Wie erkenne ich Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen

Manchmal ist es gar nicht so einfach zu erkennen, ob Deine Beschwerden von Morbus Crohn ausgelöst werden. Aus diesem Grund gibt es mehrere Untersuchungsschritte, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

a

Ist es wirklich Morbus Crohn? So lässt es sich erkennen.

Es kann möglicherweise einige Zeit dauern, bis klar ist, ob Du Morbus Crohn hast. Am besten suchst Du sofort einen Arzt auf, wenn Du die Beschwerden bemerkst. Mit einer bestätigten Diagnose kannst Du anschließend gut behandelt werden und somit auch bleibende Schäden verhindern.

Am Anfang einer Morbus-Crohn-Erkrankung sind die Beschwerden oft ähnlich wie bei einer Magen-Darm-Grippe: Du hast Bauchschmerzen und Durchfall. Im Gegensatz zu einer Infektion wird es aber auch nach vier Wochen nicht besser. Außerdem bist Du allgemein müder als sonst, verlierst Gewicht und bekommst manchmal Fieber. Im Grunde ist das auch klar: Falls bei Dir wirklich eine Entzündung im Körper vorliegt, dann kostet sie Dich sehr viel Energie. Die betroffenen Verdauungsorgane können wichtige Nährstoffe nicht mehr so gut aufnehmen. Als Folge fühlst Du Dich dann matt und schwach und bist weniger leistungsfähig.

Manche Kinder und Jugendliche haben bedingt durch die Erkrankung zudem kaum Appetit und essen dadurch weniger. Auch das kann sich dann sowohl auf die allgemeine Verfassung im Alltag als auch die Entwicklung auswirken. Dadurch kann es passieren, dass Du nicht ausreichend genug wächst oder die Pubertät unter Umständen später eintritt.

Eine frühe Diagnose ist wichtig und kann bleibende Schäden abwenden

Für eine ungestörte Entwicklung und um bleibende Schäden am Darm zu vermeiden, ist es wichtig, frühzeitig zu einer richtigen Diagnose zu gelangen. Nur so kannst Du schnell und zielgerichtet behandelt werden und eine am Schweregrad Deiner Erkrankung angepasste Therapie erhalten.

Dein erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Er führt ein ausführliches Gespräch mit Dir und stellt sicher, dass Du keine Infektion hast. Der Hausarzt kann die finale Diagnose jedoch nicht stellen, denn dafür bedarf es noch weiterer Untersuchungen. Diese kann nur ein Kinder- und Jugendarzt für Magen-Darm-Erkrankungen, ein pädiatrischer Gastroenterologe, vornehmen. Um zur Diagnose Morbus Crohn zu gelangen, wird auch dieser Spezialist ein Gespräch mit Dir führen. Dadurch möchte er zum Beispiel herausfinden, ob es in Deinem familiären Umfeld bereits chronisch-entzündliche Erkrankungen im Darm gibt und wann genau welche Beschwerden bei Dir begonnen haben. Außerdem wird er Dir Fragen zu Deiner Lebensweise und zu bisher eingenommenen Medikamenten stellen.

Eine körperliche Untersuchung sowie Laboruntersuchungen von Deinem Blut und Deinem Stuhl geben dem Spezialisten dann die entscheidenden Hinweise. Besonders wichtig bei der Diagnose von Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen sind auch unterschiedliche bildgebende Verfahren, die Entzündungen oder Veränderungen an den Verdauungsorganen sichtbar machen. Dazu zählen Ultraschall und die Spiegelung von Dünn- und Dickdarm (Endoskopie). Dabei inspiziert der Spezialist Deinen Darm mit einem flexiblen Schlauch, der vorne eine winzige Kamera hat. Auf diese Maßnahmen kann der Spezialist auch zurückgreifen, um den weiteren Verlauf Deiner Erkrankung zu kontrollieren beziehungsweise um zu schauen, ob die Therapie bei Dir erfolgreich ist.

Morbus Crohn verläuft bei jedem anders

Die Entzündung bei Morbus Crohn beschränkt sich übrigens nicht immer nur auf den Darm. Sie kann auch Deinen gesamten Verdauungstrakt von Mund bis After betreffen. Bei Diagnosestellung finden sich bei der Hälfte bis zwei Dritteln der Kinder Entzündungen im Dünndarm und im Dickdarm. Bei rund jedem zehnten Kind sind die Entzündungen jeweils nur im Dünndarm oder im Dickdarm. Charakteristisch für die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sind Entzündungen im oberen Verdauungstrakt, also im Mundraum, in der Speiseröhre, im Magen oder im Zwölffingerdarm.

Zudem wirken sich die Beschwerden von Morbus Crohn auch nicht immer nur auf den Verdauungstrakt aus. Die Entzündung kann auch andere Organe betreffen. Dies kommt bei etwa jedem Dritten vor. Daher ist es auch wichtig, darauf zu achten, ob sich zum Beispiel an den Gelenken, der Haut oder Deinen Augen etwas verändert.

Überhaupt verläuft Morbus Crohn bei jedem anders: Bei einigen tritt eine starke Entzündung auf, bei anderen nur eine ganz schwache. Manche sind von kurzzeitigen Schüben betroffen, bei anderen sind die Beschwerde-Phasen besonders lang. Bei manchen sind die Verdauungsorgane an vielen Stellen zugleich betroffen, wieder andere haben es nur mit vereinzelten entzündeten Stellen zu tun. Und es gibt auch Fälle, in denen Komplikationen auftreten. Dazu zählen Abszesse, das sind umkapselte Eiteransammlungen, und Fisteln, also röhrenförmige Verbindungen zwischen zwei Darmschlingen, vom Darm zur Haut oder zu anderen Organen. Es können sich auch Verengungen im Darm, sogenannte Stenosen bilden. Unter Umständen ist dann eine Operation notwendig.

b

Morbus Crohn: Blutwerte aus dem Labor geben Hinweise

Damit sich ein Kinder- und Jugendgastroenterologe zur Diagnose Morbus Crohn ein umfassendes Bild machen kann, wird er verschiedene Untersuchungen bei Dir vornehmen müssen. Davor brauchst Du keine Angst zu haben. Es ist eine kleine Detektivarbeit, bei der Dein Arzt versucht, alle Einzelteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Erst dann kann er wirklich sagen, was im Bauch und im Darm los ist – konkret: ob Du vielleicht Morbus Crohn hast. Vielleicht magst Du jemanden aus Deiner Familie oder einen guten Freund bitten, Dich zur Untersuchung zu begleiten. Schon die Anwesenheit einer vertrauten Person kann Dir eine Menge Kraft schenken und Dich beruhigen.

Der Arzt tastet zunächst Deinen Bauch ab und spürt dabei vielleicht einen Widerstand im rechten Unterbauch. Wenn er auf den Bereich drückt, kann es sein, dass Du das als unangenehm empfindest oder dass Du leichte Schmerzen verspürst. Grund: Häufig ist der letzte Teil des Dünndarms bei Menschen mit Morbus Crohn entzündet. Um ganz sicherzugehen, sind zur Diagnose chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen noch weitere Untersuchungen notwendig.

Für einen gründlichen Befund ist es zum Beispiel wichtig, auch Dein Blut zu untersuchen. Nachdem Dir der Arzt eine Blutprobe entnommen hat, schickt er diese ins Labor und lässt sie auswerten. Konkret sucht er dabei nach bestimmten Stoffen, die beispielsweise C-reaktives Protein (kurz: CRP) heißen. Diese Stoffe steigen bei einer Entzündung (zum Beispiel im Darm) an.

Welche Blutwerte werden untersucht?

Die sogenannte Blutsenkungsgeschwindigkeit zeigt, wie sich die roten Blutkörperchen verhalten. Liegt ein hoher Wert vor, weiß der Arzt, dass eine Entzündung vorliegt. Ebenso, wenn er einen Mangel bestimmter Stoffe, wie Eisen, über die Blutuntersuchung feststellt. Darüber hinaus wird die Laboruntersuchung auch Deine Nierenfunktion und bestimmte Leberwerte umfassen. Er wird Dich auch um eine Stuhlprobe bitten, damit er diese im Labor untersuchen lassen kann. Das ist notwendig, um auszuschließen, dass Deine Beschwerden von einer Magen-Darm-Infektion durch Bakterien ausgelöst wurden. Ist das geklärt, wird zudem der Wert von Eiweißstoffen wie Calprotectin oder Laktoferrin bestimmt. Solltest Du wirklich eine Entzündung im Darm haben, werden die Werte sehr hoch liegen.

Dabei gilt es immer, eines im Hinterkopf zu behalten: Ein Laborbefund allein reicht nicht aus, um eine chronisch-entzündliche Erkrankung wie Morbus Crohn zu einhundert Prozent nachweisen zu können. Ein im Labor bestimmter Wert kann lediglich die Diagnose Morbus Crohn weiter erhärten oder andere Erkrankungen ausschließen. Sobald die Diagnose Morbus Crohn feststeht, helfen die Laboruntersuchungen im weiteren Therapieverlauf dabei, die Behandlung bei einer chronisch-entzündlichen Erkrankung im Darm gut zu kontrollieren. Die finale Diagnose stellt der Arzt aber immer auf Basis aller Daten und der Gespräche, die er mit Dir geführt hat.

c

Morbus Crohn: So macht sich der Arzt ein Bild von Deinem Darm

Für einen gründlichen Befund zu Morbus Crohn sind nicht nur die Laborwerte, sondern auch unterschiedliche bildgebende Verfahren wichtig. Mit ihrer Hilfe lassen sich Entzündungen, aber auch Veränderungen an den Verdauungsorganen sichtbar machen.

Ultraschall

Eine schonende und leicht anzuwendende Untersuchungsmethode ist der Ultraschall. Er wird auch Sonografie genannt. Mit diesem Gerät kann der Arzt Bilder vom Inneren Deines Darms mit harmlosen Ultraschallwellen machen. Keine Sorge: Das tut nicht weh. Der Arzt kann dadurch Entzündungen des Darms erkennen, beispielsweise anhand von Verdickungen der Darmwand oder einer vermehrten Durchblutung. Auch Fisteln und Abszesse lassen sich dadurch sichtbar machen. Fisteln sind röhrenförmige Verbindungen zwischen Darmschlingen, vom Darm zur Haut oder zu anderen Organen. Abszesse sind umkapselte Eiteransammlungen.

Das Gerät, das der Arzt dann auf Deinen Unterbauch aufsetzt, nennt sich „Schallkopf“. Zusätzlich wird er ein Gel auftragen, damit keine Luft zwischen das Ultraschallgerät und die Haut kommt. Das fühlt sich vielleicht etwas kalt an.

Magnetresonanztomografie

Bei Verdacht auf Morbus Crohn kommt auch die Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Der Arzt kann damit Bilder von Deinem Körper machen. Darauf kann er dann erkennen, welche Bereiche des Darms entzündet sind und ob Fisteln vorhanden sind.

Dein Arzt wird Dich bitten, Dich ins MRT-Gerät zu legen. Das ist aufgebaut wie eine große Röhre und macht klopfende Geräusche, wenn man darin liegt. Das ist ganz normal und tut nicht weh. Wichtig ist nur, dass Du während der Aufnahmen ganz still liegen bleibst, da sonst die Bilder verwackeln. Die Aufnahmen vom Darm sind wichtig, damit der Arzt genau erkennen kann, wie stark die Entzündung ist. So kann er entscheiden, welche Therapie für Dich am besten ist.

MR-Sellink und Kapselendoskopie

Außerdem gibt es die sogenannte MR-Sellink-Untersuchung. Das ist eine ganz spezielle Form der MRT, die besonders gute Informationen über die Darmwand (einschließlich Entzündungen, Eiteransammlungen und Darmwandverdickungen) liefert. Dafür wirst Du gebeten, vor der Untersuchung eine bestimmte Flüssigkeit zu trinken, mit deren Hilfe ein noch besseres Bild des Darms gemacht werden kann.

In ganz bestimmten Fällen wird der Arzt eine sogenannte Kapselendoskopie verordnen. Diese Methode hilft ihm, Informationen über den Zustand Deiner Darmschleimhaut zu bekommen, und zwar für den Teil Deines Darms, den er mit dem Endoskop zuvor nicht erreichen konnte. Dazu schluckst Du eine kleine Kapsel, die eine Kamera enthält. Und die zeichnet in kurzen Abständen Bilder auf, während sie den Magen-Darm-Trakt durchläuft. Später scheidest Du die Kapsel mit Deinem Stuhl wieder aus.

d

Endoskopie bei Morbus Crohn: So läuft eine Darmspiegelung ab

Die wichtigste Untersuchungsmethode bei Morbus Crohn ist die Spiegelung des Verdauungstrakts. Diese Methode wird Endoskopie genannt. Einen Tag vorher trinkst Du zwei Liter von einer bestimmten Lösung. Diese ist dafür da, den Darm zu reinigen, damit der Arzt am nächsten Tag mit dem Endoskop auch alles sehen kann. Das heißt, Du musst am Vortag der Untersuchung häufiger auf die Toilette.

Was ist ein Endoskop?

Ein Endoskop ist ein flexibler Schlauch, der etwa einen Zentimeter dick ist und an dessen Ende eine winzige Kamera und eine Lichtquelle angebracht sind. Bei der Darmspiegelung wird das Endoskop durch den After in den Darm eingeführt, bei einer Magenspiegelung über den Mund in den Magen. Das Bild der Kamera wird an einen Monitor übertragen. So lassen sich unterschiedliche Bereiche des Verdauungstraktes untersuchen, zum Beispiel der Dickdarm (Koloskopie) oder Speiseröhre und Magen (Gastroskopie).

Vor einer Endoskopie braucht niemand Angst zu haben. Du gehst dazu in eine spezialisierte Abteilung für Kindergastroenterologie an Kliniken. Dort wird sowohl die Vorbereitung als auch die Ausführung so schonend wie möglich vorgenommen. Die Untersuchung erfolgt unter Narkose oder in einem Dämmerschlaf (Sedierung). Das heißt, Du bekommst ein Betäubungsmittel gespritzt und nimmst dann gar nichts mehr von dem Eingriff wahr, sondern Du schläfst. Und wenn Du wieder aufwachst, hast Du vielleicht das Gefühl, gerade erst eingeschlafen zu sein. Allerdings ist noch ein paar Stunden danach der Darm zu spüren, weil er während der Untersuchung mit Luft gefüllt wurde.

Dem Darm auf den Grund gehen

Während Du schläfst, kann der Arzt die Endoskopie ausführen und dabei schauen, ob er Veränderungen an der Darm- beziehungsweise Magenschleimhaut erkennt. Das können zum Beispiel Rötungen, Schwellungen oder Verletzungen sein. Mithilfe dieser Informationen weiß der Arzt dann, wie stark die Entzündung ist. Manchmal entnimmt er während der Endoskopie auch Gewebeproben (Biopsie). Diese kann er dann unter dem Mikroskop untersuchen lassen. Mit den Ergebnissen der Biopsie lassen sich die Entzündungen oder andere Veränderungen der Schleimhaut noch genauer beurteilen. Bei Verdacht auf Morbus Crohn ist es besonders wichtig, dass sowohl eine Magenspiegelung (Gastroskopie) als auch eine Spiegelung des letzten Dünndarmabschnitts und des Übergangs in den Dickdarm (Ileokoloskopie) durchgeführt werden. Denn an diesen Stellen zeigt sich die Entzündung zu Beginn der Erkrankung am ehesten.

  • War diese Seite
    hilfreich?

  • Ja
  • Nein

Vielen Dank für Ihr Feedback.

Schade, das tut uns leid. Wir versuchen ständig uns zu verbessern.

RSV: Das Virus, das Eltern kennen sollten

Schließen

Sie haben einen externen Link gewählt. Wenn Sie auf "Ja" klicken, verlassen Sie die Homepage von AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG. Bitte beachten Sie, dass die AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG für den Inhalt der verlinkten Seite nicht verantwortlich ist. Wollen Sie die externe Seite betreten?

Ja Nein

Schließen
Seite empfehlen
Schließen