Bild von Frau Dr. Hanna Zappe im Porträt
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Migräne verstehen

Migräne besser kontrollieren: Was tun, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen

9 min · Juli 2026 · Redaktion ·

Du kommst irgendwie durch den Alltag – aber musst Termine absagen, dich zurückziehen oder regelmäßig Schmerzmittel nehmen? Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn mit Migräne „klarzukommen“ bedeutet nicht automatisch, dass deine Behandlung schon gut zu dir und deinem Alltag passt.

Im zweiten Teil des Interviews erklärt Dr. med. Hanna Zappe, Allgemeinärztin in einer Gemeinschaftspraxis, woran du erkennen kannst, ob deine Akuttherapie ausreichend wirkt. Sie spricht darüber, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wenn Triptane nicht helfen, nicht vertragen werden oder nicht infrage kommen – und warum es wichtig ist, Unzufriedenheit mit der aktuellen Therapie offen anzusprechen.

Viele sagen: „Ich komme irgendwie klar.“ Was ist aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen „irgendwie klarkommen“ und „gut eingestellt sein“?

Viele Menschen mit Migräne entwickeln Strategien, um „irgendwie klarzukommen“: Sie planen um Attacken herum, sagen Termine ab, ziehen sich zurück oder nehmen häufig Schmerzmittel. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass die Migräne gut eingestellt ist.

Gut eingestellt ist sie, wenn Attacken und Akutmedikation zuverlässig kontrolliert sind und Alltag, Beruf, Familie und soziale Aktivitäten möglichst wenig beeinträchtigt werden. Auch die Sorge vor dem nächsten Anfall sollte nicht ständig mitlaufen.

Mein Ziel als Hausärztin ist daher nicht, dass Patientinnen und Patienten ihre Migräne aushalten, sondern dass sie eine möglichst hohe Lebensqualität erreichen. Bei häufigen Ausfällen oder unzureichender Wirkung lohnt sich eine erneute Überprüfung der Therapie.

Triptane helfen vielen, aber nicht allen. Welche weiteren Behandlungsoptionen der Migräne gibt es – und für wen können sie sinnvoll sein?

Triptane sind eine bewährte Akuttherapie bei Migräne, helfen jedoch nicht allen Betroffenen. Manche vertragen sie nicht, sprechen nicht ausreichend darauf an oder dürfen sie aufgrund bestimmter Vorerkrankungen nicht einnehmen.

Eine weitere Option sind Gepante. Sie wirken gezielt auf den CGRP-Signalweg, der bei Migräne eine wichtige Rolle spielt, und können insbesondere sinnvoll sein, wenn Triptane nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.

Ergänzend können regelmäßige Bewegung, ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus, ausreichend Flüssigkeit und das Erkennen persönlicher Auslöser helfen. Auch Entspannungsverfahren, Biofeedback oder verhaltenstherapeutische Ansätze können die Behandlung unterstützen und den Medikamentenbedarf verringern.

„Ich bin mit meiner Akuttherapie unzufrieden“: Ab wann ist es Zeit, das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt neu zu führen?

Wer mit seiner Akuttherapie unzufrieden ist, sollte das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt suchen. Eine Überprüfung ist besonders sinnvoll, wenn die Medikamente nicht innerhalb von etwa zwei Stunden deutlich helfen, Beschwerden häufig wiederkehren, Nebenwirkungen auftreten oder die Migräne trotz Behandlung den Alltag stark beeinträchtigt.

Auch wer Akutmedikamente an vielen Tagen im Monat benötigt oder an vier oder mehr Migränetagen pro Monat leidet, sollte sich beraten lassen. Es gibt oft Möglichkeiten, die Behandlung besser anzupassen.

Welche Informationen helfen Ihnen im Termin am meisten, um die Akuttherapie zu verbessern?

Hilfreich sind vor allem Angaben dazu, wie häufig Attacken auftreten, an wie vielen Tagen Akutmedikamente eingesetzt werden und wie schnell sowie zuverlässig diese wirken. Wichtig ist auch, ob Nebenwirkungen auftreten, Beschwerden zurückkehren und ob nach der Einnahme wieder Alltags- und Arbeitsfähigkeit besteht.

Ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch erleichtert es, die Behandlung gezielt zu überprüfen und anzupassen.

Was sagen Sie Patientinnen und Patienten, die Gefahr laufen, in einen Kreislauf aus Schmerzmitteln und Kopfschmerz (MOH) zu geraten?

Zu häufige Akutmedikamente können Kopfschmerzen aufrechterhalten oder verstärken. Entscheidend ist nicht das einzelne Medikament, sondern wie oft es eingenommen wird: Häufiger Bedarf kann einen Kreislauf aus Kopfschmerzen und weiterer Medikamenteneinnahme begünstigen.

Als Orientierung gilt: Triptane, Gepante und Kombinationsschmerzmittel sollten an höchstens 10 Tagen pro Monat, einfache Schmerzmittel wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol an höchstens 15 Tagen pro Monat eingesetzt werden.

Wer diese Grenzen regelmäßig überschreitet, sollte die Migränetherapie überprüfen lassen. Ein steigender Bedarf an Akutmedikamenten kann darauf hinweisen, dass die Migräne insgesamt nicht ausreichend kontrolliert ist. Dann kann es sinnvoll sein, die Akuttherapie anzupassen oder eine vorbeugende Behandlung zu besprechen.

Welche Rolle spielt ein Kopfschmerztagebuch in der Hausarztpraxis?

Ein Kopfschmerztagebuch ist für die Behandlung von großer Bedeutung. Aus Erfahrung können sich die meisten Patientinnen und Patienten im Arztgespräch nicht zuverlässig daran erinnern, wie häufig die Attacken aufgetreten sind, wie stark die Schmerzen waren, wie lange sie angehalten haben oder wie gut die eingenommenen Medikamente tatsächlich gewirkt haben.

Das Kopfschmerztagebuch liefert daher eine objektive Grundlage für die Therapieentscheidung. Es hilft dabei, die Häufigkeit und Schwere der Migräne, mögliche Auslöser, den Medikamentengebrauch sowie den Behandlungserfolg zu erfassen. Nur mit diesen Informationen lässt sich die Therapie individuell und zielgerichtet anpassen. Aus meiner Sicht ist ein sorgfältig geführtes Kopfschmerztagebuch deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine hochwertige und maßgeschneiderte Migränebehandlung.

Wann ist eine Überweisung zum Facharzt sinnvoll – und woran erkennt man diesen Zeitpunkt?

Viele Hausärztinnen und Hausärzte können Migräne gut behandeln. Eine Überweisung zur Neurologin, zum Neurologen oder in eine Kopfschmerzambulanz ist jedoch sinnvoll, wenn die Diagnose unklar ist, Warnzeichen bestehen oder die bisherige Behandlung nicht ausreichend hilft.

Auch bei sehr häufigen Attacken, Medikamentenübergebrauch, zusätzlichen Erkrankungen oder wenn weiterführende Therapien wie moderne Prophylaxen, Botulinumtoxin oder kombinierte Ansätze infrage kommen, kann eine fachärztliche Mitbeurteilung helfen.

Wichtig ist: Die Entscheidung, wie weit eine Behandlung in der Hausarztpraxis sinnvoll möglich ist, ist nicht bei allen Ärztinnen und Ärzten gleich. Sie hängt auch von Erfahrung und Spezialisierung ab. Deshalb ist die Behandlung von Migräne am besten als Zusammenarbeit zu verstehen. Hausärztin oder Hausarzt und Spezialisten arbeiten dabei Hand in Hand, um die bestmögliche Behandlung zu erreichen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung durch Ärztinnen und Ärzte.

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