Mein Migränefass: Wie ich Balance und Ruhe finde
Stell dir ein Fass vor, das sich nach und nach mit verschiedenen körperlichen, psychischen oder hormonellen Stressfaktoren füllt. Wenn das Fass voll ist, kommt die Migräneattacke. Mein Fass war zum Beispiel voll mit Faktoren wie Stress, Erwartungen und alten Glaubenssätzen. Das Bild vom Migränefass hilft mir, meine Belastungen besser zu verstehen.
Als ich vom Migränefass erfuhr, verstand ich plötzlich besser, was meine Migräne auslöst – und dass ich manches selbst beeinflussen kann
Das Migränefass ist ein Bild dafür, wie sich bei Menschen mit Migräne körperliche, psychische und hormonelle Belastungen und Auslöser nach und nach ansammeln. Wie bei einem Fass, das sich mit Wasser füllt, kommt es erst dann zu einer Migräneattacke, wenn das Fass überläuft.
Wenn mein inneres Fass überläuft, kündigt sich die Migräneattacke an. Je besser ich verstehe, womit sich mein Fass füllt, desto gezielter kann ich der Migräne vorbeugen.
In meinem Leben teile ich das Migränefass in verschiedene Bereiche ein – seelische, mentale und körperliche. Jeder Bereich hat Einfluss darauf, wie voll das Fass gerade ist.
„Mental“ meint dabei alles, was mit Aufmerksamkeit, Denkprozessen, Konzentration, innerem Druck oder geistiger Erschöpfung zu tun hat – also Belastungen, die im Kopf viel Energie kosten, auch wenn sie nicht direkt emotional oder körperlich sind – beispielsweise hohe Konzentration im Job.
Alte Glaubenssätze – der unsichtbare Stress im Hintergrund
Ein großer Teil dessen, was mein Migränefass füllt, hat mit innerem Stress zu tun – mit alten Mustern aus meiner Kindheit. Ich bin das vierte Kind, und als meine Eltern sich trennten, war ich sieben Jahre alt. Meine Mutter arbeitete Vollzeit, und ich hatte früh verstanden, dass ich über Leistung Aufmerksamkeit erhalten und meiner Mutter eine Freude machen konnte. Dieses Muster begleitet mich bis heute.
Lange Zeit glaubte ich, sofort wieder 100 % geben zu müssen, sobald ich mich nach einer Migräneattacke etwas besser fühlte oder keine Kopfschmerzen mehr hatte. Heute weiß ich: Dahinter stecken meine alten Glaubenssätze. Solche unbewussten Überzeugungen erhöhen, ohne dass wir es merken. Ich darf mir aber selbst Aufmerksamkeit und Anerkennung schenken – ganz ohne Leistung.
Belastung oder Chance – wie ich gelernt habe, anders zu bewerten
Unsere Erfahrungen prägen, wie wir Dinge einordnen. Doch Bewertungen sind keine Naturgesetze – wir können sie bewusst verändern. Wenn ich mir bewusst mache, wie ich etwas bewerte, verändert sich oft schon das Gefühl dazu: Ein kleiner Perspektivwechsel kann das Fass deutlich entlasten.
Die Macht der Reaktion – bewusst entscheiden, statt reagieren
Es gibt Situationen, die sich nicht vermeiden lassen. Aber wie ich darauf reagiere, habe ich selbst in der Hand. Früher reagierte ich schnell und oft emotional auf Stress, Erwartungen oder kleine Missverständnisse.
Heute versuche ich, kurz innezuhalten. Ich atme, spüre in mich hinein und entscheide dann, wie ich reagieren möchte. Das klingt einfach – ist aber ein echtes Training für den Geist. Doch jedes Mal, wenn es mir gelingt, gelassener zu bleiben, spüre ich, dass mein Fass nicht ganz so voll wird.
Mitgefühl statt Selbstkritik – liebevoll mit der Migräne umgehen
Wie spreche ich mit mir, wenn eine Migräneattacke kommt? Früher war ich oft wütend auf mich selbst. Ich habe mich verurteilt, weil ich „schon wieder ausfalle“. Heute versuche ich, mir mit Mitgefühl zu begegnen.
Ich sorge für Balance und frage mich: Was brauche ich jetzt wirklich? Es ist mir wichtig, Körper und Psyche gleichzeitig zu entlasten. Denn beides hängt eng zusammen. Ruhe, Rückzug, Wärme – oder vielleicht einfach Verständnis für mich selbst? Das senkt mein Stressniveau. Und weniger Stress bedeutet: Das Migränefass bleibt länger leer.
Leben mit dem Migränefass
Das Migränefass ist für mich zu einem wertvollen Bild geworden. Es erinnert mich daran, dass ich Verantwortung übernehmen kann – nicht aus Druck, sondern aus Fürsorge. Ich darf Stress abbauen, Glaubenssätze hinterfragen, körperliche Signale ernst nehmen und mir erlauben, Pausen zu machen. Ich versuche nicht, das Fass perfekt leer zu halten, sondern dafür zu sorgen, dass es nicht so schnell überläuft – indem ich Belastungen vermeide, soweit es möglich ist…
Ein Beispiel: Ich liebe Abende mit Freundinnen im Restaurant. Früher endeten sie fast immer in einer Migräneattacke – zu laut, zu viele Menschen und fast immer zu lang. Heute organisiere ich solche Abende anders: Ich reserviere im Vorfeld einen ruhigen Tisch, setze mich an die Ecke und nicht in die Mitte, gönne mir Pausen und gehe etwas früher nach Hause, wenn ich es brauche. Früher fühlte sich das wie Verzicht an – heute ist es ein echter Gewinn:
Ich genieße die Zeit intensiver, ohne den Preis einer Migräneattacke zu zahlen.
Tipp zum Schluss
Schimpfe nicht mit dir selbst. Migräne hat viele Ursachen – nicht alle liegen in unserer Kontrolle. Es geht nicht um Schuld, sondern um Erkenntnis, Selbstfürsorge und Selbstbestimmung.
Eure Tanja
Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich um die persönlichen Erfahrungen der betroffenen Person. Die Aussagen basieren auf individuellen Erlebnissen und stellen keine allgemeingültigen Empfehlungen dar.