Migräne und Ernährung: Ein Leben ohne Schokolade?
Vermutlich hast du dir schon oft überlegt, was die Migräneattacke diesmal ausgelöst haben könnte. War es Stress, der Wetterumschwung, Kaffee oder Alkohol? Gerade im Bereich der Nahrungsmittel gibt es lange Listen von Triggern, die im Verdacht stehen, Migräne auszulösen. Häufig sind es Kaffee, Rotwein, Alkohol, reifer Käse, Tomaten oder Schokolade. In einer wissenschaftlichen Studie werden über 400 verschiedene Auslöser identifiziert, die von Betroffenen als Auslöser ihrer Migräne genannt werden.1 Vor allem Schokolade und Alkohol stehen ganz oben auf der Liste.
Es gibt keinen eindeutigen Nachweis, dass Schokolade Migräne auslösen kann.2
Die Forschenden nehmen an, dass der Heißhunger auf Süßes, von dem viele Betroffene erzählen, ein Ankündigungssymptom für eine Migräneattacke ist.3 Ob man Schokolade isst oder nicht, spielt dabei keine Rolle – man bekommt Migräne, weil sie schon unterwegs ist. Ähnlich sieht es auch bei Alkohol aus.
In einer Studie wurde der Stellenwert von Alkohol als Auslöser von Migräneattacken untersucht.4 Manche Patientinnen und Patienten mit Migräne reagieren z. B. besonders auf bestimmte Bestandteile im Wein (Histamin, Tyramin oder Sulfite). Rotwein löste nur bei einem kleinen Teil (8,8 %) der Migräne-Betroffenen immer und ausnahmslos eine Migräneattacke aus.4 Daher wird bezweifelt, dass Rotwein und andere alkoholische Getränke jeweils eigenständige Trigger sind. In Kombination mit anderen Auslösern kann Alkohol aber Migräneattacken begünstigen.
Für einen Großteil der Menschen, die mit Migräne leben, führt es zu keiner wesentlichen Verbesserung, wenn sie auf allgemeine Trigger wie Schokolade oder Rotwein verzichten. Wichtiger ist: Kenne deine individuellen Trigger!
Migräne: Allgemeine Trigger und persönliche Trigger
Was bringen also diese Listen mit Nahrungsmitteln, die Migräne auslösen können? Soll man das alles nicht mehr essen? Nie mehr Schokolade? Denn eines ist klar: Solange man Migräne hat, müsste man diesen Verzicht aufrechterhalten. Doch die Auslöser einer Migräneattacke sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich: Um deine individuellen Trigger herauszufinden, solltest du Nahrungsmittel ausprobieren und dich selbst beobachten.5 Das geht leichter mit einem Kopfschmerztagebuch. Hier kannst du deine persönlichen Trigger eintragen und so im Laufe der Zeit möglicherweise Zusammenhänge erkennen.
Pauschal bestimmte Lebensmittel zu meiden, die möglicherweise Migräne auslösen könnten, schränkt dein Leben unnötig ein.
Wichtig zu wissen: Zwischen dem Verzehr eines Lebensmittels und dem Auftreten einer Migräneattacke können mehrere Stunden liegen. Außerdem sind Lebensmittel meist dann ein Auslöser, wenn sie in Kombination mit anderen Triggern auftreten. Daher kannst du alles essen und trinken, was nicht eindeutig als Auslöser identifiziert wurde. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit vielen frischen Zutaten ist jedenfalls eine gute Wahl – und macht mehr Spaß!
Persönliche Migräneauslöser finden
Pauschal auf Lebensmittel zu verzichten, weil sie als Auslöser für Migräneattacken gelten, bringt selten Verbesserung für deine individuelle Migräne. Häufig spielt auch die Kombination von verschiedenen Triggern eine Rolle, z. B. Schlafmangel, Rotwein und Stress. Solche Zusammenhänge kannst du ebenfalls in deinem Tagebuch erkennen, wenn du Trigger regelmäßig dokumentierst.
Für die Vorbeugung und Behandlung von Migräne ist ein individueller und ganzheitlicher Ansatz entscheidend. Dazu gehören:6
- Aufmerksamkeit für deine persönlichen Auslöser, die du mithilfe eines Kopfschmerztagebuches herausfinden kannst.
- Eine vollwertige Ernährung ohne Nährstoffmangel. Hierzu gehören frisches Obst, Gemüse und möglichst frisch zubereitete Gerichte. Fertigprodukte meiden und möglichst Produkte ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker bevorzugen.
- Regelmäßig und in Ruhe essen. Circa 2,5 Stunden vor dem Schlafengehen solltest du das letzte Mal etwas essen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Das bedeutet mindestens 1,5 Liter pro Tag, am besten eignen sich Wasser, Kräuter- oder Ingwertee.
- Ein ausgewogener Lebensstil. Ein geregelter Tagesablauf, Ausdauersportarten, wie beispielsweise Joggen, gezielte Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung und vollwertige Ernährung können sich günstig auf Migräne auswirken.7
Es ist ganz einfach: Führe ein Kopfschmerztagebuch und beobachte, was bei dir Migräne auslösen könnte.
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2. Nowaczewska M et al. To Eat or Not to Eat: A Review of the Relationship between Chocolate and Migraines. Nutrients. 2020; 12(3):608. https://www.mdpi.com/2072-6643/12/3/608, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
3. Lisicki M, Schoenen J. Old Habits Die Hard: Dietary Habits of Migraine Patients Challenge our Understanding of Dietary Triggers. Front Neurol. 2021;12:748419. Published 2021 Nov 18. doi:10.3389/fneur.2021.748419, https://www.frontiersin.org/journals/neurology/articles/10.3389/fneur.2021.748419/full, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
4. Onderwater GLJ et al. Alcoholic beverages as trigger factor and the effect on alcohol consumption behavior in patients with migraine. 2018; 26(4):588-595. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.13861, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
5. https://www.migraeneliga.de/seminaraufzeichnung-die-richtige-ernaehrung-bei-migraene, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
6. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-chronischen-Kopfschmerzen-oder-Migraene,migraene118.html, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
7. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-152011/beratungswissen-kopfschmerz-und-migraene/gesunde-lebensweise-hat-potenzial/, zuletzt abgerufen am 10.03.2026
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