Leben mit HIV

Richtig behandelt können HIV-Positive ein Leben führen wie jeder andere auch. Ob Arbeit, Beziehung, Reisen oder Sport, wenn sie einige Hinweise beachten, geht das alles nahezu ohne Einschränkungen.

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Selbstbewusst mit HIV

Eine HIV-Infektion ist ein Einschnitt im Leben – keine Frage. Je mehr die Infizierten über ihre chronische Erkrankung wissen, desto besser können sie oft damit umgehen. Wichtig ist vor allem, sich das Leben nicht von der Krankheit diktieren zu lassen.

Einmal übertragen, bleibt das HI-Virus bei dem aktuellen Stand der Wissenschaft zwar lebenslang im Körper. Aber medikamentös gut eingestellt, lässt sich ein normales Leben ohne große Einschränkungen führen.

Das Leben mit dem HI-Virus wirft viele Fragen auf. Immer mal wieder treten Unsicherheiten zutage. Wie werden mein Partner, meine Familie, meine Freunde mit der Infektion umgehen? Mit wem kann ich offen über meine Infektion reden? Was ist mit Versicherungen? Kann ich meinen Job genauso weitermachen wie bisher?

Information und Wissen helfen in solchen Fällen weiter, Ängste zu überwinden und sicherer im Umgang mit der Infektion zu werden. Patienten, die Experten für ihre Krankheit werden, fühlen sich weniger hilflos und gehen selbstbewusster damit um. Sie entscheiden selbst über ihr Leben, ihre HIV-Erkrankung und können Risiken für sich und andere besser abschätzen. Wir haben auf dieser Seite die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

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Alltag mit HIV: Wem erzählen?

Ob in der Freizeit oder auf der Arbeit, Menschen mit HIV genießen ihr Leben in vollen Zügen, genauso wie alle anderen. Dennoch treten an einigen Stellen Fragen auf. Ansprechpartner wie Aids-Hilfen, Schwerpunktärzte oder Selbsthilfegruppen kennen die Situation sehr genau, können Fragen beantworten, Ängste nehmen und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen finden. Immer wieder müssen HIV-Positive entscheiden, ob und mit wem sie über die Infektion reden oder ob sie diese besser verschweigen. Während es entlastet und Stress vermeidet, Vertraute zu haben, kann es auch sein, dass Freunde oder Angehörige ablehnend reagieren. Oft sind sie einfach überfordert, wissen zu wenig über HIV oder haben Angst um den geliebten Menschen.

Vertrauen ist eine wichtige Komponente

Gut ist es, zuerst mit einer oder mehreren Personen zu sprechen, die besonders vertraut sind: die Eltern, die beste Freundin, ein enger Kollege. Hilfreich ist es, sich selbst auch vorher gut zu informieren, denn häufig haben diese vertrauten Menschen im ersten Moment auch selber viele Fragen – und können erst mit etwas Verspätung richtig gut unterstützen. Gemeinsam können Fragen oder Ängste besprochen und dann auch ausgeräumt werden.

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Älter werden mit HIV

In den 1980er- und 90er-Jahren war undenkbar, was heute Realität ist: HIV-Positive haben in der Regel eine ganz normale Lebenserwartung. Damit rückt auch das Thema Älter werden näher. In Deutschland sind bereits ein Drittel der HIV-Infizierten über 50. Viele wollen auch im Alter möglichst lange selbstbestimmt und in vertrauter Umgebung leben. Zunehmend entstehen in größeren Städten gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Stiftung Wohnprojekte für Menschen mit HIV, die das Bedürfnis nach Eigenständigkeit genauso berücksichtigen wie den Versorgungsbedarf.

Alter ist nur ein Lebensabschnitt

Der Gedanke an das Alter macht oft Angst und wird gern verdrängt. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, kann das Leben im Alter besser nach den eigenen Wünschen gestalten. Wie will ich meinen Lebensabend verbringen? Wer versorgt mich, wenn ich das selbst nicht mehr kann? Das sind nur einige Fragen, die sich HIV-Positive ebenso stellen wie ihre Mitmenschen. Alterserscheinungen und erste Gebrechen kommen genauso dazu wie mögliche Gefühle von Einsamkeit, gerade wenn man ohne Partner lebt. Hier können spezielle Treffpunkte und Angebote unterstützen. Gemeinsam mit anderen können sich völlig neue Wege aus der Einsamkeit finden lassen. Gerade hat sich zum Beispiel der erste deutsche schwule Seniorenverband formiert. In manchen Aids-Hilfen gibt es bereits Angebote speziell für ältere HIV-Positive.

Vorbereiten auf den Fall der Fälle

Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sind häufig noch nicht auf den Bedarf von HIV-Patienten eingerichtet. Dazu kommen Unwissen und Vorurteile bei Klinikleitung und Pflegepersonal. Diskriminierende Erfahrungen lassen sich vermeiden, wenn frühzeitig verschiedene Einrichtungen geprüft werden und man mit den Pflegern vorab ins Gespräch geht. Reden hilft immer. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sichern zusätzlich ab.

Langzeitfolgen im Blick behalten

Die zunehmende Lebenserwartung von Menschen mit HIV hat noch ein weiteres Thema in den Blickpunkt rücken lassen, das sich bislang kaum erforschen ließ. Eine langjährige HIV-Therapie kann körperliche Veränderungen mit sich bringen.
So wurden in den letzten Jahren vereinzelt vor allem Schädigungen der Leber und der Niere festgestellt. Zu den möglichen Langzeitfolgen zählt zudem ein erhöhter Cholesterinspiegel, der das Risiko für einen Herz- oder Schlaganfall erhöht. Viele Langzeitinfizierte berichten über Depressionen und Schlafstörungen. Manche Medikamente werden mit Veränderungen im Gehirn in Verbindung gebracht. Andere Tabletten stehen im Verdacht, einen vorzeitigen Knochenschwund auszulösen.
Um auf solche oder ähnliche Symptome rechtzeitig reagieren zu können, ist eine eingehende Untersuchung wichtig. Möglicherweise empfiehlt es sich, ein Medikament auszutauschen. Bleiben Sie im engen Austausch mit Ihrem Arzt.

Mehr zum Thema: www.iwwit.de

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Stigmatisiert durch HIV

Als in den 1980er-Jahren erstmals Aids und HIV in das Licht der Öffentlichkeit rückten, war die Krankheit noch weitgehend unerforscht. Schnell vermischten sich verschiedene Aspekte: die Angst vor der Ansteckung und dem damals fast sicheren tödlichen Ausgang. Schwuler Sex galt weitgehend als moralisch verwerflich. Die Infizierten hatten selbst Schuld, weil sie Sex ohne Kondom praktizierten. In der Folge wurden HIV-Infizierte stigmatisiert und diskriminiert. Heute gehören HIV und Aids zu den am besten erforschten Erkrankungen auf der Welt. Die Bevölkerung ist deutlich besser aufgeklärt. Dennoch erleben HIV-Positive immer noch Stigmatisierung und Ausgrenzung in vielen Lebensbereichen.

 

Diskriminierung strategisch abwehren

Die Folgen von Diskriminierung können sich körperlich und psychisch auswirken, beispielsweise in Depressionen. Doch welche Strategien helfen dagegen? Aufklärung und Information durch Aids-Hilfen, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Schwerpunktärzte oder Pharmafirmen bleiben wichtig. Gespräch und Austausch mit anderen Positiven können für das Selbstwertgefühl Wunder bewirken. Sie fühlen sich verstanden und lernen aus der Erfahrung anderer, wie sie mit konkreten Erlebnissen besser umgehen und diese verarbeiten können. Vor allem im beruflichen Bereich hilft auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es verbietet zum Beispiel, Menschen aufgrund ihrer Behinderung zu benachteiligen. Laut eines Gerichtsurteils des Bundesarbeitsgerichts (Urteil v. 19.12.2013, Az. 6 AZR 190/12) gilt dieses auch für die HIV-Infektion.

Mehr zum Thema: www.positive-stimmen.de
Die Kontaktstelle gegen HIV-bezogene Diskriminierung unterstützt und hilft weiter in konkreten Fällen von Diskriminierung und Stigmatisierung.

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Arbeiten mit HIV

Zwei Drittel aller HIV-Positiven gehen in Deutschland einer Tätigkeit nach – das entspricht annährend dem bundesdeutschen Durchschnitt. Und sie sind im Job sehr erfolgreich. Sie fallen genauso oft oder genauso selten wegen Krankheit aus wie ihre HIV-negativen Kollegen. Sie leisten genauso viel und gehen ganz normalen Berufen nach.

Zwei Dinge sind darüber hinaus noch besonders wichtig zu wissen: Niemand muss über seine Infektion reden. Der Arbeitgeber hat kein Recht, davon zu erfahren. In Einstellungsgesprächen dürfen HIV-Positive sogar ohne Folgen die Infektion verschweigen (ähnlich wie beim Thema Schwangerschaft). Eventuelle Ängste davor, andere anzustecken, sind unbegründet – auch im Pflegebereich, in der Medizin oder in der Gastronomie. Die üblichen Hygiene- und Schutzvorschriften gelten für alle Mitarbeiter gleich und sind ausreichend.

Unwissenheit schafft Vorbehalte

Obwohl keine Risiken bestehen und HIV-Positive genauso leistungsfähig sind wie andere Mitarbeiter, bestehen bis heute Vorbehalte. Die Angst davor, ausgegrenzt zu werden, hält deshalb viele HIV-Positive davon ab, mit ihrer Infektion offen umzugehen. Nur etwa ein Drittel redet mit Kollegen darüber. Und tatsächlich erlebte jeder Vierte schon Diskriminierung. Für viele stellt sich aber dennoch die Frage, ob und wem sie davon erzählen können. Wer offen lebt, fühlt sich oft befreiter. Doch dieser mutige Schritt will im Job gut überlegt und vorbereitet sein.

Wie sage ich es meinen Kollegen?

Laut einer Umfrage wird fast die Hälfte der HIV-Positiven, die am Arbeitsplatz offen leben, von Chef und Kollegen unterstützt. Ein weiteres Viertel reagiert neutral. Sich vorab über einige Dinge klar zu werden, erleichtert den Schritt:

  • Welches Ziel hat das HIV-Coming-out? Gerüchte vermeiden, Versteckspiel beenden oder einfach einen offenen Umgang leben wollen.
  • Wem erzähle ich davon? Informiere ich den Vorgesetzten, ausgewählte Kollegen oder alle? Übrigens muss ein Chef die Information für sich behalten, wenn dies gewünscht ist (auf die Schweigepflicht hinzuweisen, ist sicher ein guter Tipp).
  • Welche Folgen kann das Coming-out haben? Wie ist die Stimmung am Arbeitsplatz generell. Gab es bei vergleichbaren Themen schon Ängste und Vorurteile zu überwinden (zum Beispiel bei einer ausländischen Kollegin oder dem langen Ausfall eines Kollegen)? Schauen Sie mal genauer hin, sprechen mit Ihren Kollegen ganz allgemein, wie liberal und diskriminierungsfrei diese Ihren Arbeitgeber empfinden. Prüfen Sie alles und bilden Sie sich dann eine objektive Meinung. Das alles kann hilfreich sein.
  • Wo finde ich Unterstützung, wenn es schiefgeht? Das Coming-out muss niemand allein wagen. Freunde, Familie, eng vertraute Arbeitskollegen können unterstützend wirken. Auch eine Beratung in einer Aids-Hilfe kann im Vorfeld nützlich sein. Diese haben im schlimmsten Fall auch einen Rechtsanwalt zur Hand. Mehr dazu hier.
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Beziehung und Sexualität

Eine dauerhafte Partnerschaft und eine erfüllte Sexualität sind natürlich auch mit einer HIV-Infektion möglich. Kondome und die anderen Safer-Sex-Regeln schützen den Sexualpartner. Geht doch etwas schief, beispielsweise wenn das Kondom reißt, Ruhe bewahren. HIV lässt sich eigentlich nur schwer übertragen. Außerdem lässt sich das Risiko medikamentös auch im Nachhinein minimieren. Überlegen Sie bereits im Vorfeld und besprechen Sie sich miteinander, wie Sie mit so einem Fall umgehen wollen. Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt im Vorfeld darüber. Dann ist die Panik nachher nicht so groß. Wenn Ihr Partner regelmäßig Medikamente einnimmt, ist das Risiko sehr gering.

Sexualität und die Viruslast

HIV-Medikamente unterdrücken die Vermehrung der HI-Viren im Körper. Damit verringert sich auch das Ansteckungsrisiko. Neueste Erkenntnisse zeigen sogar, dass eine Übertragung praktisch ausgeschlossen ist, wenn

  • der HIV-Positive medikamentös optimal eingestellt ist und die Medikamente wie vorgeschrieben einnimmt, und
  • die Viruslast seit mindestens einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze liegt.

Sind die Voraussetzungen in Absprache mit dem Arzt erfüllt, kann das Kondom weggelassen werden, wenn beide Partner einverstanden sind. Mehr Informationen hierzu gibt es auf den Seiten der Deutschen AIDS-Hilfe

Partnerschaft für HIV-Positive

Auch wenn einer der beiden Partner positiv ist, steht einer glücklichen Beziehung nichts im Weg. Dennoch gibt es ein paar Herausforderungen zu meistern. Safer-Sex-Regeln und Informationen über den aktuellen Virusstatus schützen und beugen der Angst vor, den Partner zu infizieren. Nicht alle Ängste können sofort überwunden werden – egal ob sie sehr oder wenig wahrscheinlich sind. Treten solche oder andere Probleme auf, die gemeinsam nicht gelöst werden können, bieten die Aids-Hilfen Beratung und praktische Unterstützung an. Auch der Kinderwunsch ist für HIV-Infizierte kein Traum mehr, sondern kann gelebt werden.

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Kinderwunsch

Viele Menschen wünschen sich eigene Kinder. Dieser Wunsch lässt sich dank der modernen Medizin praktisch ohne Infektionsgefahr für Partner und Kind realisieren. Paare, bei denen ein oder beide Partner infiziert sind, lassen sich am besten von einem spezialisierten Arzt beraten. Für viele Paare ist eine Zeugung beim Geschlechtsverkehr möglich, wie bei HIV-Negativen auch. In den wenigen anderen Fällen kommt eine künstliche Befruchtung in Betracht.

Ein gesundes Kind

Das Kind könnte sich grundsätzlich während der Schwangerschaft, der Geburt und beim Stillen infizieren. Mehrere Methoden reduzieren das Risiko heutzutage erheblich. HIV-positive Schwangere können die Übertragung verhindern, wenn sie:

  • ihre HIV-Medikamente regelmäßig einnehmen,
  • die notwendigen Untersuchungen wahrnehmen,
  • in einer erfahrenen Klinik entbinden,
  • auf das Stillen verzichten,
  • das Kind nach der Geburt vorbeugend behandeln lassen. Richtwert ist eine vierwöchige Therapie mit HIV-Medikamenten.
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Psychische Gesundheit

Gerade Menschen mit einer chronischen Krankheit sollten ein spezielles Augenmerk auf ihre Psyche legen. Denn das körperliche Wohlbefinden wird vom seelischen beeinflusst. Auch wenn die Diagnose HIV für viele ein einschneidendes Ereignis ist, kommen die meisten Menschen mit einem positiven Testergebnis – nach einem ersten Schock – gut zurecht. Aber psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out nehmen seit Jahren auch in Deutschland zu. HIV oder die Trennung von einem geliebten Menschen, Lebenskrisen oder dauerhafter Stress können Auslöser sein. Depressionen gehen weit über ein momentanes Stimmungstief hinaus. Sie lassen sich aber mit verschiedenen Methoden wie Therapie, ärztlicher Begleitung, Sport und Medikamenten in der Regel gut behandeln. Der erste Schritt ist häufig, das Problem zu erkennen und vor sich selbst zuzugeben. Es ist sehr hilfreich, den Mut zu haben, sich professionelle Unterstützung zu suchen.

Angst beherrscht den Alltag

Hin und wieder Angst zu verspüren, ist ganz natürlich. In einigen Fällen leiden Menschen mit HIV aber unter zunehmenden Ängsten, beispielsweise vor sozialem oder beruflichem Abstieg, vor Ausgrenzung oder Langzeitfolgen. Wenn die Angst den Alltag und das ganze Leben beherrscht, ist es Zeit, einen Profi aufzusuchen. Ängste sind ebenfalls gut behandelbar. Die Telefon- und Onlineberatung der Aids-Hilfen oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) helfen bei Problemen und können geeignete Ansprechpartner vermitteln.

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Unterwegs und auf Reisen im Ausland

Ob dienstlich oder in der Freizeit, eine HIV-Infektion steht Reiseplänen grundsätzlich nicht im Wege. Im Urlaub lässt sich Kraft schöpfen und Stress abbauen. Einige Vorbereitungen erleichtern die Reise, besonders in ferne Länder. Anders als in Europa knüpfen die Behörden aber dort unter Umständen besondere Bedingungen oder Einschränkungen an die Einreise – bis hin zu einem Verbot. Wer gut informiert ist, kann sich dagegen wappnen. Eine gute Übersicht bietet die gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe unterhaltene Webseite hivtravel.org.

Ganz besondere Vorschriften herrschen in vielen Ländern der Welt, wenn der Aufenthalt in der Ferne länger dauern soll oder sogar dort gearbeitet werden soll. Dabei ist HIV nach wie vor oft ein echter Hindernisgrund. Bitte informieren Sie sich umfassend auf der Webseite der Deutschen AIDS-Hilfe und besprechen sich gegebenenfalls auch mit Ihrem Arbeitgeber. Hier kann man häufig die Diskriminierung am eigenen Leib nachfühlen, der viele HIV-Positive in anderen Ländern dieser Erde täglich ausgesetzt sind.

Vor der Reise – Impfungen

In vielen Ländern sind bestimmte Impfungen vorgeschrieben oder werden empfohlen. Zu den bekanntesten gehören Hepatitis und Tollwut. Regelmäßig und rechtzeitig den Impfstatus zu checken, ist unerlässlich. Ist das Immunsystem in Ordnung oder nur gering geschädigt, sind für Menschen mit HIV Impfungen problemlos möglich. Bei stärker vorgeschädigtem Immunsystem kann ein anschließender Bluttest klären, ob der Impfschutz ausreicht. Reisende sind auf der sicheren Seite, wenn sie sich vorab ausführlich von ihrem Schwerpunktarzt beraten lassen.

Auf der Reise – Medikamente

Medikamente gehören griffbereit ins Handgepäck. So bleibt der Erfolg der Therapie sichergestellt, wenn der Koffer doch einmal verloren gehen sollte.

Bei Reisen in eine andere Zeitzone verändern sich die Einnahmezeiten für Medikamente. Am besten: Vor der Reise die Einnahme über mehrere Tage jeweils um eine Stunde verschieben. Achten Sie auf Reisen genauso auf eine regelmäßige Einnahme der Medikamente wie zu Hause.

In einem anderen Land

Fernreisende ziehen sich nicht selten Magen-Darm-Infekte zu. Wer bestimmte Regeln beachtet, schützt sich davor. Leitungswasser – auch zum Zähneputzen – sollte genauso tabu sein wie Speiseeis, Eiswürfel oder Rohmilchprodukte. Auch lauwarme oder rohe Speisen wie Salate sind in der Regel nicht zu empfehlen. Obst sollte vor dem Verzehr mit Trinkwasser gereinigt werden. Gemeinsam mit Arzt und Apotheker kann für den Notfall eine Reiseapotheke zusammengestellt werden. Bei starken Durchfällen wird auch das Medikament unmittelbar wieder ausgeschieden. Dieses kann dazu führen, dass die Wirkung der Medikamente nachlässt, da die Wirkstoffe nicht mehr richtig vom Körper aufgenommen werden können. Die Einnahme sollte dennoch wie vorgeschrieben fortgeführt werden. Sowohl Hausmittel (Bananen, geriebener Apfel) als auch Medikamente gegen Durchfall können helfen. Dabei sollte auf tannin- oder kohlehaltige Medikamente verzichtet werden. Sie können die Aufnahme der Medikamentenwirkstoffe verschlechtern.

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Ernährung

Menschen mit einem stabilen Immunstatus können sich im Prinzip genauso ernähren wie HIV-Negative. Abwechslungsreich und vollwertig sind hier die Zauberworte. Grundlage für einen ausgewogenen Speiseplan sind die 10 Ernährungsregeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, dazu gehören:

  • die Vielfalt an Lebensmitteln genießen,
  • zugreifen bei Getreideprodukten, Kartoffeln (Minimum 30 g Ballaststoffe pro Tag), Gemüse und Obst (fünfmal am Tag eine Portion)
  • wenig Fett, Zucker und Salz,
  • viel Flüssigkeit (mindestens 1,5 l pro Tag),
  • schonende Zubereitung der Lebensmittel,
  • Zeit nehmen und Mahlzeiten auskosten.

Eine ausgewogene Ernährung stärkt zudem die Abwehrkräfte und das Wohlbefinden, tut Körper und Seele gut.

Spezielle Ernährungsempfehlungen

Die DGE-Regeln sind besonders wichtig, wenn die Viruslast erhöht und das Immunsystem geschädigt ist oder eine akute Infektion besteht. Besonders Obst und Gemüse bieten dem Stress, der im Körper ausgelöst wird, Paroli. Gut tut auch eine vermehrte Eiweißzufuhr durch mageres Fleisch, Fisch oder Milchprodukte.

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Sport & Bewegung

HIV-Experten wissen, dass HIV-Positive genauso vom Sport profitieren wie andere. Sport tut allen Menschen gut und hilft bei einer gesunden und ausgeglichenen Lebensweise. Sport schützt vor vielen Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und stärkt das Immunsystem. Natürlich muss jeder für sich seinen Sport entdecken und sein Maß finden. Machen Sie einen Spaziergang, statt mit dem Auto zu fahren, oder nehmen Sie die Treppen statt des Aufzugs. So können Sie auch im Alltag durch Bewegung positiv etwas für Ihre Gesundheit tun und Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen. Bewegung tut gut, stärkt das Immunsystem und beeinflusst Herz und Kreislauf positiv. Sport hilft beim Thema Knochendichte und beugt so Osteoporose vor. Verbesserte Lebensqualität, gestärktes Selbstbewusstsein und gesteigertes Wohlbefinden sind nur einige der positiven Wirkungen, von denen bewegungsaktive HIV-Patienten berichten. Auch die Nebenwirkungen von Medikamenten können gelindert werden oder seltener auftreten.

Regelmäßiges Training sticht Höchstleistungen

Zwei bis dreimal pro Woche jeweils 20 bis 30 Minuten Ausdauertraining reichen völlig aus. Wer mehr tun will, kann auch drei bis viermal pro Woche 30 bis 45 Minuten Joggen, Walken, Inlineskaten, Radfahren, Rudern oder Schwimmen. Im Vordergrund stehen gleichmäßige Atmung und ein erhöhter Puls bzw. Herzschlag. Wer sich beim Joggen noch gut unterhalten kann, liegt in der Regel richtig. Welche Trainingsreize ausreichend sind, hängt von der Person und ihrem individuellen Trainingszustand ab. Trainierte Sportler müssen schneller oder länger laufen, um sich zu steigern. Je nachdem ergänzen gezielter Kraft- und Muskelaufbau das Training. In vielen Städten bieten spezielle HIV-Sportgruppen die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen zu trainieren. Bevor sich Anfänger in Aktivitäten stürzen, sollten sie mit ihrem Arzt besprechen, welche Sportart am besten geeignet ist. Es empfiehlt sich auch, vorher die Herz-Kreislauf-Funktion zu testen.

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Recht

Verschiedene rechtliche Bereiche berühren immer wieder das Leben HIV-positiver Menschen. Deshalb ist es sinnvoll, sich einen kurzen Überblick zu verschaffen. Das Arbeitsrecht gibt Anhaltspunkte für den Umgang mit der Infektion im Beruf. Obwohl die Mehrheit berufstätig ist, gibt es auch Infizierte, die sich finanziell nicht versorgen können. Ihre Absicherung regelt das Sozialrecht. Es gehört zu den umfassendsten Gesetzeswerken und regelt neben der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung auch Arbeitslosengeld I und II. Die Aids-Hilfen beraten fachlich kompetent zu allen Fragen des Sozialrechts.

HIV-Patienten haben ständig mit dem Gesundheitswesen zu tun und werden selbst zu Experten für ihre Infektion. Schwerpunktärzte sind Fachleute für HIV und pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Patienten. Sie halten sich in der Regel an deren Patientenrechte. Sie behandeln sie nur mit ihrem Einverständnis und klären sie umfassend über die Krankheit und die Therapie auf.

Ob Krankenzusatzversicherungen oder Privatrente, das Thema Versicherung ist für HIV-Infizierte immer noch heikel. Oft werden Gesundheitsprüfungen verlangt. Spezielle Renten- oder Versicherungsberater können hier weiterhelfen. Fragen Sie Ihre Aidshilfe.

Strafrechtliche Regelungen

Wer in Deutschland seinen Partner durch Safer Sex vor einer Infektion schützt, macht rechtlich alles richtig. Kein HIV-Positiver ist verpflichtet, jeden Sexualpartner über seine Infektion zu informieren. Wer aber absichtlich oder fahrlässig HIV weitergibt, begeht nach deutschem Recht eine Körperverletzung, die grundsätzlich strafbar ist. Wie das Gericht nach einer Anzeige urteilt, hängt unter anderem davon ab, ob der Sexualpartner Bescheid wusste und ob der Sex einvernehmlich war. Gerichte haben hier in der Vergangenheit durchaus unterschiedlich geurteilt. Mehr zu dem Thema ist hier zu finden.

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Drogen und HIV

Als Drogen gelten frei verkäufliche Rauschmittel wie Alkohol, Zigaretten oder Poppers ebenso wie Substanzen, deren Besitz und Gebrauch strafbar ist. Dazu zählen Cannabis, Kokain, Ecstasy, Speed oder Heroin. Zusätzlich haben in den letzten Jahren gerade in der Partyszene Drogen wie Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB), Crystal Meth oder Ketamin an Bedeutung gewonnen.
Ein Rausch, egal mit welcher Substanz, vermindert vielfach das Risikobewusstsein. Das kann dazu führen, dass man sich und andere nicht mehr ausreichend vor einer Infektion mit HIV, einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) und/oder einer Hepatitis A, B oder C schützt.
Da ist es wichtig, sich vorab über die Wirkung und Risiken der Drogen kundig zu machen und Strategien für einen verantwortungsvollen Konsum zurechtzulegen. Dazu finden Sie mehr bei www.iwwit.de

Ein Drogengebrauch hat Einfluss auf eine bestehende HIV-Therapie. Denn die Wechselwirkungen zwischen den Substanzen sind mitunter immens und machen sich nicht immer sofort bemerkbar. Die einen Drogen heben, die anderen senken den Spiegel der HIV-Medikamente im Blut. Umgekehrt kann ein HIV-Medikament die Wirkung der Drogen schwächen oder verstärken.
Wenn Sie regelmäßig konsumieren, muss eventuell Ihre HIV-Therapie daran angepasst werden. Mit den meisten Schwerpunktärzten können Sie offen über die Wechselwirkungen sprechen und sich beraten lassen.

Mehr zu möglichen Wechselwirkungen finden Sie auf www.hiv-drogen.de, einem Angebot der Deutschen AIDS-Hilfe.

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