Migräne-Trigger, die man nicht sofort sieht
Als ich vor zweieinhalb Jahren meine erste Migräneattacke hatte, dachte ich an die klassischen Auslöser: Rotwein, Schokolade, Wetterumschwung und Hormone. Doch mittlerweile weiß ich: Die Realität ist deutlich komplexer, vor allem, wenn es um körperliche Trigger bei Migräne geht. Was ich in dieser Zeit gelernt habe, möchte ich heute mit euch teilen – nicht als Therapeutin, sondern als Betroffene.
Die Verbindung zwischen Körper und Kopf
Irgendwann bin ich über eine faszinierende Tatsache gestolpert: Mehr Nervenimpulse gehen vom Körper ins Gehirn als umgekehrt. Das hat bei mir richtig Klick gemacht. Alles, was in unserem Körper geschieht, muss verarbeitet werden – auch von den Nerven, die bei Migräne eine Rolle spielen.
Vier Rücken-OPs, vier Knie-OPs, Arthrose, zweimal ausgekugelte Schultern und mehrere Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule.: Meine Zeit als Leistungssportlerin hat bei mir mehrere bleibende körperliche Folgen hinterlassen. Lange dachte ich, das hat doch nichts mit meiner Migräne zu tun. Aber genau diese gesundheitlichen Belastungen kosten mich permanent Verarbeitungskapazität.
Viele kennen das: Bei starken Schmerzen, wie etwa Zahnschmerzen, fällt es schwer, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ähnlich kann es bei anderen körperlichen Belastungen sein. Menschen mit Migräne erleben solche Belastungen jedoch sehr individuell – was für die einen bereits eine große Herausforderung darstellt, kann für andere besser zu bewältigen sein. Jeder Mensch hat hier eigene Grenzen, und es gibt kein richtig oder falsch im Umgang damit.
Außerdem entsteht oft eine gegenseitige Verstärkung: Nach einer Migräneattacke ist mein ganzer Körper verspannt. Hatte ich starke Kopfschmerzen, tut mir danach buchstäblich alles weh. Und auch das muss mein Gehirn wieder verarbeiten.
Meine persönlichen Problemzonen bei Migräne
Kiefer und Nacken:
Gerade diese Bereiche sind für mich typische körperliche Trigger bei Migräne. Verspannungen hier machen alles schlimmer. Was ich lange nicht wusste: Bei mir ist die Halswirbelsäule zu instabil. Zu viel Bewegung in den oberen Gelenken bedeutet für mein Gehirn Alarm – und das erzeugt zusätzliche Spannung.
Mein Lieblingstrick für den Kiefer: Mit der Zunge von außen über alle Zähne streichen. Klingt simpel, wirkt aber Wunder. Und an jeder Ampel massiere ich mir die Wangen – kleine Rituale, die mir wirklich helfen.
Meine Füße:
Das war für mich eine Überraschung. Weil bei mir so viel Energie im Kopf feststeckt, fehlt sie komplett in den Füßen. Eine Fußmassage oder das Abrollen über einen Igelball macht einen riesigen Unterschied. Je mehr ich meine Füße spüre, desto weniger Druck ist im Kopf.
Mittlerweile achte ich sogar darauf, nicht zu viel auf dem Handy zu tippen. Eine Verspannung im Daumen zieht bei mir tatsächlich in den Kopf. Das erscheint ungewöhnlich, aber bei mir ist das tatsächlich so.
Verborgene Auslöser im Körper
Ein echtes Aha-Erlebnis hatte ich mit den Nasennebenhöhlen:
Nach meiner Nebenhöhlen-OP habe ich Vernarbungen davongetragen, welche die Nasenatmung beeinträchtigen. Dampfbäder und Nasenspülungen sind für mich daher Pflicht geworden, um die Atemwege feucht zu halten und Sekret zu lösen. Wenn dort die Spannung zu hoch ist, zieht mir der Schmerz direkt in den Kopf. Vielleicht lohnt es sich auch für euch, mal Ohren und Augen checken zu lassen?
Wenn mein Darm zu voll ist – egal ob mit Luft oder Stuhl – löst das bei mir eine Migräneattacke aus. Ich weiß, viele fragen sich: Was hat der Darm mit dem Kopf zu tun? Bei mir besteht ein klarer Zusammenhang zwischen meinen erkannten Triggern und den Beschwerden. Diese Erkenntnis hat für mich vieles verändert und war ein echter Wendepunkt im Umgang mit meiner Situation.
Die Leber: Klar, jeder kennt Kopfschmerzen nach zu viel Alkohol. Aber bei mir reicht auch eine Narkose oder zu fettreiches Essen. Was die Leber belastet, belastet bei mir auch den Kopf.
Die eigene Schmerzgrenze neu definieren
Hier musste ich richtig umdenken: Alles, was meinem Körper zu viel ist, ist auch meinem Kopf meist zu viel. Ein zu enger BH, ein kratzendes Etikett, ein zu enger Rollkragenpullover oder eine Mütze, die auf den Kopf drückt.
Als ehemalige Leistungssportlerin bin ich groß geworden mit „Nur die Harten kommen in den Garten“ und „Stell dich nicht so an“. Es ist gar nicht so leicht, diese verinnerlichten Denkmuster wieder loszuwerden. Aber ich habe verstanden: Es ist in Ordnung, auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten. Deshalb achte ich heute beispielweise bewusst darauf, bequeme und passende Kleidung zu tragen – zum Beispiel vermeide ich zu enge BHs oder andere einschränkende Kleidungsstücke.
Was mir morgens hilft
Jeden Morgen habe ich mir angewöhnt, meinen Körper einmal abzubürsten und dann zu lockern. Keine großen Dehnungen – sondern einfach so, dass ich jedes Körperteil bewusst wahrnehme. Meinen Nacken dehne ich besonders und klopfe Kopf und Kiefer sanft mit den Fingern ab.
Das klingt vielleicht esoterisch, aber danach fühlt sich die Energie in meinem Körper einfach besser verteilt an. Und wenn sie morgens gut fließt, läuft meistens auch der Tag besser.
Achtsamkeit für den eigenen Körper
Das Wichtigste, was ich gelernt habe: Es geht nicht nur um die offensichtlichen Trigger. Meine Erfahrung ist: Jede körperliche Belastung, die ich angehe, kann meine Migräne positiv beeinflussen – gerade die scheinbar kleinen körperlichen Trigger können bei mir einen Unterschied machen. Unser Körper ist ein System und alles hängt miteinander zusammen.
Heute möchte ich euch vor allem ermutigen: Seid achtsam mit eurem Körper. Erlaubt euch, behutsam mit eurem Körper umzugehen, wenn es erforderlich ist. Jede Verbesserung zählt – und zusammen machen sie einen Unterschied.
Fragt euch doch einmal selbst: Welche „versteckten“ körperlichen Trigger könnt ihr bei euch entdecken?
Eure Tanja
Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich um die persönlichen Erfahrungen der betroffenen Person. Die Aussagen basieren auf individuellen Erlebnissen und stellen keine allgemeingültigen Empfehlungen dar.
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