das offen an. Der soziale Druck stupst stark.
  4. REMINDER
    Eine kurze Erinnerung auf dem Telefon sorgt dafür, dass der Spieleabend nicht einfach vergessen wird.
  5. PLANEN
    Verpassen, das kostet! Wer im Voraus für ein Event zahlt, geht eher hin.

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