Migräne bei Frauen: Interview mit Frau Dr. Israel-Willner zu Hormonen, Zyklus und Wechseljahren
Migräne bei Frauen: Wie hängen Hormone und Migräne zusammen?
Was ist das Besondere an Migräne bei Frauen im Gegensatz zu Migräne bei Männern?
Das Besondere an Migräne bei Frauen liegt vor allem in ihrer deutlich höheren Häufigkeit und stärkeren Gesamtbelastung im Vergleich zu Männern. Während der hormonaktiven Lebensphase sind Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger von Migräne betroffen. Zudem zeigen große epidemiologische Studien, wie etwa die des „Global Burden of Disease“, dass Frauen weltweit stärker beeinträchtigt sind – sowohl hinsichtlich der Schwere der Erkrankung als auch in Bezug auf Begleiterkrankungen und die Dauer der Migräne.
Hormone, Zyklus und Periode
Welchen Einfluss haben der weibliche Zyklus und die Hormone auf die Migräne: Können diese die Migräne verbessern – oder sogar verschlechtern?
Hormonelle Schwankungen können bei manchen Frauen Migräneattacken begünstigen, so zum Beispiel der Abfall des Östrogens im weiblichen Zyklus kurz vor Beginn der Menstruation. Bei einigen Betroffenen bessert sich Migräne in der Schwangerschaft, insbesondere wenn sich hormonelle Schwankungen stabilisieren.
Periode & Migräne: Warum werden Kopfschmerzen rund um die Periode oft schlimmer – und was hilft sofort?
Rund um die Periode kommt es häufig zu einer Verschlechterung der Migräne, weil der Abfall des Östrogenspiegels vor Beginn der Menstruation als Auslöser wirken kann. Viele Frauen erleben rund um die Menstruation (etwa zwei Tage vor bis zwei Tage nach Beginn der Periode) verstärkte Migräneattacken, die bei manchen als besonders intensiv, langanhaltend und schwerer behandelbar beschrieben werden.
Frühzeitige Einnahme der Akutmedikation: Wer seine Migräne kennt, sollte möglichst direkt bei den ersten Anzeichen ein geeignetes Medikament einnehmen, um die Stärke der Attacke zu reduzieren.
Ruhe und Reizreduktion: Ein abgedunkelter, ruhiger Raum sowie Entspannung können helfen, die Beschwerden zu lindern und die Attacke besser zu kontrollieren.
Vorbeugen rund um die Tage: Gibt es Dinge, die man 2–3 Tage vor der Periode tun kann, wenn man von Migräne betroffen ist?
Zur Vorbeugung von Migräne rund um die Periode gibt es gezielte Maßnahmen, die bereits 2–3 Tage vor Einsetzen der Menstruation begonnen werden können. In einzelnen Fällen kann eine ärztlich begleitete Kurzzeitprophylaxe erwogen werden, etwa mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel, zum Beispiel Naproxen. Dabei wird ab zwei Tagen vor der Periode für ungefähr eine Woche zweimal täglich eine Dosis von 250 mg eingenommen.
Diese Vorgehensweise kann die perimenstruelle Migräne, also die Migräne, die kurz vor, während oder direkt nach der Periode auftritt, reduzieren. Wichtig ist, die Wirksamkeit über mehrere Zyklen hinweg zu beobachten – idealerweise sollte die Anwendung über mindestens drei Menstruationszyklen getestet werden, um den Effekt zuverlässig beurteilen zu können. Ob und über welchen Zeitraum diese Strategie sinnvoll ist, sollte ärztlich begleitet werden.
Verhütung bei Migräne
Verhütungsoptionen im Überblick: Welche Methoden passen bei Migräne tendenziell besser, welche eher nicht?
Je nach individueller Situation können östrogenfreie Verhütungsmethoden eine geeignete Option sein, da sie den Hormonspiegel weniger stark beeinflussen und kein zusätzlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen mit sich bringen. Das ist besonders wichtig für Frauen, die eine Migräne mit Aura haben. Natürlich sollte jede Verhütungsmethode individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Verhütungsmethoden bei Migräne
- Minipille (östrogenfrei)
Für manche Betroffene kann eine östrogenfreie Pille infrage kommen. In einigen Studien wurde eine mögliche vorbeugende Wirkung auf Migräne beschrieben, aber natürlich ist die Wirkung individuell unterschiedlich. - Hormonspirale
Ebenfalls eine Option, da sie überwiegend lokal wirkt und den systemischen Hormonspiegel nur wenig beeinflusst. - Kupferspirale (hormonfrei)
Eine sichere Alternative ohne hormonellen Einfluss, daher neutral in Bezug auf Migräne. - Kondom
Hormonfrei und somit ebenfalls unproblematisch in Bezug auf Migräne. - Kombinationspille (mit Östrogen)
Eher weniger geeignet, da sie Migräne – insbesondere in den Pillenpausen – verschlechtern kann und mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden ist. Falls nicht vermeidbar, auf einen geringen Östrogengehalt achten.
Insgesamt sollte die Verhütungsmethode individuell ausgewählt und immer gynäkologisch besprochen werden.
Migräne mit Aura: Was sollte man beim Thema Verhütung bedenken?
Bei Migräne mit Aura sollten östrogenhaltige Verhütungsmittel vermieden werden, da sie Auren auslösen oder verstärken können und zudem das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen – insbesondere, wenn weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Übergewicht bestehen. Stattdessen sind östrogenfreie Methoden in der Regel die bessere Wahl, da sie dieses zusätzliche Risiko nicht mit sich bringen und die Migräne meist weniger beeinflussen. Eine individuelle ärztliche Beratung ist in jedem Fall sinnvoll, um die passende und sichere Verhütungsmethode zu finden.
Migräne in den Wechseljahren
Wie können sich die Wechseljahre auf die Migräne auswirken?
Der Verlauf von Migräne kann sich in der Perimenopause und nach den Wechseljahren unterschiedlich verändern. In der Perimenopause, also der Übergangszeit vor der letzten Regelblutung, kommt es häufig zunächst zu einer Zunahme der Migräneattacken. Grund dafür sind die stark schwankenden Östrogenspiegel, die nicht nur Hitzewallungen und andere Beschwerden auslösen, sondern auch Migräne triggern können.
Ein geregelter Alltag, die Vermeidung bekannter Trigger und die gezielte Behandlung der Migräne zum Beispiel mit einer Prophylaxe kann in der Perimenopause die Migräne stabilisieren. In manchen Fällen kann auch eine individuell angepasste hormonelle Therapie erwogen werden, die jedoch sorgfältig ärztlich abgewogen werden sollte.
Nach den Wechseljahren (Postmenopause) berichten hingegen viele Frauen über eine deutliche Besserung der Migräne. Das liegt daran, dass hormonelle Schwankungen als wichtiger Auslöser wegfallen und sich ein stabil niedriger Hormonspiegel einstellt. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Frauen, deren Migräne zuvor stark hormonabhängig war (rein menstruelle Migräne) – auch wenn diese Form insgesamt eher selten ist.
Alltag mit Migräne
Haben Sie Alltagstipps – speziell für Frauen mit Migräne?
Menschen mit Migräne profitieren besonders von einem möglichst regelmäßigen Alltag. Diese drei Dinge können unterstützend wirken:
- Achten Sie auf einen konstanten Schlafrhythmus – idealerweise jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen, auch wenn es nur mit einem Minimalziel von etwa 7 Stunden Schlaf beginnt.
- Für Ernährung und Bewegung gilt: Nehmen Sie regelmäßig Mahlzeiten ein, trinken Sie ausreichend und integrieren Sie Ausdauersport in Ihren Alltag – zum Beispiel mindestens 3-mal pro Woche 30 Minuten, ganz egal ob Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Ebenso wichtig ist ein aktives Stressmanagement: Planen Sie täglich mindestens 10 Minuten für Entspannung ein, etwa mit Methoden wie Yoga, progressiver Muskelentspannung oder Atemübungen, und finden Sie heraus, was Ihnen persönlich am besten hilft.
Was möchten Sie Menschen mit Migräne gerne mitgeben?
Finden Sie Ihren Weg mit der Migräne umzugehen. Finden Sie heraus, welche Faktoren Ihre Migräne positiv beeinflussen und verstärken sie diese bzw. versuchen Sie positive Rituale zu etablieren. Migräne ist eine sehr individuelle Erkrankung mit den unterschiedlichsten Erscheinungsformen…und genauso individuell muss eine Migränetherapie aussehen. Werden Sie Expertin für Ihre eigene Erkrankung, damit sie nicht Patientin, sondern einfach ein Mensch mit Migräne sind.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung, Diagnosestellung oder Therapieempfehlung durch Ärztinnen und Ärzte.
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