AML

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste Form der akuten Leukämien bei Erwachsenen. Sie entsteht durch eine Störung im Blutbildungsprozess.

Aus redaktionellen Gründen verzichten wir im Folgenden auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers. Gemeint sind jedoch selbstverständlich alle Geschlechter.

Menschen mit Blutkrebs in Alltagssituationen
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Krankheitsbild

Was ist eine AML?

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine Form von Blutkrebs, die vor allem im höheren Alter auftritt. Sie ist die häufigste Form akuter Leukämien bei Erwachsenen, in Deutschland erkranken jährlich mehr als 4.000 Menschen daran. Einer AML liegt eine Störung im Blutbildungsprozess zugrunde. Im Verlauf der Erkrankung verdrängen die Krebszellen gesunde Blutbestandteile. Eine AML hat einen akuten Verlauf, das bedeutet, sie schreitet schnell voran. Eine Ursache für die Erkrankung lässt sich in den meisten Fällen nicht feststellen. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung erhöhen, zum Beispiel der anhaltende Kontakt mit bestimmten Chemikalien.

Wie entsteht eine AML?

Gestörte Blutbildung: Unkontrollierte Zellvermehrung

Die Blutbildung ist ein komplexer Prozess, der genau gesteuert ist. Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) gerät er aus dem Gleichgewicht. Blutzellen entwickeln sich aus den Blutstammzellen des Knochenmarks. Bis zur reifen und funktionstüchtigen Blutzelle durchlaufen sie unterschiedliche Entwicklungsstufen. Eine AML entsteht aus sogenannten myeloischen Vorläuferzellen (Blasten), die sich später unter anderem zu weißen Blutzellen entwickeln. Ausgehend von einer dieser Vorläuferzellen kommt es zu einer krankhaften Veränderung der Blasten. Sie können nicht vollständig ausreifen, sich jedoch stark und unkontrolliert vermehren.

Normalerweise setzt bei beschädigten Zellen im Körper der programmierte Zelltod (Apoptose) ein, die Zellen sterben ab. Dieser Selbstzerstörungsprozess bleibt bei den Krebszellen aus. In der Folge verdrängen sie die gesunden Blutbestandteile im Knochenmark. Wesentliche Funktionen des Blutes im Körper – Sauerstofftransport, Blutgerinnung und Immunabwehr – werden gestört. Über den Blutkreislauf können die Krebszellen zudem in andere Organe des Körpers gelangen und diese schädigen.

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Anzeichen und Verlauf

Erste Anzeichen und Symptome einer AML

Die akute myeloische Leukämie (AML) zählt zu den akuten Formen von Blutkrebs. Das bedeutet, dass die Erkrankung schnell fortschreitet und die Beschwerden in der Regel plötzlich auftreten. Die Früherkennung, also die richtige Deutung möglicher Anzeichen, ist wichtig, um zeitnah eine Behandlung zu beginnen.

Beschwerden können variieren

Die ersten Symptome einer AML sowie ihre Ausprägung können sehr unterschiedlich sein und auch bei anderen, eher harmlosen Erkrankungen auftreten. Oft sind es Beschwerden, die durch den Mangel der jeweils verdrängten Blutbestandteile entstehen: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) oder funktionstüchtige weiße Blutzellen (Leukozyten). Darüber hinaus kann die Ansammlung der Krebszellen in anderen Organen zu Beschwerden führen.

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verminderte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Blässe
    Diese Beschwerden können durch zu wenig rote Blutkörperchen im Blut ausgelöst werden. Es kommt zu einer Blutarmut (Anämie) und die Organe werden nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
  • Fieber und erhöhte Infektanfälligkeit
    Das kann die Folge einer Verminderung gesunder weißer Blutzellen sein. Sie haben wichtige Aufgaben im Immunsystem. Durch einen Mangel wird das körpereigene Abwehrsystem geschwächt, und es kann leichter zu Infekten kommen.
  • Erhöhte Blutungsneigung, blaue Flecken, kleine punktförmige Hautblutungen (Petechien)
    Wenn es zu einem Mangel an Blutplättchen kommt, kann die Blutgerinnung gestört sein. So kann es unter anderem zu Blutungen kommen, zum Beispiel zu Zahnfleisch- oder Nasenbluten.
  • Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit
    Sammeln sich die Krebszellen bei einer AML in den Organen an, kann es zu einer Vergrößerung der betroffenen Organe und damit zu Beschwerden kommen. Häufig sind Milz oder Leber betroffen.

Ein eindeutiges Zeichen für eine AML sind alle diese Beschwerden nicht, sie können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Halten die Symptome jedoch an, sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache schnell festzustellen.

Wege zur Diagnose

Da die Beschwerden einer akuten myeloischen Leukämie (AML) variieren können, führt der erste Weg häufig zum Hausarzt. Wenn die körperliche Untersuchung und die Krankengeschichte (Anamnese) einen Hinweis auf eine akute Leukämie geben, ist eine Blutuntersuchung der nächste wichtige Schritt bei der Diagnose.

Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus

Bestätigt sich der Verdacht auf eine AML, wird der Betroffene in der Regel an ein Krankenhaus überwiesen, welches über ein hämatologisch-onkologisches Zentrum verfügt. Dort erfolgt die Behandlung durch Hämatologen und Onkologen. Es können weitere wichtige Untersuchungen durchgeführt werden. Dabei geht es nicht mehr nur um die Bestätigung der Diagnose der AML, sondern auch darum, herauszufinden, um welchen Subtyp der Erkrankung es sich handelt. Das wiederum ist eine wichtige Voraussetzung, damit schnell die passende Therapie begonnen werden kann.

Es ist vor allem eine Knochenmarkspunktion, die als nächste Untersuchung weitere Informationen über die Erkrankung liefert. Darüber hinaus können spezielle Laboruntersuchungen bei der Diagnose bzw. Einordnung einer AML helfen. Untersuchungen sind jedoch nicht nur zu Beginn der Erkrankung wichtig, sie helfen auch im weiteren Verlauf zu verfolgen, wie die AML sich entwickelt und ob die Therapie wirkt.

Es wird zunächst ein kleines Blutbild gemacht, bei dem u. a. die Anzahl der roten Blutkörperchen, der weißen Blutzellen und der Blutplättchen sowie die Konzentration des roten Blutfarbstoffs erfasst wird.

Ergeben sich Hinweise auf eine Störung der Blutbildung, wird ein sogenanntes Differenzialblutbild erstellt. Dabei werden auch die unterschiedlichen Gruppen der weißen Blutzellen ausgewertet, die Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Zudem wird untersucht, ob unreife Vorläuferzellen (Blasten) oder andere auffällige Zellen im Blut vorhanden sind.

Bei einer Knochenmarkspunktion wird eine geringe Menge von Zellen des Knochenmarks mit einer sehr dünnen Hohlnadel oder Stanze unter örtlicher Betäubung aus dem Beckenknochen entnommen. Anschließend werden die Zellen genau untersucht. Unter dem Mikroskop lässt sich die Art, Beschaffenheit und Anzahl der Zellen erkennen (Zytomorphologie und Zytochemie).

Weiteren Aufschluss gibt die Immunphänotypisierung. Krebszellen haben charakteristische Merkmale auf der Zelloberfläche, die sie von gesunden Zellen unterscheiden. Bei der Immunphänotypisierung werden diese Merkmale untersucht. Auf diese Weise können die Zellart und der Reifegrad festgestellt werden.

Durch diese Untersuchungen können genetische Veränderungen der Krebszellen festgestellt werden. Bei der zytogenetischen Untersuchung werden die Chromosomen (Träger des Erbguts) der Krebszellen untersucht. Molekulargenetische Analysen zeigen Veränderungen der Gene, die unter dem Mikroskop nicht erkennbar sind. Die Ergebnisse helfen bei der Zuordnung der AML zu einem Subtyp.

Im Einzelfall können weitere Untersuchungen notwendig sein, zum Beispiel wenn andere Organe beteiligt sind, etwa Computertomografie (CT) oder Ultraschall.

Krankheitsverlauf

Als akute Form der Leukämie schreitet die akute myeloische Leukämie (AML) schnell voran. Der Verlauf der Erkrankung und auch ihre Behandlungsmöglichkeiten hängen unter anderem davon ab, um welchen AML-Subtyp es sich handelt. Weitere Aspekte sind das Erkrankungsalter und der allgemeine gesundheitliche Zustand. Der Subtyp einer AML wird in der Regel nach der sogenannten WHO-Klassifizierung eingeteilt. Die Einordnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berücksichtigt Merkmale der Krebszellen, die bei der mikroskopischen Untersuchung erfasst wurden, wie auch genetische Veränderungen. Ebenfalls wird einbezogen, ob es vorherige Erkrankungen des blutbildenden Systems gab und ob bisherige Therapien die Erkrankung beeinflusst haben.

WHO-Klassifizierung der AML

Die vier AML-Hauptgruppen der WHO-Klassifizierung lassen sich jeweils in weitere Untergruppen unterteilen:

  • die AML mit wiederkehrenden zytogenetischen Veränderungen
  • die AML bedingt durch eine Dysplasie als Vorerkrankung
  • die therapiebedingte AML
  • die AML ohne weitere Kategorie

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Behandlung der AML

Wahl der Behandlung

Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) ist es entscheidend, rasch mit der Behandlung zu beginnen. Dies ist unabhängig davon, um welchen Subtyp der Erkrankung es sich handelt. Es gibt unterschiedliche Behandlungsoptionen. Welche die passende ist, wird stets individuell entschieden.

Zu den Faktoren, die bei der Wahl der AML-Therapie berücksichtigt werden, zählen das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand und die körperliche Fitness. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, welcher AML-Subtyp vorliegt.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapiemöglichkeiten der AML haben verschiedene Wirkansätze und sind unterschiedlich belastend. Die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen jedes einzelnen Patienten sind ausschlaggebend für die Wahl der Behandlung. Ziel der Therapie ist es, die Krebszellen so weit wie möglich zurückzudrängen und im Idealfall komplett zu eliminieren.

Eine Chemotherapie ist die häufigste Behandlungsform bei der AML. In der Regel schließt daran eine Stammzelltransplantation an. Dieses Vorgehen kommt jedoch nicht für alle Patienten infrage, da sie sehr belastend ist. Ist eine Chemotherapie wegen eines höheren Alters oder auch Begleiterkrankungen nicht durchführbar, können heute moderne Behandlungsmöglichkeiten, die zielgerichtete orale Therapie, dafür sorgen, die Symptome zurückzudrängen und die Lebensqualität zu verbessern.

Unterstützende Therapie

Neben der Behandlung der AML selbst kann eine unterstützende Therapie dabei helfen, Beschwerden und Folgen der Erkrankung bzw. der Behandlung zu mindern. Zu möglichen begleitenden Maßnahmen können eine Schmerztherapie oder die Behandlung mit Antibiotika aufgrund eines erhöhten Infektionsrisikos zählen. Auch Medikamente gegen Nebenwirkungen von Therapien, zum Beispiel Übelkeit oder Erbrechen, können im Rahmen der unterstützenden Therapie zum Einsatz kommen. Der behandelnde Hämatologe kann beraten, welche Maßnahmen im Einzelnen empfehlenswert sind.

Chemotherapie und Stammzelltransplantation

Chemotherapie in Stufen

Bei den meisten AML-Patienten wird die Erkrankung mit einer intensiven Chemotherapie behandelt. Bei einer Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika eingesetzt. Sie hemmen vornehmlich Zellen, die sich schnell teilen, wie beispielsweise Krebszellen. In der Folge sinkt die Anzahl der Krebszellen, und die Blutbildung kann sich normalisieren.

Die Chemotherapie erfolgt bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) meist in zwei Stufen, einer Induktions- und einer Konsolidierungsphase. Es wird in der Regel eine Kombination aus unterschiedlichen Medikamenten verabreicht. Eine Chemotherapie wird in der Regel als Infusion verabreicht.

Der erste Teil der Chemotherapie (Induktionsphase) hat das Ziel, die Erkrankung möglichst weit zurückzudrängen, eine sogenannte Remission zu erreichen. Er besteht aus einer hochdosierten Chemotherapie in ein oder zwei Behandlungsabschnitten über jeweils fünf bis acht Tage im Abstand von mehreren Wochen. Die Induktionsphase ist sehr belastend und kann mit Nebenwirkungen und Komplikationen einhergehen. Ihr Erfolg kann nach vier bis acht Wochen beurteilt werden.

Die folgenden Zyklen der Chemotherapie in der Konsolidierungsphase dienen dazu, gegen mögliche verbliebene Krebszellen vorzugehen. Damit soll das Risiko für einen möglichen Rückfall reduziert werden. Sie werden in der Regel in drei Behandlungsabschnitten mit jeweils mehreren Wochen Therapiepause durchgeführt. Die Konsolidierungsphase kann bis zu einem halben Jahr dauern.

Zeigen die AML-Zellen bestimmte genetische Veränderungen, kann die Chemotherapie mit zielgerichteten Medikamenten kombiniert werden, z. B. den sogenannten FLT3-Inhibitoren.

Stammzelltransplantation

Abhängig von individuellen genetischen Veränderungen der Krebszellen und vom Ansprechen auf die intensive Chemotherapie kann als nächster Schritt eine Stammzelltransplantation folgen. Bei der AML handelt es sich dabei in der Regel um eine Transplantation von Blutstammzellen eines Spenders (allogene Stammzelltransplantation). Prinzip einer Stammzelltransplantation ist es, das gestörte blutbildende System, das durch eine intensive Chemotherapie eliminiert wird, durch das gesunde blutbildende System eines Spenders zu ersetzen. Es handelt sich bei einer Stammzelltransplantation um eine tiefgreifende Maßnahme, die mit Risiken verbunden ist und nur durchgeführt werden kann, wenn ein Patient entsprechend belastungsfähig und körperlich fit ist. Für die Transplantation werden dem Empfänger, ähnlich einer Infusion, die Blutstammzellen des Spenders verabreicht. Die neuen Blutstammzellen siedeln sich im Knochenmark an und bilden Blutzellen. Es dauert bis zu sechs Wochen, bis sich die Blutbildung erholt hat. Das Immunsystem wird mit Medikamenten unterdrückt, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern.

Orale zielgerichtete Therapie

Eine intensive Chemotherapie kommt nicht für jeden Patienten infrage, da sie sehr belastend ist. Wenn zum Beispiel durch hohes Alter, Begleiterkrankungen oder nicht ausreichende körperliche Konstitution eine intensive Chemotherapie nicht möglich ist, gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten. Neben einer Chemotherapie mit niedrigdosierten Medikamenten und sogenannten hypomethylierenden Substanzen (HMA) können neue orale zielgerichtete Therapien zum Einsatz kommen. Auf diese Weise kann es auch ohne Hochdosis-Chemotherapie gelingen, die Symptome der AML zurückzudrängen und die Lebensqualität zu verbessern.

Wirkweise: orale zielgerichtete Therapie und Chemotherapie

Die Chemotherapie und die orale zielgerichtete Therapie unterscheiden sich vorrangig durch die Art, wie sie auf die Krebszellen einwirken. Die Chemotherapie greift in den Teilungszyklus von Zellen ein. Auch gesunde, sich schnell erneuernde Zellen können daher von der Chemotherapie angegriffen werden. Zielgerichtete Medikamente greifen in spezielle zelluläre Signalwege der Tumorzellen ein und damit in den Krankheitsprozess.

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Leben und Therapie

Leben mit der AML

Meist kommt die Diagnose der akuten myeloischen Leukämie (AML) völlig überraschend. Sie fordert stets ein schnelles Handeln, ohne dass viel Zeit bleibt, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Das birgt viele Herausforderungen, und der gewohnte Alltag wird auf den Kopf gestellt. Informationen müssen verarbeitet und Entscheidungen getroffen werden.

Machen Sie sich bewusst, dass Sie als Patient damit nicht allein sind. Gemeinsam mit Ihrem behandelnden Hämatologen, dem medizinischen Team und den Menschen, die Ihnen nahestehen, können Sie Schritt für Schritt Ihren Weg mit der AML finden.

Die Behandlung positiv unterstützen

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei einer AML. Je nach Therapieform wird die Behandlung während des Krankenhausaufenthalts oder auch zu Hause durchgeführt. Sie kann belastend und mit Nebenwirkungen verbunden sein. Aber sie ist Ihre Maßnahme, um etwas gegen die AML zu unternehmen. Auch wenn es nicht jeden Tag leichtfällt, achten Sie darauf, dass Sie selbst die Therapie bestmöglich aktiv unterstützen. Nehmen Sie alle Arzttermine wahr und nehmen Sie alle Medikamente regelmäßig und in der Dosierung ein, wie mit Ihrem Arzt besprochen.

Hilfe in Anspruch nehmen

Der Umgang mit einer Erkrankung wie der AML ist eine große Herausforderung. Auch wenn jeder Patient die Diagnose auf seine persönliche Weise verarbeitet, ist es ganz normal, dass es Tage gibt, an denen alles zu viel wird. Hilfe bei der Krankheitsbewältigung und Unterstützung im Umgang mit den Sorgen, die diese außergewöhnliche Situation mit sich bringt, bietet die Psychoonkologie. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Hämatologen darüber, welche Möglichkeiten und Angebote es gibt.

Gemeinsam stark

Familie oder Freunde – sprechen Sie mit vertrauten Personen aus Ihrem nahen Umfeld über Ihre Erkrankung. Sich gemeinsam mit der AML auseinanderzusetzen und sich über die nächsten Schritte auszutauschen, kann Unsicherheiten nehmen. Zusammen können Sie besprechen, welche Unterstützung Sie benötigen, wo es die notwendigen Informationen gibt, welche Fragen mit den Ärzten geklärt werden müssen und was im Alltag neu organisiert werden muss. Ein offener Umgang mit der Situation kann sowohl für Sie selbst wie auch für die Menschen in Ihrem Umfeld hilfreich sein.

Bewusster Lebensstil

Mit einem bewussten Lebensstil können Sie zum Erfolg Ihrer Therapie und auch zu Ihrer Lebensqualität beitragen. Für den Alltag mit einer AML und auch für Ihre Behandlung ist es wichtig, dass Sie bei Kräften bleiben. Achten Sie auf sich selbst und versuchen Sie mit einer ausgewogenen, auf die Therapie abgestimmten Ernährung, Bewegung im Rahmen Ihrer Möglichkeiten oder auch durch eine gezielte Entspannungstechnik positive Impulse zu setzen. Richten Sie Ihren Blick auf das Hier und Jetzt und die Möglichkeiten, die Sie heute haben, sich etwas Gutes zu tun.

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Selbsthilfe: Austausch und Unterstützung

Gut über die AML informiert zu sein und sich mit anderen auszutauschen, die ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann im Umgang mit der Erkrankung eine große Hilfe sein. Selbsthilfeorganisationen sind nicht nur eine gute Informationsquelle, sondern können auch mit Beratung zu unterschiedlichen Themen zur Seite stehen. Auch der persönliche Erfahrungsaustausch kann neue Perspektiven eröffnen und Ihnen zeigen, dass Sie nicht allein sind. Es gibt eine ganze Reihe von Selbsthilfeorganisationen, Ansprechpartnern und Initiativen.

Alltag mit einer oralen Therapie bei der AML

Für die Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML) stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Einige Therapien, zum Beispiel bestimmte Medikamente der Chemotherapie, werden als Infusionen, andere als Tabletten verabreicht, darunter die orale zielgerichtete Therapie.

Medikamente richtig und regelmäßig einnehmen

Eine Behandlung mit Tabletten oder Kapseln kann Ihnen im Alltag mehr Freiraum verschaffen. Ist die Dosierung richtig eingestellt, können Sie die Medikamente in der Regel selbstständig zu Hause einnehmen. Es ist dann nicht nötig, zur Medikamentengabe eine Arztpraxis oder Tagesklinik aufzusuchen. Das bedeutet aber auch, dass Sie selbst mehr Verantwortung für Ihre AML-Behandlung übernehmen.

Damit Ihre Behandlung bestmöglich wirken kann, ist es Voraussetzung, dass Sie die Tabletten oder Kapseln regelmäßig einnehmen. Es ist wichtig, sich hier exakt an die Hinweise Ihres behandelnden Arztes zu halten. Neben der Dosierung und der Art der Einnahme betrifft das auch die Einnahmezeit. Denn nur, wenn Sie sich genau an die Vorgaben halten, kann die benötigte Konzentration des Wirkstoffs im Blut gleichbleibend gehalten werden. Gelangt zu viel oder zu wenig Wirkstoff ins Blut, kann das die Wirkung negativ beeinflussen.

Die Empfehlungen Ihres Hämatologen stehen bei der Tabletteneinnahme an erster Stelle. Darüber hinaus ist es ratsam, auch die Packungsbeilage aufmerksam zu lesen.

Die Medikamenteneinnahme zur Gewohnheit machen

Die Einnahme Ihrer Medikamente zur festen Gewohnheit werden zu lassen und sie in Ihren Tagesablauf einzubinden hilft Ihnen, sie nicht zu vergessen:

  • Wenn Sie Ihre Tabletten oder Kapseln zu einer bestimmten Mahlzeit einnehmen, bewahren Sie sie in der Nähe Ihres Essplatzes auf, zum Beispiel in der Küche. So verknüpfen Sie die Einnahme mit einer wiederkehrenden Tätigkeit und werden immer wieder daran erinnert.
  • Binden Sie vertraute Personen in die Umsetzung der Therapie ein. Diese können Sie zum Beispiel an die Einnahme erinnern.
  • Nutzen Sie Erinnerungshilfen, zum Beispiel eine Erinnerungs-App auf Ihrem Smartphone oder die Uhr in Ihrem Handy als Medikamentenwecker. Auch ein kleiner Zettel am Kühlschrank oder am Badezimmerspiegel kann an die Einnahme erinnern.
  • Sortieren Sie Ihre Medikamente in einer Tablettenbox vor, so behalten Sie immer den Überblick, wann Sie welche Tabletten oder Kapseln nehmen müssen oder schon genommen haben.
  • Machen Sie sich immer wieder bewusst, warum es gut für Sie ist, Ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen. Sie schaffen damit die Basis dafür, die AML gezielt zu bekämpfen und sie daran zu hindern, sich auszubreiten.

Video: Tipps zur Medikamenteneinnahme

Alltag mit einer Infusionstherapie bei der AML

Einige Wirkstoffe der Chemotherapie zur Behandlung einer akuten myeloischen Leukämie (AML) werden als Infusion verabreicht. Bei einer Infusionstherapie werden Ihnen Medikamente in einer Flüssigkeit, einer sogenannten Infusion, intravenös, also direkt in die Vene, verabreicht. Eine Behandlung besteht in der Regel aus mehreren Zyklen, während derer Sie in regelmäßigen Abständen Infusionen erhalten. Das verläuft in der Regel ambulant in der Praxis Ihres behandelnden Arztes oder in einer Tagesklinik. Ambulant bedeutet, dass Sie zur Behandlung nicht über Nacht im Krankenhaus bleiben müssen.

Neben der Infusionstherapie gibt es Wirkstoffe zur Therapie der AML, die als Spritze unter die Haut (subkutane Injektion) verabreicht werden. Die Behandlung erfolgt ebenfalls als ambulante Therapie in Zyklen.

Keinen Behandlungstermin verpassen

Der Vorteil einer ambulanten im Gegensatz zur stationären Infusionstherapie bei einer AML ist, dass Sie die meiste Zeit in Ihrer vertrauten Umgebung bleiben und Ihrem gewohnten Alltag nachgehen können. Machen Sie sich aber bewusst, dass ein Großteil der Organisation rund um Ihre Therapie bei Ihnen liegt. Die Medikamente, die Sie mit der Infusion erhalten, sind hochwirksam und komplex. Daher ist es wichtig, sich genau an den Therapieplan Ihres Arztes zu halten und keine Behandlung zu verpassen.

Erinnerungshilfen nutzen

Kleine Erinnerungshilfen, beispielsweise die Kalenderfunktion Ihres Handys, eine gut sichtbare Notiz oder ein Eintrag im Küchenkalender, können Sie dabei unterstützen, an alle Termine zu denken. Auch Personen, die Ihnen nahestehen, sind oft eine gute Hilfe. Ob ein Anruf am Morgen des Arzttermins oder eine kurze Nachricht auf dem Handy: Am besten besprechen Sie vorab, was Ihnen am sinnvollsten erscheint. Planen Sie die regelmäßigen Termine rechtzeitig ein und überlegen Sie dabei auch, wie Sie zur Arztpraxis oder Tagesklinik und wieder zurück nach Hause gelangen. Vielleicht kann Sie ein Angehöriger oder Freund hinfahren und nach der Therapie wieder abholen? Sollten Sie ein Taxi nutzen wollen, ist es empfehlenswert, die Fahrt rechtzeitig vormerken zu lassen und ggf. eine Kostenübernahme mit der Krankenversicherung zu klären.

Während der Infusion

Eine Infusion dauert in der Regel mehrere Stunden. Machen Sie es sich in dieser Zeit so bequem wie möglich:

  • Tragen Sie lockere, bequeme Kleidung, in der sie sich wohlfühlen.
  • Da Sie während der Behandlung in den meisten Fällen sitzen, frieren Sie möglicherweise schneller. Eine zusätzliche Weste oder eine leichte Decke können Abhilfe schaffen.
  • Sorgen Sie für Beschäftigung, damit Ihnen nicht langweilig wird. Ein Buch, Zeitschriften oder Kreuzworträtsel können Ihnen die Zeit vertreiben.
  • Mit einem Tabletcomputer können Sie die Zeit nutzen, um sich Filme anzusehen. Auch Musik oder Hörbücher, zum Beispiel über Ihr Smartphone, können Langeweile vertreiben und zur Entspannung beitragen. Achten Sie dabei bitte darauf, Kopfhörer zu verwenden, um andere Patienten oder das Personal nicht zu stören.
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Vertrauenspersonen

Leben und Alltag mit einer AML

Wenn bei Ihrem Partner oder einer nahestehenden Person eine AML diagnostiziert wird, kann das auch für Sie mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden sein. Je mehr Sie sich über die Erkrankung informieren, umso besser werden Sie vermutlich mit der neuen Situation umgehen können. Die Diagnose akute myeloische Leukämie (AML) kommt meistens sehr überraschend und ist zunächst für den Betroffenen selbst, aber auch für Personen im nahen Umfeld ein großer Schock. Nach der Diagnose muss schnell gehandelt, müssen Therapien ausgewählt und Entscheidungen getroffen werden. Kaum Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Eine AML betrifft nicht nur das Leben des Betroffenen selbst, sondern auch das der Menschen in seinem Umfeld. Ob der Betroffene Lebenspartner, Freund, Familienangehöriger oder enger Vertrauter ist – gemeinsam können Sie einen guten Umgang mit der neuen Situation finden. Sie können ihm im Alltag mit der Erkrankung zur Seite stehen und ihn auch bei der Behandlung unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie selbst Ihren Weg mit der Situation finden und Ihre eigenen Bedürfnisse nicht vergessen.

Über die AML informieren

In der Anfangsphase der Erkrankung überschlagen sich die Ereignisse. Es ist ein sofortiger Krankenhausaufenthalt notwendig, ohne dass Zeit bleibt, sich vorab damit beschäftigen zu können, welche Schritte nun anstehen. Sie können den Betroffenen unterstützen, sich nach und nach auf die Situation einzustellen. Dabei hilft auch, wenn Sie sich selbst über die AML und ihre Behandlung informieren.

Miteinander reden

Ein offener und vertrauensvoller Umgang miteinander kann helfen, mit der neuen Situation umzugehen. Wie geht es Ihnen, wie fühlt sich der Betroffene – ein offenes Gespräch kann gegenseitiges Verständnis fördern. Wann wird Unterstützung benötigt oder gewünscht? Bei vielen Themen kann Offenheit Unsicherheiten abbauen und Missverständnissen vorbeugen. Auch Gefühle wie Sorgen oder Ängste müssen ihren Raum haben – sie auszusprechen kann wichtig sein, um sie zu verarbeiten. Dann kann es helfen, einfach nur zuzuhören.

Miteinander offen und ehrlich umgehen

Die AML kann auch die Beziehung zwischen Ihnen und dem Betroffenen beeinflussen. Die ständige Präsenz der Erkrankung kann zu Spannungen führen. Sorgen Sie dafür, dass Sie selbst auch einmal durchatmen können, wenn Sie merken, dass die AML das Miteinander überschattet. Achten Sie zudem darauf, dass Sie mit dem Betroffenen gemeinsame Zeit verbringen, in der die AML bewusst ausgeklammert wird.

Unterstützung annehmen

Jeder geht anders damit um, wenn ein nahestehender Mensch an einer AML erkrankt und Unterstützung benötigt. Es wird Tage geben, an denen es leichtfällt, für den anderen da zu sein, und andere, die mehr Kraft kosten. Ganz normal in dieser Situation sind auch Gefühle wie Angst oder Wut. Verdrängen Sie diese Emotionen nicht – suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie darüber sprechen können. Scheuen Sie sich nicht, bei Bedarf auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Gespräch mit einem Psychoonkologen, Psychotherapeuten oder Seelsorger kann helfen, neue Perspektiven zu schaffen. Kontakte gibt es zum Beispiel in Kliniken oder über Beratungsstellen.

Die eigenen Kräfte einteilen

Für jemanden da zu sein, der an einer AML erkrankt ist, kann Höhen und Tiefen mit sich bringen. Ein einschneidendes Erlebnis wie die Diagnose Krebs gemeinsam zu durchstehen, kostet häufig viel Energie. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Kräfte einteilen.

  • Haben Sie jemanden, an den Sie sich wenden können, wenn Sie ein offenes Ohr benötigen? Manchmal kann es helfen, sich mit jemandem auszutauschen, der emotional nicht so nah eingebunden ist.
  • Auch wenn sich die Ereignisse überschlagen, vergessen Sie sich selbst und Ihre eigenen Bedürfnisse nicht. Tun Sie sich etwas Gutes, gönnen Sie sich Pausen und reservieren Sie Zeit für sich allein. Auch Sie müssen mit Ihren Kräften haushalten.
  • Denken Sie immer daran: Sie sind nicht allein mit der Situation. Teilen Sie Ihre Gedanken und Gefühle mit Menschen, die Ihnen nahestehen. Auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe für vertraute Personen von Betroffenen kann eine große Hilfe sein.
  • Nehmen Sie sich bewusst Auszeiten. Schon ein kurzer Spaziergang kann helfen, den Kopf frei zu bekommen. Sich Momente für sich selbst zu gönnen, gehört dazu und ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen.

Sie sind ein wichtiger Rückhalt für den Betroffenen und stehen ihm im Alltag mit der AML zur Seite. So herausfordernd die Situation auch ist, gemeinsam können Sie Schritt für Schritt den Weg mit der Erkrankung gehen und den Umgang mit der neuen Situation lernen.

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