Migräne erkennen und richtig handeln: Was die Hausarztpraxis für dich tun kann
Darüber spricht Dr. med. Hanna Zappe, Allgemeinärztin in einer Gemeinschaftspraxis, im ersten Teil ihres Interviews. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Migräne und begleitet Menschen mit Migräne in ihrem Praxisalltag.
Frau Dr. Zappe, woran erkennen Betroffene, dass es sich wahrscheinlich um Migräne handelt – und warum ist eine sichere Diagnose so wichtig?
- einseitiger Kopfschmerz
- pulsierende oder pochende Kopfschmerzen
- Mittlere bis starke Kopfschmerzen
- Verschlechterung der Kopfschmerzen durch körperliche Routineaktivitäten
Außerdem werden die Migräne-Kopfschmerzen von mindestens einer der folgenden Beschwerden begleitet:
- Übelkeit mit oder ohne Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit
- Geruchsempfindlichkeit (deutlich seltener als die ersten beiden Begleitbeschwerden, aber möglich)
Viele Betroffene lernen, eine Migräne bereits Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz zu erkennen. Denn die Migräne beginnt schon vor dem eigentlichen Schmerz und macht sich u.a. bemerkbar durch:
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörung
- Nackenschmerzen
- Gähnen
- Reizbarkeit
- Heißhunger
- Vermehrtes Wasserlassen
Und dann gibt es noch die Migräne mit Aura, die bei etwa einem Drittel der Patienten mit Migräne auftritt: Die Aura beginnt etwa 5–60min vor den Migränekopfschmerzen und ist rückgängig. Eine Aura besteht aus neurologischen Ausfällen, wie
- Sehstörungen (Augenflimmern, Zickzacklinien, Lichtblitze)
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Armen, Beinen oder anderen Körperstellen
- Sprachstörungen
Die Diagnose einer Migräne ist wichtig, weil es inzwischen Behandlungen gibt, die speziell für Migräne entwickelt wurden. Diese Therapien greifen gezielt in die krankheitstypischen Mechanismen der Migräne ein und können deshalb deutlich wirksamer sein als allgemeine Schmerzmittel. Eine genaue Diagnose eröffnet somit die Möglichkeit einer individuell angepassten Behandlung und kann helfen, Anfälle zu reduzieren, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Warum ist es sinnvoll, mich als Betroffene oder Betroffener an meine Hausärztin oder Hausarzt zu wenden?
Der besondere Vorteil der hausärztlichen Betreuung besteht darin, dass die Hausärztin oder der Hausarzt die Betroffenen häufig bereits über viele Jahre kennt und mit ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte, bestehenden Erkrankungen sowie familiären Vorbelastungen vertraut ist. Dadurch können Beschwerden besser eingeordnet und individuelle Risikofaktoren berücksichtigt werden.
Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht zudem den Zugang zu wirksamen, speziell für Migräne entwickelten Therapien. So können geeignete Behandlungsstrategien festgelegt, Beschwerden gezielt behandelt und die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden.
Wie kann mir meine Hausärztin oder mein Hausarzt konkret helfen, wenn ich häufig Migräne habe?
Bei häufigen Migräneattacken ist die Hausärztin oder der Hausarzt oft die erste und wichtigste Anlaufstelle. Durch die Kenntnis der persönlichen Krankengeschichte, bestehender Erkrankungen, eingenommener Medikamente sowie familiärer Vorbelastungen kann die Situation individuell beurteilt werden. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann die Diagnose sichern, andere Ursachen der Beschwerden ausschließen, geeignete Akutmedikamente verordnen und prüfen, ob eine vorbeugende Migränetherapie sinnvoll ist.
Darüber hinaus unterstützt sie oder er dabei, mögliche Auslöser zu erkennen, einen Medikamentenübergebrauch zu vermeiden und die Behandlung regelmäßig an den Krankheitsverlauf anzupassen.
Bei Bedarf erfolgt die Überweisung an spezialisierte neurologische Zentren oder Fachärztinnen und Fachärzte, um den Zugang zu weiterführenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zu ermöglichen. Ziel ist es, die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.
Wann sollte ich mich mit Kopfschmerzen oder Verdacht auf Migräne an meine Hausärztin oder meinen Hausarzt wenden
Sie sollten sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt wenden, wenn Kopfschmerzen wiederholt auftreten, stärker werden, Ihren Alltag beeinträchtigen oder Sie den Verdacht haben, an einer Migräne zu leiden.
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn sich das bisherige Kopfschmerzmuster verändert oder die Attacken häufiger werden. Auch Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen oder andere neurologische Beschwerden sollten ärztlich besprochen werden.
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kennt in vielen Fällen bereits Ihre gesundheitliche Vorgeschichte, bestehende Erkrankungen, eingenommene Medikamente sowie familiäre Vorbelastungen. Dadurch können Ihre Beschwerden besser eingeordnet und mögliche Risikofaktoren berücksichtigt werden.
Eine frühzeitige Vorstellung ermöglicht eine genaue Diagnose und den Zugang zu einer gezielten Behandlung. Gemeinsam können geeignete Akuttherapien und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen besprochen werden. Bei Bedarf kann auch eine weiterführende neurologische Abklärung veranlasst werden. So lässt sich häufig erreichen, dass Migräneanfälle seltener auftreten, weniger stark ausgeprägt sind und Ihre Lebensqualität langfristig verbessert wird.
Was ist das Ziel einer „guten“ Akuttherapie im Alltag – woran kann ich merken, dass sie ausreichend wirkt?
Das Ziel der Akuttherapie bei Migräne ist es, einen Migräneanfall möglichst schnell und wirksam zu behandeln, damit Sie Ihren Alltag mit möglichst wenigen Einschränkungen fortsetzen können. Die Behandlung soll die Kopfschmerzen lindern oder vollständig beenden sowie Begleitbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit reduzieren.
Ob Ihre Akuttherapie ausreichend wirksam ist, erkennen Sie daran, dass Sie mit ihrer Hilfe die meisten Migräneattacken gut kontrollieren können und Ihre normalen Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen können. Idealerweise bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Stunden deutlich oder verschwinden vollständig. Auch Begleitsymptome wie Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit sollten spürbar nachlassen.
Ein weiteres Zeichen für eine ausreichend wirksame Akuttherapie ist, dass die Medikamente nur selten benötigt werden und nicht regelmäßig nachdosiert werden müssen. Zudem sollten die Beschwerden nach der Besserung nicht unmittelbar wiederkehren.
Wenn Sie trotz Behandlung weiterhin unter starken Einschränkungen leiden, die Migräneattacken häufig auftreten, die Medikamente nicht zuverlässig wirken oder sie Akutmedikamente an vielen Tagen im Monat benötigen, sollten Sie dies mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprechen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Behandlung anzupassen oder zusätzlich eine vorbeugende Migränetherapie in Betracht zu ziehen.
Welche Rolle spielt der richtige Einnahmezeitpunkt – und wie erklären Sie das den Betroffenen?
Der richtige Einnahmezeitpunkt spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg der Migränetherapie. Akutmedikamente wirken in der Regel am besten, wenn sie möglichst früh nach Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden – idealerweise innerhalb der ersten Stunde und solange die Schmerzen noch leicht ausgeprägt sind. Wird die Behandlung frühzeitig begonnen, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich die Migräneattacke rasch bessert oder sogar vollständig unterbrochen werden kann.
Wichtig ist jedoch, die Medikamente nicht bereits während der Vorbotenphase (Prodromalphase) oder während einer Aura einzunehmen. In diesen Phasen ist die Wirksamkeit der Akuttherapie in der Regel nicht ausreichend belegt. Daher sollte die Einnahme erst erfolgen, wenn die eigentliche Kopfschmerzphase beginnt.
Meinen Patientinnen und Patienten erkläre ich dies häufig anhand eines einfachen Vergleichs: Ein kleines Feuer lässt sich leichter löschen als ein bereits ausgebrochener Brand. Genauso können Migränemedikamente die Beschwerden oft besser kontrollieren, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Wartet man hingegen, bis die Schmerzen stark ausgeprägt sind, kann die Wirkung der Medikamente geringer ausfallen und es dauert häufig länger, bis eine ausreichende Besserung eintritt. Ziel ist daher, die ersten Kopfschmerzzeichen rechtzeitig zu erkennen und die verordnete Akuttherapie dann möglichst früh einzusetzen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung durch Ärztinnen und Ärzte.
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