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Migräne verstehen

Migräneattacke: Wann deine Akuttherapie ein Update brauchen könnte

Juni 2026 · Redaktion ·

Erst ist da nur ein Ziehen, ein Druck, ein ungutes Gefühl. Aber du weißt: Die Migräneattacke kommt. Du hast deine Akutmedikamente griffbereit. Aber manchmal fragst du dich: Warum helfen sie nicht richtig? 5 Zeichen, wann du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen solltest.

Du nimmst dein Medikament – in der Hoffnung, dass es dich schnell zurück in deinen Tag bringt. Zur Arbeit. Zu deiner Familie. Zu dem, was du eigentlich vorhattest. Doch manchmal läuft es anders.

Migräneattacken sind individuell, und auch Akuttherapien wirken nicht bei allen Menschen gleich. Bei manchen helfen bestimmte Medikamente schnell, bei anderen nicht ausreichend, bei wieder anderen zu kurz usw. Manche Akutmedikamente führen vielleicht zu Nebenwirkungen oder sogar zu noch mehr Kopfschmerzen, wenn sie zu häufig genommen werden. Gleichzeitig ist die Auswahl an Wirkstoffen heute größer und differenzierter als je zuvor. Erst vor kurzem hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gemeinsam mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) die Leitlinie zur Migränetherapie umfassend aktualisiert.1 Aber wichtig ist nicht nur, welches Medikament du einnimmst, sondern auch wann, wie oft, und wie verträglich es für dich ist.

5 Zeichen, dass deine Migräne-Akuttherapie Aufmerksamkeit verdient

Hast du auch manchmal das Gefühl, dass deine Akuttherapie nicht ausreichend gut wirkt? Dann lohnt es sich, näher hinzuschauen und gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu überlegen, ob es eine bessere Option für dich gibt. Die aktuellen Empfehlungen zur akuten Migränetherapie betonen, dass die Behandlung an deine Attackenstärke, Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Verträglichkeit und persönlichen Bedürfnissen angepasst werden sollte.1 Die folgenden fünf Zeichen können dir helfen, besser einzuschätzen, ob deine Migräne-Akuttherapie zu dir passt. Wenn sie das nicht tut, ist das ein guter Grund, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber zu sprechen.

1. Dein Mittel hilft zu spät – oder nicht stark genug

Wenn eine Migräneattacke beginnt, zählt oft jede Minute. Schmerzlinderung, Licht und Geräusche besser ertragen können oder überhaupt erst aus dem Bett kommen – darauf kommt es jetzt an. Ein wichtiges Ziel der Akuttherapie ist, dass du nach etwa zwei Stunden eine deutliche Besserung spürst. Im besten Fall bist du dann schmerzfrei oder kannst deinen Alltag zumindest wieder deutlich besser bewältigen – beides sind anerkannte Behandlungsziele. Auch in Leitlinien und Studien wird die Wirkung nach zwei Stunden häufig als wichtiger Maßstab genutzt.1,2

Wenn dein Medikament regelmäßig nicht ausreichend hilft, erst sehr spät wirkt oder dich die Migräne trotzdem lange aus deinem Alltag nimmt, ist das ein guter Grund, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber zu sprechen. Vielleicht passt die Behandlung noch nicht optimal zu deinen Migräneattacken. Vielleicht war der Einnahmezeitpunkt schwer einzuschätzen oder Übelkeit hat verhindert, dass das Medikament gut wirken konnte. Auch eine andere Darreichungsform kann im Alltag manchmal besser geeignet sein.1

„Lange dachte ich, dass Migräne mich wie ein Sturm überfällt – plötzlich und unkontrollierbar. Doch mit der Zeit habe ich gelernt: Sie kündigt sich an. Leise, aber deutlich, wenn ich genau in mich hineinspüre.“
Migränepatientin Tanja

2. Du wartest ab – aus Sorge, etwas falsch zu machen

Vielleicht hoffst du, dass die sich ankündigende Migräneattacke doch nicht stärker wird. Vielleicht hast du Angst vor Nebenwirkungen oder davor, zu oft Medikamente einzunehmen: Nehme ich jetzt etwas – oder warte ich lieber noch?

Doch viele Migräneattacken können besser behandelt werden, wenn die Akuttherapie früh eingenommen wird – also bevor der Schmerz sehr stark wird. Die DGN/DMKG-Leitlinie empfiehlt, Akutmedikamente frühzeitig im Verlauf der Attacke einzunehmen.1

Dafür ist es gut zu wissen, dass Migräneattacken in der Regel in vier Phasen ablaufen, die jeweils eigene Symptome mit sich bringen. Manche Menschen erkennen eine Attacke früh an typischen Vorboten wie Heißhunger, Verspannungen an Nacken und Schultern oder Berührungsempfindlichkeit.3 Andere merken vielleicht erst in der Kopfschmerzphase sicher, dass es Migräne ist.

Die Lösung ist nicht, häufiger „auf Verdacht“ Medikamente zu nehmen. Die Lösung ist ein klarer Plan, den du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen kannst und der dir Sicherheit gibt: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Was mache ich bei einer Aura? Was gilt bei Übelkeit? Und wie vermeide ich, zu viele Einnahmetage zu haben?

3. Der Schmerz kommt nach erster Besserung wieder zurück

Das Akutmedikament hilft zunächst – doch der Schmerz kommt nach einigen Stunden wieder? Das kann sich anfühlen, als würde dir die Migräne den gewonnenen Tag wieder wegnehmen.

Wenn die Kopfschmerzen nach anfänglicher Besserung häufiger zurückkehren, kann das darauf hinweisen, dass die Wirkung nicht lange genug anhält oder die Behandlung nicht optimal zu deinen Migräneattacken passt. In Studien zur Akuttherapie wird deshalb nicht nur untersucht, ob Schmerzen kurzfristig besser werden, sondern auch, ob die Besserung anhält.2

Hilfreich ist, genau festzuhalten: Wann wurde es besser? Wann kam der Schmerz zurück? Musstest du nachdosieren? Gab es Nebenwirkungen? Solche Informationen helfen deiner Ärztin oder deinem Arzt, deine Behandlung noch besser auf dich abzustimmen.

4. Du brauchst Akutmedikamente an vielen Tagen im Monat

Es ist verständlich, dass du bei Migräne schnell etwas nehmen möchtest, das hilft. Akutmedikamente sind wichtig – werden sie jedoch sehr häufig gebraucht, kann ein ungünstiger Kreislauf entstehen: mehr Kopfschmerzen, mehr Medikamente, noch mehr Kopfschmerzen. Fachleute sprechen dann von Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch (MOH).1

Als Orientierung gilt: Je nach Medikamentenart wird es kritisch, wenn Akutmittel an etwa 10 bis 15 Tagen pro Monat eingenommen werden – besonders, wenn das über mehrere Monate passiert.1

Eine Abbildung, die die Medikamenteneinnahme bei einer Akutmedikation gegen Migräne zeigt.

Behalte die Einnahmetage deiner Akutmedikamente im Blick und sprich sie im ärztlichen Gespräch offen an. Möglicherweise kommt eine Migräne-Prophylaxe für dich infrage. Sie setzt nicht bei der akuten Attacke an, sondern früher – damit es gar nicht erst so oft dazu kommt.1

5. Nebenwirkungen belasten dich – und du sagst nichts

Völliger „Knock-out“ nach der Attacke? Manche Nebenwirkungen werden fast schon „mit eingeplant“: Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel, Druck- oder Engegefühl, Benommenheit oder das Gefühl, nach der Einnahme der Akutmedikamente nicht so belastbar zu sein, wie du es dir wünschen würdest.

Vielleicht denkst du: Hauptsache, der Schmerz geht weg. Oder: Andere kommen damit ja auch zurecht. Aber dein Empfinden zählt! Eine Behandlung soll dir helfen – nicht dich auf andere Weise ausbremsen.

Wenn Nebenwirkungen dich verunsichern, belasten oder dazu führen, dass du dein Medikament zu spät oder gar nicht einnimmst, solltest du das ärztlich besprechen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Akuttherapie und unterschiedliche Darreichungsformen. Zusätzlich sind in den letzten Jahren weitere migränespezifische Behandlungsansätze hinzugekommen, die im Einzelfall ärztlich geprüft werden können. Besonders wichtig ist das, wenn Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Risiken, Schwangerschaft, Stillzeit, Allergien oder andere Medikamente eine Rolle spielen.1,2

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Akuttherapie bei Migräne: Es gibt mehr Optionen, als du denkst

Die wirksamste Akuttherapie ist nicht unbedingt die erste, die man ausprobiert. Wenn deine Migräne-Akutmedikamente dir nicht zuverlässig helfen, der Schmerz zurückkommt, du viele Einnahmetage hast oder Nebenwirkungen dich belasten, musst du das nicht einfach hinnehmen. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber – es gibt mehr Behandlungsmöglichkeiten, als du vielleicht denkst!

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung durch Ärztinnen und Ärzte.

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1 Diener HC, Förderreuther S, Kropp P, Reuter U, et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. S1-Leitlinie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) & Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), register.awmf.org (030-057). 2025.
2 Qaseem A, et al.; Clinical Guidelines Committee of the American College of Physicians. Pharmacologic Treatments of Acute Episodic Migraine Headache in Outpatient Settings. Ann Intern Med. 2025. doi:10.7326/ANNALS-24-03095.
3 Ferrari MD et al. Migraine. Nature Reviews – Disease Primers. 2022; 8(2):
1-20. https://doi.org/10.1038/s41572-021-00328-4

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