Frau mit Migräne in nachdenklicher Pose, Mann im Hintergrund
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Leben mit Migräne

5 Mythen und Fakten über Migräne

April 2025 · Redaktion ·

Migräne wird oft missverstanden und ist mit zahlreichen Mythen behaftet – von „Das Wetter ist schuld“ bis hin zu „Migräne ist nur eine Ausrede“. Doch was ist wirklich dran an diesen Behauptungen? Was sind Vorurteile und was ist wissenschaftlich bewiesen?

Mythos Nr. 1: „Menschen mit Migräne stellen sich nur an“

Kennst du das? Du wirst wegen deiner Migräne als „sensibel“ oder „überempfindlich“ bezeichnet und sollst dich „einfach mal zusammenreißen“? Das bekommen Menschen mit Migräne nicht selten zu hören. Die Vorstellung, dass Migräne etwas ist, was man einfach überwinden kann, hält sich hartnäckig – man soll es eben aushalten. Aber geht das so einfach?

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Reizüberflutung im Gehirn

SMenschen mit Migräne sind nicht sensibler, weil sie – wie ihnen oft unterstellt wird – überreagieren oder sich anstellen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Menschen mit Migräne das Gehirn besonders funktioniert. Das „Migränehirn“ kann Reize wie z.B. Lärm, Licht oder Gerüche nicht so gut filtern und arbeitet darum ununterbrochen. So kann es zu einer Reizüberflutung kommen.1

Mythos Nr. 2: „Migräne ist nur eine Ausrede“

Ein weiterer Mythos, der sich hartnäckig hält, ist, dass Migräne von den Betroffenen nur „vorgetäuscht“ wird, um schwierigen Situationen oder Pflichten aus dem Weg zu gehen. Wer Migräne hat, weiß genau, wie ungerecht und falsch diese Unterstellung ist. Und dazu noch völliger Quatsch!

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Von wegen Ausweichprofi!

Was den Mythos der Ausrede angeht, konnte die Wissenschaft genau das Gegenteil beweisen. Menschen mit Migräne sind in vielen Fällen besonders perfektionistisch, sehr gut strukturiert und zuverlässig. Also eben genau nicht der Typ Mensch, der sich unter Vorwänden vor der Arbeit drücken will.2

Mythos Nr. 3: Das Wetter ist schuld

Wenn der Luftdruck plötzlich fällt oder es schwül und drückend wird, weißt du eigentlich schon, was kommt. Es fühlt sich an, als würde sich dein Kopf langsam in einen Schraubstock verwandeln – erst dumpf, dann immer stechender. Und wenn dann noch ein Wetterumschwung mit Regen und Sturm anrollt, kannst du dich eigentlich direkt ins Bett verziehen. Es ist, als würde dein Kopf das Wetter besser spüren als jede Wetter-App. Das Wetter löst aber in der Regel keine Migräneattacke aus. Vielmehr können Temperaturschwankungen, ein verändertes Klima im Urlaub oder fallender Luftdruck zu deinen individuellen Triggern gehören. Diese wirken dann häufig als Co-Faktoren, die in Kombination mit anderen Triggern, wie z. B. Stress, eine Migräneattacke auslösen können.3

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Wärme und Kälte als Trigger

Forschende haben noch nicht herausgefunden, was genau am Wetter der Auslöser sein kann. Während die einen auf hohen Luftdruck reagieren, kann bei anderen Menschen ein niedriger Luftdruck Migräne auslösen. Außerdem hat sich gezeigt, dass auch Veränderungen der Lufttemperatur Migräne auslösen können – egal, ob es wärmer oder kälter wird.

Mythos Nr. 4: Schokolade löst Migräne aus

Schokolade und andere spezielle Nahrungsmittel werden häufig für Migräne verantwortlich gemacht. Viele Menschen glauben, dass Schokolade Migräneanfälle auslösen kann. Stimmt das?

Die Wissenschaft sagt: Nein, Schokolade ist nicht der Hauptgrund für Migräne. Es ist aber möglich, dass Lebensmittel bei Menschen mit Migräne eine Attacke begünstigen können. Um herauszufinden, ob bestimmte Lebensmittel bei dir als Co-Faktoren wirken – also nur zusammen mit einem Trigger wie zum Beispiel Schlafmangel eine Migräne begünstigen –, kann ein Ernährungstagebuch zusätzlich zum Kopfschmerztagebuch sehr hilfreich sein. Bestimmte Lebensmittelunverträglichkeiten, etwa eine Laktoseintoleranz, kommen als mögliche Trigger-Faktoren infrage. Auch Blutzuckerschwankungen (und damit Insulinschwankungen) zählen dazu und können Einfluss auf die Migräneattacke nehmen.
Häufig ist es eine Kombination aus verschiedenen Triggern, z. B. Schlafmangel, Schokolade und Stress, die dann bei dir eine Migräneattacke auslösen kann. Die persönlichen Trigger sind also sehr individuell und lassen sich nicht verallgemeinern.

Wichtig zu wissen: Migräne läuft in der Regel in mehreren Phasen ab. In der Prodromalphase, also oft Stunden bis Tage vor den Kopfschmerzen, können Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel auftreten.
Bestimmte Nervenzellen sind dann besonders aktiv und benötigen mehr Energie. Deshalb sendet dein Körper das Signal, dass jetzt „Nachschub“ nötig ist – am liebsten in Form von schnell verfügbaren Kohlenhydraten, zum Beispiel Schokolade. Dieser Heißhunger ist eher ein Frühsymptom der beginnenden Attacke. Auch wenn du ihm nicht nachgibst, kann die Migräneattacke kommen.

Mythos Nr. 5: Migräne ist eine Frauenkrankheit

Migräne wird oft als eine „Frauenkrankheit“ abgestempelt. Ist das gerechtfertigt?

FACT
Migräne tritt etwa zwei- bis dreimal so häufig bei Frauen auf wie bei Männern.4

Hormone, unter anderem die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, spielen bei Migräne eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen zum Beispiel, wie empfindlich Nerven und Blutgefäße im Gehirn auf Reize reagieren und können so Migräneattacken begünstigen oder abschwächen.4

Doch nicht nur weibliche Geschlechtshormone, sondern auch Schilddrüsenhormone und Schwankungen des Blutzuckers – und damit verbunden des Insulinspiegels – können Migräneattacken begünstigen.

Migräne: Lass dich nicht verunsichern!

Migräne ist eine unsichtbare, aber sehr reale Erkrankung – und dennoch müssen sich viele Betroffene mit diesen Mythen und Missverständnissen auseinandersetzen. Sätze wie „Das ist doch nur ein bisschen Kopfschmerz“ oder „Du musst dich einfach mal entspannen“ können verletzend sein und verstärken das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Wichtig ist: Lass dich davon nicht aus der Ruhe bringen. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die wissenschaftlich erforscht ist – du musst niemandem beweisen, wie ernst sie ist. Statt dich zu rechtfertigen, kannst du sachlich aufklären oder das Gespräch freundlich beenden, wenn dir danach ist. Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz – und kommt häufig mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
Dein Wohlbefinden steht an erster Stelle, und du hast jedes Recht, deine Migräne und deine Grenzen ernst zu nehmen.

1. https://schmerzklinik.de/schneller-denken-tiefer-empfinden-staendig-wahrnehmen, zuletzt abgerufen am 10.03.2026.
2. Casas-Limon J et al. Unravelling Migraine Stigma: A Comprehensive Review of Its Impact and Strategies for Change. J Clin Med. 2024 Sep 3;13(17):5222. https://www.mdpi.com/2077-0383/13/17/5222, zuletzt abgerufen am 10.03.2026.
3. https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/hirnerkrankungen-2-warum-die-migraene-so-oft-missgedeutet-wird-14901378.html, zuletzt abgerufen am 10.03.2026.
4. Allais G et al. Gender-related differences in migraine
Neurol Sci. 2020 Aug 26;41(Suppl 2):429–436. https://link.springer.com/article/10.1007/s10072-020-04643-8, zuletzt abgerufen am 10.03.2026.

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