Frau mit Migräne greift erschöpft in einen Medikamentenschrank und hält sich die Stirn.
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Leben mit Migräne

Triptane, Magnesium, Lifestyle – mein persönlicher Mix gegen Migräne

Mai 2026 · Tanja ·

Schmerzmittel und ich, wir haben eine komplizierte Beziehung. Ich nehme dich mit auf meinen persönlichen Weg mit Migräneattacken, Triptanen und Migräneprophylaxe – und erzähle dir, warum ich heute sage: „Schmerzmittel sind weder Freund noch Feind”.

Was ich hier teile, sind meine persönlichen Erfahrungen – nicht mehr und nicht weniger. Jede Migräne ist anders, jeder Körper ist anders. Was mir geholfen hat, muss für dich nicht funktionieren – und kann sogar das Falsche sein. Bitte sprich alle Therapien, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab, bevor du irgendetwas änderst.

Schmerzmittel – mein größter Freund und schlimmster Feind

Schmerzmittel und ich, wir haben eine komplizierte Beziehung. Als jemand, der über viele Jahre hinweg Rückenoperationen, Knieoperationen und einiges mehr durchgestanden hat, habe ich immer versucht, Schmerzmittel so weit wie möglich zu vermeiden. Ich griff stattdessen zu Magnesium, Schüßler-Salzen, guter Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln. Als Therapeutin habe ich gelernt: Wenn der Körper nach Ruhe schreit, soll man ihm diese Ruhe auch geben. Sonst schreit er nur noch lauter.

Doch als die Migräne in mein Leben trat, änderte sich alles.

Techno-Konzert im Kopf

Migräne ist nicht nur Kopfschmerzen. Wer das noch nie erlebt hat, dem fällt es schwer, das zu begreifen. Während mein Körper gleichzeitig nach Dunkelheit, Stille und absoluter Ruhe verlangte, veranstaltete mein Kopf das reinste Techno-Konzert. Ich fror, obwohl mein Kopf zu glühen schien. Jede Bewegung – selbst das Umdrehen im Bett – verschlimmerte den Schmerz. Das Einzige, was half, war, mich so weit wie möglich von meinem eigenen Körper zu distanzieren.

„Als Therapeutin sage ich meinen Patientinnen immer: Spür in deinen Körper hinein. Aber in dem Moment einer Migräneattacke fühlt sich genau das an, als würde man sich zu seinem ärgsten Feind ins Bett legen. Also griff ich zu Schmerzmitteln.“
Migränepatientin Tanja

Migräneattacke: Von Ibuprofen bis zur Infusion

Am Anfang versuchte ich es bei akuter Migräne mit Ibuprofen – manchmal eine leichte Linderung für zwanzig, dreißig Minuten, wenn überhaupt. Dann kamen Kombinationspräparate (aus ASS, Paracetamol und Koffein). Diese brachten eine gewisse Erleichterung, aber keine echte Lösung. Schließlich kam Metamizol ins Spiel, zunächst als Infusion in Kombination mit Ibuprofen – die Therapie, die mir meine Hausärztin bei einem Status migraenosus gab, also einer Migräneattacke, die über drei Tage hinausgeht. Das brachte Linderung. Manchmal konnte ich diese Kombination oral auch zu Hause anwenden.

Doch relativ schnell merkte ich, wie sich die Abstände verkürzten. Ich stand immer öfter vor dem Medikamentenschrank, zitterte vor Schmerzen und überlegte, wann ich wieder etwas nehmen durfte. Ich wusste: Nicht mehr als zehn Medikamententage pro Monat. Aber manchmal drückt man ein Auge zu, weil es in diesem Monat einfach nicht anders geht. Und dann sind es doch zwölf Tage. Und schon merkt man, dass man resistenter wird – gegen die Wirkung, gegen die Erleichterung, gegen alles.

Mehr Medikamente – mehr Kopfschmerzen

Nach meinem ersten Aufenthalt in einer Schmerzpraxis war mir klar: Ich will nie wieder so abhängig werden. Denn die vielen Medikamente hatten nicht weniger Kopfschmerzen gebracht – sondern mehr.

„Was mir bei der Akuttherapie geholfen hat, hat sich über viele Gespräche mit meiner Hausärztin und meiner Schmerztherapeutin entwickelt – nie im Alleingang. Ich sage das so explizit, weil ich weiß, wie verlockend es ist, das, was bei jemand anderem funktioniert hat, einfach auszuprobieren.“
Migränepatientin Tanja

Aber Schmerzmittel – auch die, die man rezeptfrei bekommt – können bei falscher Anwendung mehr schaden als helfen. Bitte hol dir wirklich den ärztlichen Rat, bevor du anfängst, Kombinationen zu testen.

Triptane: Nicht aufgeben beim ersten Versuch

Triptane sind verschreibungspflichtig und das aus gutem Grund. Welches Triptan, in welcher Form, in welcher Dosis – das ist etwas, was du gemeinsam mit deinem Neurologen oder einer Schmerztherapeutin herausfinden musst. Einige Triptane sind in kleinen Mengen, meist in Packungen von zwei Tabletten, rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Diese Regelung ermöglicht es, im akuten Fall schnell Hilfe zu bekommen, ohne vorher einen ärztlichen Termin vereinbaren zu müssen.

Dennoch gilt: Wer regelmäßig auf Triptane angewiesen ist, sollte die Einnahme unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen. In solchen Fällen ist eine ärztliche Verordnung sinnvoll, um eine passende und langfristige Behandlung sicherzustellen – oft auch mit größeren Packungsmengen, damit man im Bedarfsfall gut vorbereitet ist. Ich kann nur erzählen, wie mein Weg war. Und der war alles andere als geradlinig.

Migränemedikamente als Nasenspray oder Schmelztablette

Triptane sind die spezifischen Migränemittel. Ich hatte die ersten beiden ausprobiert – beide führten nicht wirklich zum Erfolg. Meine damalige Schmerztherapeutin zuckte mit den Schultern: „So ist das manchmal.“ Das war für mich kein akzeptables Ende.

In einer Migränegruppe an einem Kopfschmerzzentrum – geleitet von einer Psychologin und Neurologin, die selbst Migräne hat – erfuhr ich: Sie hatte sieben Triptane ausprobiert, bis sie das richtige gefunden hatte. Das machte mir Mut.

Meine wichtigste Botschaft an dieser Stelle: Nicht aufgeben, wenn die ersten ein oder zwei Triptane nicht funktionieren. Es gibt sie in verschiedenen Wirkstoffen, Darreichungsformen und Wirkgeschwindigkeiten. Heute nutze ich situationsabhängig: ein Nasenspray, wenn es sehr schnell gehen muss, und eine halbe Schmelztablette, wenn etwas mehr Zeit bleibt.

Spezielle Kombi für Ausnahmesituationen

Mein persönliches Problem: Triptane geben mir einen „Kater ohne Spaß“ – so nennen das meine Freunde. Unterdrücke ich die Migräneattacke medikamentös, sind die Nachwehen am nächsten Tag stärker, weil mein Körper die Migräne eigentlich „braucht“ und meine Leber zusätzlich die Medikamente abbauen muss.

Deshalb reserviere ich eine bestimmte Kombination für wirklich außergewöhnliche Situationen – auf Empfehlung meiner Schmerztherapeutin: Triptan plus ein länger wirkendes Schmerzmittel. Letztes Wochenende zum Beispiel war ich in Holland unterwegs – von Laden zu Laden, Gerüche, schlechte Luft, zu spät gegessen. Die Migräne ließ nicht lange auf sich warten. Aber ich hatte keine Lust, den Tag aufzugeben. Also habe ich die Kombination genommen, mich eine Stunde ins Auto gelegt und geschlafen. Danach war ich wieder dabei.

Der Preis: Der nächste Vormittag gehörte der Erholung. Das ist mir bewusst – und das ist auch okay, wenn es wirklich einmal sein muss. Wer seine Migränetage aktiv im Blick behält und bewusst steuert, darf sich auch erlauben, am Leben teilzunehmen. Aber es bleibt die absolute Ausnahme, kein Muster. Die Migräne braucht ihre Ruhe, und wer sie dauerhaft unterdrückt, zahlt irgendwann einen viel höheren Preis.

Migräneprophylaxe: Was man wissen sollte

Wer gesetzlich versichert ist und eine medikamentöse Prophylaxe beginnt, durchläuft zunächst ein bestimmtes Schema. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die ursprünglich für andere Zwecke entwickelt wurden: Betablocker (eigentlich fürs Herz), bestimmte Antiepileptika und Antidepressiva. Auch Neurotoxin-Injektionen an über dreißig Stellen am Kopf und Nacken können bei vielen die Intensität der Attacken reduzieren, indem sie die Muskulatur entspannen.

Bei mir persönlich haben die Neurotoxin-Injektionen wegen meiner instabilen Halswirbelsäule – eine Folge des Leistungssports – nicht angeschlagen. Ein Sedativum sorgte zwar für tiefen Schlaf und weniger Anspannung, ließ mich morgens aber kaum aus dem Bett kommen und brachte eine Gewichtszunahme von sieben Kilo. Heute nutze ich es in einer sehr niedrigen Dosis als Joker, wenn ich an Medikamentenübergebrauch-Tagen einfach nur schlafen möchte.

Neue Wirkstoffe gegen Migräne

Erst wenn diese klassischen Prophylaxe-Mittel nicht wirken, kommen die neueren CGRP-Rezeptor-Antagonisten (Gepante) und CGRP-Antikörper infrage. Ich kenne viele Menschen, für die diese Medikamente ein absoluter Gamechanger waren – nach Jahren endlich wieder am Leben teilhaben können. Ich habe auch meine Erfahrungen gemacht, bleibe aber weiterhin dran. Es gibt mehrere dieser Medikamente – man muss das richtige für sich finden. Die Medikamente sind verschreibungspflichtig und werden von Neurologinnen und Neurologen verordnet – sie sind kein Weg, den man ohne Fachbegleitung gehen kann oder sollte. Wenn du das Gefühl hast, dass deine bisherige Migräneprophylaxe nicht ausreicht, ist das genau das Gespräch, was du mit deiner Ärztin suchen solltest.

Wie ich mit meiner Migräne lebe

Neben den Medikamenten stütze ich mich auf beides: Schulmedizin und Naturheilkunde.

Migräne und Magnesium: Welche Form für mich passt

Magnesium ist vielen als Migränemittel bekannt – aber welche Form? Ich nehme eine Kombination: Magnesiumcitrat (gute Bioverfügbarkeit), Magnesiumoxid (hoher Elementaranteil) und Magnesiumglycinat (besonders verträglich). Magnesiumtaurat gilt als besonders vielversprechend bei Migräne, da die enthaltene Aminosäure Taurin das Nervensystem beruhigen und Blutdruckschwankungen mildern kann.

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt: Ich habe meine Dosierungen immer mit meiner Ärztin abgestimmt und meinen Blutspiegel regelmäßig kontrollieren lassen. Mehr ist nicht automatisch besser – auch Magnesium kann in zu hohen Dosen Probleme bereiten.

Weitere Nahrungeergänzungsmittel

Dazu nehme ich Q10 für die Zellenergie, Vitamin B2 (Riboflavin), das in Studien nachweislich zur Migräneprophylaxe beitragen kann, sowie Vitamin B12, das mir geholfen hat, konzentrierter und klarer zu bleiben – weniger Flatterigkeit bedeutet weniger Migränetrigger. Vitamin D kombiniert mit Calcium, Magnesium und Vitamin K passe ich regelmäßig an meinen aktuellen Spiegel an.

Ein Pestwurzelpräparat hat bei mir ebenfalls positive Effekte gezeigt – allerdings nur zeitweise und in Absprache mit meiner Ärztin, da Langzeitanwendung die Leber belasten kann

Kopfschmerztagebuch führen

Und dann ist da noch die DMKG-App: Mein digitales Kopfschmerztagebuch. Ich schaue nicht erst am Monatsende, wie viele Medikamententage ich hatte. Bereits ab Woche zwei bis drei plane ich den Rest des Monats entsprechend – ob ich auf eine Großveranstaltung gehe oder nicht. Verantwortungsvoller Umgang bedeutet für mich: vorausdenken, nicht bereuen.

Mein Fazit bei Migräne

Schmerzmittel sind weder Freund noch Feind. Sie sind Unterstützer – für Momente, in denen man Unterstützung braucht. Aber die einzige Lösung sind sie nicht. Mein Weg mit der Migräne ist ein ständiges Ausprobieren, Anpassen und ehrliches Zuhören – mir selbst gegenüber. Und das, finde ich, ist keine Niederlage. Das ist Eigenverantwortung.

Eure Tanja

Kurzportrait

Ich bin Tanja Multinu, Migränikerin und Gesundheitsexpertin
Meine Ausbildungen zur Heilpraktikerin, Physiotherapeutin und Mental Coach helfen mir, den Menschen – und damit auch Schmerzsymptome – als Ganzes zu betrachten.
Das Thema beschäftigte mich schon lange, als ich mit 49 Jahren, zu Beginn der Wechseljahre, selbst Migräne bekam. Seither weiß ich, vor welchen Hürden man als Migränepatient steht und welche Lösungen es gibt.
Vieles lässt sich selbst beeinflussen, aber jeder darf akzeptieren, wenn die Migräne einfach da ist – ohne dass man etwas „falsch“ gemacht hat. Diese Erkenntnis und mein Migränemanagement haben mir sehr viel innere Ruhe geschenkt.

Disclaimer: Tanja teilt hier ihre persönlichen Erfahrungen als Betroffene. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung. Bitte sprich alle Therapieentscheidungen – ob Akutmedikamente, Prophylaxe oder Nahrungsergänzung – mit deiner behandelnden Ärztin oder Arzt ab.

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